BMW i3Er stinkt nicht

Kann ein BMW wirklich öko sein? Und wer kauft ihn dann? Das Elektroauto i3 soll dem Konzern Vorsprung durch Technik bringen von 

Ein BMW i3 bei einer Testfahrt Anfang Juli 2013

Ein BMW i3 bei einer Testfahrt Anfang Juli 2013   |  © BMW

Vierzylinder nennt man in München die BMW-Zentrale. Das passte bislang ideal zur Marke. Schließlich waren es die starken Benziner und Diesel mit bis zu zwölf Zylindern, die den Weltruf der Bayerischen Motoren Werke prägten. Und die damit angetriebenen Autos laufen nach wie vor prächtig. Noch nie wurden weltweit so viele Limousinen, Kombis, Gelände- und Sportwagen mit dem blau-weißen Markenemblem verkauft. Noch nie wurde so viel Geld damit verdient.

Die Zukunft sieht anders aus. Zu besichtigen in Leipzig. Vier imposante Windräder in Reihe dominieren die Ansicht des dortigen BMW-Werks. 190 Meter hoch ragen die Rotorblätter in den sächsischen Himmel. Dies ist der Ort, an dem BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer eine große Wette platziert hat: auf die Zukunft des Konzerns, des Automobils und seine eigene Karriere. Hier in Leipzig produziert BMW sein neues Elektroauto i3. Reithofer will mit solchen Autos der anderen Art verhindern, dass es seinem Unternehmen ergeht "wie den Herstellern von Schreibmaschinen, als der Computer kam". Sie haben den Technologiesprung nicht überlebt.

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Unter den Windrädern in Leipzig wird sich entscheiden, ob Reithofer zu viel versprochen hat. Und wer kauft die Autos der anderen Art?

"Die vier Windanlagen liefern den kompletten Strom für die Produktion unserer E-Autos", sagt Helmut Schramm, der Produktionsleiter für die E-Autos. Und nicht nur bei der Energieversorgung mache man so ziemlich alles anders als bisher. "Hier wird das erste Premiumauto in Großserie gebaut, das von Anfang an als Elektrofahrzeug konzipiert worden ist", und "hier findet eine Revolution im Automobilbau" statt.

Der 49-jährige Ingenieur mit Professorentitel ist kaum zu bremsen, wenn er von der Produktion des Elektro-BMW erzählt: Statt schweres Stahlblech zu pressen, werde hier ultraleichtes Carbon geformt, die Karosserie geklebt und nicht geschweißt. Die lautlos tanzenden Kleberoboter sind mit einem Zaun aus umweltzertifizierten Hölzern eingefriedet, das Sitzleder wird mit natürlichen Olivenölextrakten gegerbt. Autos aus ökologischem Anbau sozusagen.

BMW i3 heißt das kleine E-Auto aus Leipzig, mit dem die Bayern die Zukunft gewinnen und gleichzeitig die Lebensdauer ihrer hoch profitablen "großen Spritschlucker" (Greenpeace) verlängern wollen. Bei Berechnung der von der EU vorgeschriebenen CO₂-Grenzwerte für die gesamte Autoflotte eines Herstellers dürfen die großen Schlucker nämlich gegen die lokal emissionsfreien E-Autos aufgerechnet werden.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Nicht nur die Windräder belegen, wie ernst dem Autobauer die Sache mit dem Elektroauto ist. BMW will zwar nicht verraten, wie viel Geld der Technologiesprung in die Elektromobilität bislang gekostet hat. Fachleute schätzen die Investitionen aber auf 2 bis 2,6 Milliarden Euro. Mehr als doppelt so viel, wie für die Neuentwicklung eines konventionell angetriebenen Modells üblich sind.

Der BMW-Vorstand will mit seinem "Megacity Vehicle" den Erfolg der Marke in Zeiten sichern, in denen immer mehr Menschen auf der Welt in Millionenstädten auf engem Raum wohnen; Menschen, zu deren Lebensstil die großen Benzinkutschen immer weniger passen.

