1(1) Patrícia Melo: Leichendieb
Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita Tropen, 208 S., 18,95 €

Corumbá, Grenze Brasilien/Bolivien. Dem namenlosen Icherzähler dieser moralischen Groteske fällt beim Angeln ein Flugzeug vor die Füße. Darin der sterbende Sohn eines reichen Viehzüchters und ein Kilo Koks. Welch ein Glück! Der Angler beginnt zu handeln: mit Stoff, mit Leichen, mit Zukunft. Melo ist Extraklasse.

2(–) Waren Ellis: Gun Machine
Aus dem Englischen von Ulrich Thiele Heyne, 384 S., 9,30 €

Manhattan. Detective Tallow entdeckt eine Schatzkammer mit den Waffen aller Serienkiller Amerikas. Der "Jäger" nutzt dieses Arsenal auf seinem eigenen blutbespritzten Kriegspfad: Manhattan den Indianern! Wunschalbtraum des Comicautors Ellis: mit Polizeisirene in die ewigen Jagdgründe! Voll abgedreht.

3(2) Robert Hültner: Am Ende des Tages
btb, 320 S., 19,99 €

München/Thalbach/Chiemgau um 1929. Die Nazis scheinen abgeschlagen, Kajetan könnte zurück zur Polizei. Noch klärt er einen Justizirrtum auf, da kollidiert er mit der Politik. Ein Flugzeug mit übler Konterbande ist abgestürzt. Bayern tapst in Richtung Ende. Historisch gewiefte, sprachlich ausgefeilte Krimikunst. Arne Dahl:

4(–) Arne Dahl: Bußestunde
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt Piper, 462 S., 19,99 €

Stockholm/Bagdad. Verschwunden: der mächtigste Polizist Schwedens. Entführt: anorektische Frauen. 1 Fall für Paul Hjelm, 1 Fall für die A-Gruppe. Dahl spinnt globales, reißfestes Garn, zwischen Ellroy und le Carré. Zehnter und bester Band um das beamtete Ermittlungskünstler-Kollektiv.

5(–) Lavie Tidhar: Osama
Aus dem Englischen von Julia Gräbener-Müller, Rogner & Bernhard, 312 S., 22,95 €

Vientiane/London/New York. Privatdetektiv Joe sucht den Mann, der Osama bin Laden erfand. Plausible Realitätsumkehr: Al-Kaida als Fantasieprodukt eines Serienschreibers. Auf der Suche nach der Wahrheit der Fiktion taumelt Joe wie durch Drogenwelten, gehetzt vom Komitee gegen Gegenwärtige Gefahr KGG.

6(3) Olen Steinhauer: Die Spinne
Aus dem Englischen von Friedrich Mader Heyne, 492 S., 16,99 €

New York/Peking/Welt. Milo Weaver, Überlebender der ultrageheimen "Touristen"-Abteilung, will nur noch Familie. Aber ein Ex-Chef und sein chinesischer Gegenspieler setzen auf Rache. Steinhauer spielt meisterhaft die pazifische Karte. So sieht der Politthriller von morgen aus: weltumspannend, komplex, rasant.

7(8) Matthias Wittekindt: Marmormänner
Edition Nautilus, 288 S., 16,90 €

Fleurville. Seit 40 Jahren nennt man sie "Marmormänner". Einer lag als Wachsleiche am Bahndamm, die anderen drei sind perdu. Unruhe in der kleinen Stadt: Die Kleider eines Verschwundenen kommen ans Licht, ein Kind und seine Mutter werden entführt. Sorgsame Milieustudie über Vergessen, Verdrängen, Verschütten.

8(5) Sara Gran: Das Ende der Welt
Aus dem Englischen von Eva Bonné Droemer, 368 S., 14,99 €

San Francisco/Brooklyn. Fünf Gitarren, ein Pokerchip, Schlüssel – schwache Hinweise auf den Mörder von Paul, Claire de Witts Exgeliebtem. Prekäre Autonomie der Detektivin: Claire zerstört sich fast auf der Suche nach Wahrheit, nach dem Kindertraum, geliebt zu werden. Kaliforniens Norden: kalt und hip. Gran fasziniert.

9(–) Stephen Dobyns: Das Fest der Schlangen
Aus dem Englischen von Rainer Schmidt C. Bertelsmann, 544 S., 14,99 €
Brewster, Rhode Island. Ein neugeborenes Baby ist weg, die Plazenta auch. Kojoten streifen durch die Gassen, ein Junge trainiert Telekinese. Der Versicherungsdetektiv wird skalpiert. Zwischen Realem, Eingebildetem und Inszeniertem führt Dobyns akrobatische Erzählsprünge vor: Kleinstadthorrorverbrechensvergnügen pur.

10(9) Mark Peterson: Flesh & Blood
Aus dem Englischen von Karen Witthuhn, Rowohlt, 384 S., 9,99 €

Brighton. Cops gegen Gangsterbosse – die raue, schnelle Story passt wie die Faust ins Auge von Sussex. Im Drogen- und Vergnügungsparadies an Englands Südstrand findet DS Minter seine Bestimmung: Ermitteln in Elend und Dreck. Schnörkelloses Debüt. Peterson kennt sich aus.