Ein paar Jahre lang war Gronau die rechte Hand von Roland Mack, die "wohl anstrengendste, aber lehrreichste Zeit meines Lebens", wie er sagt. "Das Tempo des Chefs ist brutal. Er sieht immer das Potenzial, will immer noch mehr. Also machen wir noch mehr, auch wenn es ökonomisch wenig bringt. Einfach weil der Chef Lust drauf hat. Seine Motivation ist halt nicht die Rendite, sondern die Perfektion." Selbst der junge Gronau konnte mit dem Chef nicht immer Schritt halten, er verabschiedete sich deshalb auf eine Tournee durch die Freizeitparks der Welt – um nach ein paar Jahren wieder nach Rust zurückzukehren. Eins weiß Gronau heute: "Es ist ein Wahnsinn, wie einfach der Mensch gestrickt ist, wenn er Spaß haben will. Wir wissen, welche Knöpfe wir drücken müssen, um ihm den Moment zu geben, den er erwartet." Der Slogan des Europa-Parks heißt: "Das ist dein Moment."

Der Parkleiter, dieser Fan, der Begeisterung und Objektivität vereint, enthüllt seine Erkenntnisse über den vergnügungswilligen Menschen mit entwaffnender Offenheit: "Wir bieten Kurzurlaub auf Knopfdruck, wir sind wie ein Smartphone: alles, und das bitte möglichst schnell." Diese Worte spiegeln sich im Länderkonzept des Europa-Parks. Frankreich und die Schweiz zum Beispiel sind hier nur ein paar Schritte voneinander entfernt, baulich wie gastronomisch auf ihre Essenz reduziert, Crêpe und Raclette, Herrenhaus und Chalet. Aber alle Häuser sind echt, die Schweizer Chalets sollten im Wallis einer Skipiste weichen, also hat man sie gekauft und nach Rust gekarrt. Hier gibt es keinen Starbucks, keinen McDonald’s. "Das machen Parks, die es nicht besser hinkriegen. Wir aber wollen es selber und besser machen", sagt Gronau.

Und dieses Selbstgemachte wird mit dem Konzept der drei S präsentiert: Sicherheit, Sauberkeit, Service. Es ist der Handel mit Illusionen, der hier betrieben wird. Weggeworfene Colabecher, heraushängende Kabel, diese Gefahren der Desillusionierung werden unter allen Umständen vermieden. "Wenn ich eines hasse, dann ist es Dreck", sagt Volker Klaiber, Direktor Operation und Service. "Wir zeigen die schönen Seiten des Lebens, die Leute wollen bei uns im Themenbereich Griechenland doch keine zugenagelten Banken sehen. Es gibt im Europa-Park nichts, das Ihnen nicht gefallen könnte", sagt Miro Gronau.

Wer wirklich verstehen will, warum der Europa-Park so erfolgreich ist, muss einmal mit Miro Gronau die Holzachterbahn Wodan begutachtet haben. Wie der Mann die Inszenierung erklärt ("Die Menschen müssen immer den drop point, die Fallhöhe, sehen, das stachelt sie an"), das Wartesystem (inklusive Getränkestand, Rätselstationen und Toiletten) und die stetig dramatischer werdende Musik. Da haben Psychologen und Regisseure mitgearbeitet, um die Kunden mit all ihren Sinnen anzusprechen. Gronau meint: "Der Besucher sollte ungefähr eine halbe Stunde warten müssen, damit er sich so richtig eingrooven kann."

Aber eins ist auch klar. Wer will, dass es ihm beim Fahren den Magen umdreht, der ist im Europa-Park nicht gut bedient. Jede Attraktion muss familientauglich sein, aus einem ganz bestimmten Grund: "Der Menschenschlag, der auf der Achterbahn den extremen Kick will, ist mengenmäßig klein, nicht loyal und hat wenig Geld", sagt Gronau. Natürlich gibt es für diese Klientel auch etwas, sie muss einfach ein bisschen weiter fahren, in die USA oder nach England in den Total Thorpe Park in Surrey. Hier kann man sich nach der Horrorfahrt in bereitstehenden Kotzecken erleichtern. In Rust wäre eine solche zur Schau getragene Hässlichkeit undenkbar.

Die Familie Mack denkt weiter – und wird bald den nächsten großen Schritt in Angriff nehmen, einen Schritt, auf den vor allem die jüngeren Verantwortlichen schon lange gedrängt haben. 2016 will man, auf einem angrenzenden Grundstück, einen Wasserpark eröffnen. "Und zwar einen, wie ihn Europa noch nie gesehen hat", sagt Michael Mack. Es wird viele Attraktionen geben, die wetterunabhängig betrieben werden können. Man schätzt das Potenzial auf zusätzliche 500.000 bis 800.000 Besucher pro Jahr.

Vorher wird aber Roland Mack den Clan noch zu einer juristischen Familienaufstellung bitten. Da soll festgelegt werden, wer wann für was im Unternehmen zuständig sein soll. Der Chef, der Perfektionist, will damit sicherstellen, dass es auch nach ihm eine Zukunft gibt.