Kann dieses Kalkül aufgehen? Wird ein Auto wie der i3 den staugeplagten Stadtbewohnern in den Megacitys neue "Freude am Fahren" (BMW-Slogan) bringen? Passt so ein kleines Leichtgewicht zur Marke BMW, die bei den zahlungskräftigen Kunden rund um den Globus für PS-starke Autos der "Premiumklasse" steht?

Oder wird das Projekt zum Milliardengrab, zum Image-Gau für eine Marke, die zuletzt selbst die härtesten Rivalen in der Premiumliga, Audi und Mercedes, auf Distanz hielt?

Ulrich Kranz ist der Mann bei BMW, der für Reithofer die Wette gewinnen soll. Der 55-jährige Saarländer ist das mastermind hinter dem Wandel, der Ende 2007 als "Projekt i" eingeleitet wurde. Im Münchner Forschungszentrum des Konzerns (FIZ), in dem Tausende Konstrukteure an neuen Produkten tüfteln, erzählt der Maschinenbau-Ingenieur davon, wie er zuvor schon geholfen habe, für BMW neuartige Modelle anzuschieben, den kleinen Mini und den großen hochbeinigen X5 etwa, der die Münchner schlagartig an die Spitze der SUV-Welle katapultierte.

Die "Carbon Story" soll die Kunden auf den kommenden i3 einstimmen

Doch Projekt i war auch für ihn eine neue Dimension. "Es ging nicht nur um ein neues Auto, es ging um neue Rohstoffe, Technologieentwicklung, Produktionssysteme, Fahrzeugarchitektur bis hin zu neuen Verkaufsmethoden – und alles unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit", sagt Kranz. Ein riskantes Projekt? "Natürlich."

Leserkommentare
  1. dieser Welt so ein Auto? Braucht man 170 PS in einem Stadtwagen? "Ja", sagt Ulrich Kranz, auch ein Elektrofahrzeug von BMW dürfe "kein Verzichtsauto" sein. Alle BMW müssten "agil" sein. Die Vokabel "Verzicht" ist tabu bei den Münchnern, obwohl sie jetzt so viel von Nachhaltigkeit reden."

    Natürlich will man nicht verzichten, wenn man mehr Geld auf den Tisch liegt, die Frage ist nur, worauf.

    Statt 170 PS mit Beschleunigung wie ein Rennwagen hätten sich die Ingenieuere, deren Einsatz für alternative Antriebe ja nicht grundsätzlich schlecht ist, mal besser dem Raumkonzept gewidmet.

    Der Wagen ist knapp 4 Meter lang, hat aber offensichlich einen deutlich kleineren Kofferaum (200 Liter) wie die Konkurrenz.

    Liebe BMW-Entwickler, nehmt euch ein Beispiel an einem Hyundai i 10 oder ähnlichem, und baut ein Auto, dass 4 Personen in Stadt bringt, nicht zu schnell und nicht zu langsam ist, mindestens 250 Liter Kofferraum ohne Umklappen bietet (das passt genau für Klappboxen) und bei 3,60 Meter Länge dennoch in jede Parklücke passt.

    Dann darf es für den Antrieb auch etwas mehr kosten.

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    • Kauri
    • 12. Juli 2013 9:47 Uhr

