Arbeitsüberlastung : Das Zitat… und Ihr Gewinn

Perikles sagt: Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.

Der Entwicklungsleiter war verzweifelt: 180 Mails prasselten pro Tag in sein Postfach. Und so saß er, statt Produkte zu kreieren, den ganzen Tag als Antwortautomat am Schreibtisch. Und wenn er mal seiner eigentlichen Arbeit nachging, rissen ihn die aufploppenden eingehenden Mails immer wieder aus seinen Gedanken.

Wie konnte er die Zahl seiner eingehenden Mails senken? Eine Antwort darauf, die auf der Hand lang, hatte er bislang übersehen: Die Betreffzeilen der meisten Mails begann mit "Re:" – ein digitales Echo dessen, was er in die Welt hinausgerufen hatte. Pro Tag schrieb er 60 Mails – rund ein Drittel seiner Eingänge waren Antworten. Indem er die Zahl seiner (oft überflüssigen) Mails und (oft überflüssigen) Verteiler um die Hälfte reduzierte, dämmte er die Schwemme der Antworten ein.

Im zweiten Schritt wollte er sich für seine kreative Arbeit einen geschützten Raum schaffen. Er nahm sich pro Woche zwei "Kreativtage". Dienstags und donnerstags schaltete er eine Abwesenheitsmail, in der es hieß, er arbeite an wichtigen Projekten und sei erst am kommenden Tag wieder erreichbar. Das Geheimnis dieser Freiheit, die er sich nahm, war sein Mut (mit Perikles gesprochen).

Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher. In seinem aktuellen Ratgeber Sei einzig, nicht artig! fordert er den Leser auf, nichts mehr nur für andere zu tun, sondern alles für sich selbst.

Erst stießen diese Mails auf Befremden – schließlich war er für seine schnelle Erreichbarkeit bekannt! Doch nach drei Monaten hatten sich alle daran gewöhnt, und etwas Zauberhaftes passierte: Die Zahl der Mails sank nicht nur an den Kreativtagen, sondern insgesamt. Offenbar erledigten sich viele Anliegen von alleine. Wer ihn zuvor nach Lösungen gefragt hatte, benutzte jetzt seinen eigenen Kopf.

Und als dritten Schritt beschloss er, sich von den Maileingängen nicht länger unterbrechen zu lassen. Laut einer Studie der University of California braucht es nach jeder Arbeitsunterbrechung acht Minuten, um in die alte Tätigkeit zurückzufinden; 50 Mails können also 400 Minuten kosten. Der Entwicklungsleiter rief seine Mails nur noch zweimal am Tag ab und berücksichtigte dabei seinen Biorhythmus: Zwischen 8 und 11 Uhr arbeitete er kreativ. Und sein Mittagstief zwischen 11 und 12 Uhr nutzte er, um die Routinearbeiten im Maileingang zu erledigen. Dasselbe tat er noch mal am späten Nachmittag um 16.30 Uhr.

Seit er sich dem Diktat der Mails entzogen hat, arbeitet er effektiver und kreativer als zuvor. Sein Beispiel macht Schule: Zwei Abteilungsleiter-Kollegen haben sich nun ebenfalls Mail-freie Tage eingerichtet.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Der Fisch stinkt vom Kopfe...

Wenn man einen Chef hat, der sich regelmäßig beschwert, weil man eine E-Mail nach 30 Minuten noch nicht beantwortet hat oder weil man auf dem Klo das Telefon nicht dabei hat... oder gar, weil man während eines Telefonats mit dem wichtigsten Kunden der Firma nicht das zweite Telefon aufnimmt...

Dann helfen auch keine guten Tipps.

nun, an die die das für banal,

trivial und überflüssig halten, es läuft leider wirklich oft so, dass man mittlerweile mehr zeit mit kommunizieren vergeudet, als mit der eigentlichen aufgabenerfüllung. hinzukommt in der regel eine übertriebende dokumentation. wirklich effizienter ist das nicht.

das krönchen war in meinem lebenslauf ein unternehmen, in dem der häuptling glaubte, seine mitarbeiter durch ständige lobs und annerkennung motivieren zu können: wenn einer der mitarbeiter geschafft hat sein büro ohne hilfe zu finden, schrieb er darüber eine mail mit der leistung und dem lob und setzte JEDEN im unternehmen in den verteiler.
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