Es ist gar nicht so leicht, das Wachstum von Finger- und Fußnägeln mit wissenschaftlicher Präzision zu messen. Früher hat man oft einfach die Schnipsel, die beim Nagelschneiden anfallen, gesammelt und gewogen, aber diese Methode ist doch arg ungenau. Besser ist es, den Nagel unten, wo er herauswächst, mit einem kleinen Punkt zu markieren und dann zu dokumentieren, wie der langsam herauswächst.

Im Durchschnitt wachsen Fingernägel etwa 3,5 Millimeter pro Monat. Es gibt dabei große Unterschiede zwischen einzelnen Menschen und sogar zwischen den Fingern einer Hand – im Allgemeinen wächst der Mittelfingernagel am schnellsten. Und tatsächlich wachsen bei den meisten Menschen die Nägel im Sommer etwas schneller als im Winter.

Was ist die Ursache dafür? Die Nägel spiegeln den allgemeinen Ernährungs- und Gesundheitszustand eines Menschen wider. Sie wachsen langsamer, wenn wir unter einer chronischen Krankheit oder unter Mangelernährung leiden. Eine Studie hat gezeigt, dass sich unser Nagelwachstum in den letzten 70 Jahren beschleunigt hat, man macht die generell bessere Ernährung heute dafür verantwortlich. Im Sommer gibt es mehr frische und hochwertige Lebensmittel – das könnte ein Grund für stärkeres Wachstum sein.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Ein weiterer Faktor ist die Durchblutung. Bei Rechtshändern wachsen die Nägel der rechten Hand schneller als die der linken, weil die mehr benutzt wird. Bei kaltem Wetter sind die Extremitäten schlechter durchblutet – in Polarregionen wachsen die Nägel sehr langsam.

Und schließlich bekommen wir im Sommer mehr UV-Licht von der Sonne ab, das fördert die Produktion von Vitamin D. Und dieses Vitamin ist unter anderem an der Bildung von Haut und Nägeln beteiligt.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio