Stilkolumne : Taschen und Geheimnisse

Eine Stilkritik
In dieser durchsichtigen Tasche trägt man am besten das, was man gerne vorzeigt. Von Joop!, 119 Euro © Peter Langer

Fast jede Frau hat mindestens eine Handtasche, und jede Handtasche hat mindestens ein Geheimnis. Grundsätzlich soll eine Tasche ja nicht nur modisch, sondern auch praktisch sein. Lippenstift, Geld, Taschentücher, Parfum, Reizgas – es gibt fast nichts, was nicht verstaut werden könnte. Die Handtasche hat dabei eine wichtige Schutzfunktion: Als schön gestaltetes Stück signalisiert sie modischen Geschmack, und gleichzeitig gibt sie das Innere nicht preis.

Welche Ordnung oder welches Chaos in einer Tasche herrscht, weiß nur die Trägerin. Eine der bekanntesten und meistverkauften Designerhandtaschen ist das Modell 2.55 von Chanel, benannt nach seinem Entwurfsdatum Februar 1955. Im Vorderumschlag des Prototyps dieser Tasche befindet sich ein Geheimfach, in dem angeblich Coco Chanel ihre Liebesbriefe versteckt hat.

Den Künstler Hans-Peter Feldmann hat das geheimnisvolle Innenleben von Handtaschen sogar zu einer Arbeit inspiriert: Er kaufte Frauen für jeweils 500 Euro ihre Taschen ab – mit dem kompletten Inhalt, den er dann ausstellte. Zu sehen waren: Quittungen, Münzhäufchen, Zigarettenfilter, Haarbürsten, Gummibärchen und Schmerztabletten, Geldbörsen und viele Kugelschreiber.

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Allerdings hat sich mittlerweile eine weitere Art von Taschen etabliert: Diese offenbaren einen Blick auf alles, was sie in sich tragen, denn der Korpus ist so durchsichtig wie eine Klarsichthülle. Schon länger feiert die Accessoire-Marke Furla mit der Candy-Bag Erfolge, einer poppigen Henkeltasche aus PVC, bei der viele Modelle transparent gestaltet sind. Einst wurde Kunststoff eingeführt, um das teure Leder zu ersetzen – jetzt wird er mit Naturmaterialien kombiniert. Etwa bei der 2 jours bag von Fendi, einer ledernen Henkeltasche, an der eine kleine durchsichtige Halterung aus PVC angebracht ist, in die man gut sichtbar die passende Baguette-Tasche hineinstecken kann. Auch Valentino hat in dieser Saison viele transparente Modelle im Angebot.

Noch unklar ist, ob sie für sehr ordentliche Frauen gemacht sind, die nur repräsentative Kleinode in ihren transparenten Taschen mit sich führen. Oder vielleicht für solche, die sich des Chaos, das sie herumtragen, einfach nicht schämen.

Kommentare

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Innentäschchen

Mit den neuen transparenten Taschen verhält es sich glaube ich ähnlich wie mit transparenter Oberbekleidung:
Es kommt auf das Darunter an. Soweit ich gelesen habe (ich selbst besitze so eine Tasche nicht), packt man irgendwelche Kleinteile oder sonstiges (was nicht unbedingt jeder sehen muss) in kleine Kosmetiktäschchen oder -beutelchen, die ihrerseits natürlich blickdicht sind.

Und DIE kommen dann in die transparente Tasche.

Neben dem neuesten Vorzeigesmartphone und der angesagten Designerbrille natürlich - also den Sachen, die offen präsentiert werden sollen.

Ähnlich wie bei transparenten Blusen, zu denen frau stets das passende Top für darunter benötigt, ist dies für den Handel natürlich begrüßenswert: Frau kauft nicht nur eine Tasche, sondern zusätzlich auch noch weitere kleine Täschchen, in denen sich der Inhalt verstecken lässt. Und die sollten dann idealerweise noch farbig an die jeweilige Kleidung angepasst sein.

Auch für aus Sicht der Taschendiebe sind diese Taschen sicherlich eine tolle Erfindung: Man sieht gleich, ob sich das Zugreifen lohnt ;-)

Ich gebe diesem Trend trotzdem nur eine kurze Lebenserwartung.

Lg, A.