Haute CoutureZu lebendig für den Louvre

Wer war Elsa Schiaparelli? In Paris verneigt sich die Modewelt vor der großen Designerin. von 

Im Museum? Elsa Schiaparelli, die verwegenste der modernen Modedesignerinnen, die in den dreißiger Jahren durchsichtige Kleider aus Zellophan schneiderte und knallrote Reißverschlüsse einbaute, von Salvador Dalí inspiriert, goldene Krallen auf Satin-Handschuhe setzte und im Auftrag von Stalin eine Kollektion für die revolutionäre Russin entwarf – im Louvre? Shocking! So hieß schon ihr Parfum, der Schriftzug in pink!

Ein Meer von Flamingorosé flutet die hohen Palasträume der Salles des Broderies, vor deren Fensterfronten sich Buchshecken wie Fächer aufspreizen, als wollten sie etwas von dem Ereignis zu fassen kriegen.

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Eine Hommage an Elsa Schiaparelli, von Christian Lacroix! Einer der großen Designer unserer Zeit erinnert sich an das Modelabel von einst, finanziert wird das von dem italienischen Modeunternehmer Diego della Valle (Hogan et cetera). Es war das Event zum Auftakt der diesjährigen Haute-Couture-Präsentationen und soll eine neue Zukunft für Schiaparelli einläuten, komplett mit Haute Couture und Prêt-à-porter, Schuhen, Taschen, Schmuck, Parfüm. Eine neue Elsa, die mit ihrer Firma einen glanzvollen Aufstieg erlebte, aber 1952 schließen musste, wie übrigens Lacroix vor einigen Jahren, und nun schon seit 40 Jahren tot ist.

Wer war sie? "Ich kenne Schiap nur vom Hörensagen", schreibt sie spöttisch in ihrer Autobiografie. "Ich habe sie nur im Spiegel gesehen. Sie ist, für mich, so etwas wie eine fünfte Dimension."

Schiaparelli sampelte ihre Gegenwart

Nur fünf? Das ist sehr untertrieben. Geboren 1890 im römischen Palazzo Corsini, als junge Mutter in New York in Armut gestrandet, im Paris der zwanziger Jahre wie ein Paradiesvogel aus dem Elend aufgestiegen, auf dem Kopf ein Turban, das sparte den Friseur. Schiaparelli war die Kontrahentin von Gabrielle Chanel, an der herrlichen Place Vendôme belauerte man sich. Sie war auch ein wenig allein. Ihre Freunde verglichen sie mit der traurigen Taube, die Picasso in einen Käfig malte, davor ein böser schwarzer Vogel (Coco?). Lacroix führt heute zu Schiaparelli durch einen Zauberwald, der in einem Käfig aus Bambus wuchert und aus dessen Geäst es lustig zwitschert, von winzigen Bildschirmen.

Auf einem Caroussel drehen sich Puppen, umhüllt von Seidenkreppwolken, auf dem Kopf bunte Federtuffs oder ein Samtdeckel, von dem aus goldene Tränen über Wangen kullern. Nur Mut, möchte man sagen, nebenan werden Erdbeeren serviert, schon wegen – na ja, Pink!

Es sind 18 Kreationen, Gedankenspiele. In der Haute-Couture-Ausstellung, die im Hotel de Ville gerade zu Ende ging, wurde Lacroix gefeiert als ein passionierter Historiker, der sich aus der Vergangenheit etwas Raffiniertes zusammensampelt, darin nicht so anders als Schiaparelli, die ihrerseits in der Gegenwart sampelte, sich bei den Hüten der Fischersfrauen von Malta Zeitungspapier als preiswertes Material abguckte oder bei den Tuareg bequeme Pluderhosen.

Lacroix setzt die engen Jäckchen ein, mit denen Schiaparelli einst die Taille wieder erfand, über pludrige Taschen, die mal wie Schößchen wirken, lachsfarbig über einem Rock aus Fuchsfell, oder ausufernd zu knittrigen Ballons, umzugsgeeignet, im Sinne der praktischen Elsa. Eine kleine wilde Federcorsage, dekoriert mit bodenlanger weißer Schleife, wie sie als Trompe l’Œil in die Pullöverchen gestrickt war, mit denen Schiaparelli weltweit Furore machte. Ein Mantelkleid im tiefen Violett der römischen Kardinäle, überkrustet mit schwarzer Stickerei, ein Hauch ihres legendären Militärstils. Goldstarrende Epauletten, verteilt über Krägen, Armen, Schößchen, im ursprünglichen Haus Gripoix gefertigt. Viel krabbelndes Getier!

Leserkommentare
  1. 1. [...]

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