BiografieZwilling aus einer anderen Zeit

Eine neue Biografie erzählt das schillernde Leben des Kunstsammlers Eduard von der Heydt. von Christian Boros

Der Kunstsammler Eduard von der Heydt

Der Kunstsammler Eduard von der Heydt  |  © Prestel Verlag

"Papa!", rief mein damals dreijähriger Sohn, als er mich auf einem Foto entdeckt zu haben glaubte – das tatsächlich Eduard von der Heydt mit seinem typischen schmallippigen Lächeln und festem Blick zeigte. Ist Eduard von der Heydt – wie ich ein aus Wuppertal stammender Kunstsammler und leidenschaftlicher Gastgeber mit vielfältigen Interessen und einem Faible für asiatische Lebensweisen – mein Zwilling aus einem anderen Jahrhundert? Die Lektüre einer neuen Biografie lässt mich viele Gemeinsamkeiten entdecken – aber auch signifikante Unterschiede.

In dieser von Eberhard Illner herausgegebenen Biografie wird erstmals zugleich der Bankier, der Sammler, der Mäzen und der Mensch Eduard von der Heydt betrachtet – mit aufschlussreichen Essays, vielen Dokumenten, zeitgenössischen Fotos und Abbildungen von Schlüsselwerken der Sammlung. In vier Epochen deutscher Zeitgeschichte hat von der Heydt viele Rollen gespielt – oder vielleicht: spielen müssen?

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Eduard von der Heydt wurde 1882 als Sohn des schon damals legendären Bankiers, Kunstsammlers und Mäzens August Karl von der Heydt geboren. Anlässlich seines 21. Geburtstages mahnte der Vater ihn an "die Pflicht, die Ehre unseres Namens über alles zu stellen und das Erbteil Deines berühmten Namens unverkürzt Deinen Nachkommen zu hinterlassen, so weit Deine Energie und Dein Mut, Deine Arbeit vermag".

Christian Boros

ist Inhaber einer Werbeagentur in Berlin und Wuppertal und hat seine Kunstsammlung in einem umgebauten Bunker in Berlin-Mitte öffentlich gemacht.

Im Falle seiner Kunstsammlung ist es Eduard gelungen, der Forderung des Vaters gerecht zu werden. Dies war, wie wir im Buch fasziniert verfolgen können, mit Anstrengungen und Hakenschlägen verbunden, die Herausforderungen, die eine Sammlung auch heutzutage mit sich bringt, erscheinen im Vergleich fast schon banal.

Um die noch dem Vater gehörende Sammlung – darunter Werke von van Gogh, Courbet, Picasso, Klee und van Dongen – vor den Folgen des Reichsnotopfergesetzes zu schützen, kauften er und sein Bruder sie ihm 1922 auf Basis eines Gefälligkeitsgutachtens zu lachhaft niedrigen Preisen ab. Eduard erhielt seinen Teil mitten in der Inflation zum Tagespreis von drei Rindern. Anders als seinem Bruder August ist es ihm gelungen, seinen Teil der Sammlung größtenteils zu bewahren.

Die Nationalsozialisten waren dem kunstsinnigen Nationalkonservativen, der 1926 den Monte Verità in der Schweiz erworben hatte, wo nach und nach sein Lebensmittelpunkt entstehen sollte, schon früh suspekt, dennoch trat er 1933 in die NSDAP ein und soll auch bei Geldtransfers der Nazis an Auslandsagenten beteiligt gewesen sein. Die Autoren mutmaßen, dass er die Machthaber nicht vergrätzen wollte, da zum einen noch Mutter und Bruder in Deutschland lebten und sich zum anderen viele Werke der Sammlung in deutschen Museen befanden.

Leserkommentare
  1. Eduard von der Heydt, von Buddha bis Picasso, Museum Rietberg Zürich

    http://www.plattner.in/fi...

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