Stimmt's / Stimmt's? : Wachsen Finger- und Zehennägel im Sommer schneller als im Winter?

Eine Kolumne von
...fragt Karolin Kunz aus Wien.

Es ist gar nicht so leicht, das Wachstum von Finger- und Fußnägeln mit wissenschaftlicher Präzision zu messen. Früher hat man oft einfach die Schnipsel, die beim Nagelschneiden anfallen, gesammelt und gewogen, aber diese Methode ist doch arg ungenau. Besser ist es, den Nagel unten, wo er herauswächst, mit einem kleinen Punkt zu markieren und dann zu dokumentieren, wie der langsam herauswächst.

Im Durchschnitt wachsen Fingernägel etwa 3,5 Millimeter pro Monat. Es gibt dabei große Unterschiede zwischen einzelnen Menschen und sogar zwischen den Fingern einer Hand – im Allgemeinen wächst der Mittelfingernagel am schnellsten. Und tatsächlich wachsen bei den meisten Menschen die Nägel im Sommer etwas schneller als im Winter.

Was ist die Ursache dafür? Die Nägel spiegeln den allgemeinen Ernährungs- und Gesundheitszustand eines Menschen wider. Sie wachsen langsamer, wenn wir unter einer chronischen Krankheit oder unter Mangelernährung leiden. Eine Studie hat gezeigt, dass sich unser Nagelwachstum in den letzten 70 Jahren beschleunigt hat, man macht die generell bessere Ernährung heute dafür verantwortlich. Im Sommer gibt es mehr frische und hochwertige Lebensmittel – das könnte ein Grund für stärkeres Wachstum sein.

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Ein weiterer Faktor ist die Durchblutung. Bei Rechtshändern wachsen die Nägel der rechten Hand schneller als die der linken, weil die mehr benutzt wird. Bei kaltem Wetter sind die Extremitäten schlechter durchblutet – in Polarregionen wachsen die Nägel sehr langsam.

Und schließlich bekommen wir im Sommer mehr UV-Licht von der Sonne ab, das fördert die Produktion von Vitamin D. Und dieses Vitamin ist unter anderem an der Bildung von Haut und Nägeln beteiligt.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Kommentare

8 Kommentare Kommentieren

Wahrnehmung

Es muss nicht nur das Sonnenlicht und die Ernährung allein sein.

Im Winter hat man die Hände auch viel öfter, wenn man draußen ist, in Handschuhen stecke.
Folge ist, dass sich auch der Dreck unter den Fingernägeln langsamer ansammelt - der Wunsch, den mit Kurzschneiden der Nägel zu entfernen könnte später kommen.
Vielleicht ist man durch das Winterwetter aber auch einfach nur zu lethargisch um die Nägel genauso oft wie im Sommer zu schneiden ;-)

zu Kommentar Nr. 4 - Vielleicht sind Sie bei Stress auch einfach kritischer mit sich selbst und versuchen dies durch regelmäßigere Rasur & Maniküre zu kompensieren - das wäre dann auch ne Frage der Wahrnehmung ;-)

Urlaub vs. Arbeit

Es ist sicherlich auch ein Unterschied, was man mit den Händen tut. Ich muß mir z.B. für gewöhnlich die Nägel kaum schneiden, weil sie sich vom vielen Tippen und Tun von ganz allein abnutzen. Im Urlaub hingegen lass ich die Finger von Tastaturen und auch sonst tut man ja für gewöhnlich eher wenig. Folglich ist die Abnutzung der Nägel geringer und es entsteht der Eindruck, sie würden schneller wachsen.

Was aber einen ganz erheblichen Einfluß auf das Wachstum und vor allem die Qualität der Nägel hat: die Qualität des Wassers, daß man trinkt und mit dem die Nägel in Berührung kommen. Beim Urlaub in Wien und Konsum von bis zu 6 Litern Hochquellwasser aus der Leitung wuchsen meine Nägel nicht nur schneller, sondern wurden vor allem fester. Nach einer Woche schon hatte ich knallharte Krallen an den Fingern, im Gegensatz zu den sonst eher elastischen bis brüchigen Nägeln. (Das Gleiche gilt für die Haare, die in Wien bei Benutzung desselben Shampoos schon nach der ersten Wäsche seidenweich und glänzend waren und sich auch noch wunderschön lockten, während sie mir zu Haus trocken-spröde und schlaff vom Haupte hängen.)