    .....wie ein Hyundai i10 und kostet knapp 40 k € , dann ist das Projekt schon im Prospekt tot. Als Flugzeugbauingenieur bin ich ein Verfechter von Leichtbau und Aerodynamik. Leider habe ich es verpasst, mir einen der letzen neuen Audi A2 zu beschaffen. Das Auto war auf dem richtigen Weg.
    BMW geht ein Risiko ein - zweifellos. Aber das Projekt i3 gehört sicher nicht zu den Vorhaben, die man ob ihrer Fahrlässigkeit auch als Beleidigung des Verstandes bezeichnen könnte.
    Der i3 ist vom Konzept ein E-Auto pur. Die Form passt. Auch passt BMW als Marke. Nur so innovative Marken, wie BMW schaffen den Sprung in die neue Welt. BMW hat die "Premium-Kunden" dieser Welt, die sich mit dem i3 als drittes Auto schmücken. Das schaffen andere Marken , die lediglich einen schnöden Tausch des Verbrenners mit dem e-Antrieb vornehmen, so nicht. Es war auch klug, den i3 optional mit einem Rangeextender anzubieten. Wenn BMW nun knapp 3 Mrd. € investiert hat, dann ist das etwa so viel, wie Herr Ghosn bei Renault für E-Mobilität ausgegeben hat. Die Wette, die Herr Ghosn eingegangen ist, ist schon verloren. Renault hat eben keinen Zugang zu den weltweit verstreuten Premium Kunden, die lediglich für das Besondere Geld ausgeben. Renault ist eben keine Marke die Exclusivität ausstrahlt. Nach dem ich für mich durchgerechnet habe, dass sich beispielsweise ein Audi A3 e-tron , trotz beeindruckender Leistungsmerkmale nicht rechnet, falle ich auch aus der Ziegruppe für den i3. Dennoch: Er könnte es schaffen.

    Ein Elektromotor ist sehr leicht. Es ist daher durchaus sinnvoll ein E-Auto mit viel PS vollzustopfen. So erreicht man eine starke beschleunigung, welche auch bei einer geringen Richtgeschwindigkeit eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit erlaubt.

    Man kann Motorleistung bei E-Autos und Verbrennern nicht gleichsetzen. Bei Verbrennern wiegen starke motoren deutlich mehr als schwächere, und verbrauchen auch mehr weil sie in Teillast fahren.

    • Alaric
    • 12. Juli 2013 9:31 Uhr
    2. Mutig

    Vorneweg, Hut ab an BMW für den Mut, so ein radikales Auto zu bauen. Man muss um so mehr Respekt haben angesichts des Risikos, was sie hier eingehen.
    Im besten Fall wird dieses Auto der nächste Prius und etabliert BMW als Trendsetter, dann kann BMW lange mit e-Autos gut verdienen. Im schlimmsten Fall ist das Auto der nächste 3L Lupo - wegen hoher Herstellungskosten vom Markt ignoriert und vorzeitig eingestellt. Je nachdem wie das Auto vom Markt angenommen wird, stehen Milliarden auf dem Spiel.

    Eine Bemerkung am Rande - fortschrittliche Autos wie der 3L Lupo, Audi A2 oder BMW i3 sind nicht deswegen so teuer, weil die Firmen viel daran verdienen wollen, sondern weil die Herstellungskosten deutlich höher liegen als bei konventionellen Autos. Da die Firmen selbstverständlich die Herstellungskosten mit dem Preis decken müssen, darf es nicht verwunderlich sein, wenn ein radikales Auto auch einen radikalen Preis hat. Leider kann das aber auch heißen, dass das Konzept am Markt floppt.

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    Nicht so sehr der Lupo, der war nicht so genial. Aber der Audi A2 war schon ein Wunderwerk der Technik. Auch was das Verhältnis Nutzraum - Verbrauch angeht.
    Das er nicht gekauft wurde zeigt das es nichts bringt wenn Konzerne Autos bauen die sich leute wünschen die Autos hassen. Mal schauen wie das beim i3 ist. Vielleicht kaufen sich ja genug leute dieses Quersubventionierte und trotzdem überteuerte Spielzeug.

  2. auch mit dem Rad oder Ebike fahren. Dann spart man sich auch noch die Zeit und das Geld fürs Fitnesstudio. Aber es ist schon mutig von BMW, den Kunden ein Produkt anzubieten, das eigentlich keinen Nutzen hat. Schade, dass die Menschheit intellektuell nicht in der Lage ist, die technische Entwicklung in ein sinnvolles und ökonomisch und ökologisch tragbares Mobilitätskonzept umzusetzen.

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    " Natürlich kann man die 40 km am Tag
    auch mit dem Rad oder Ebike fahren. Dann spart man sich auch noch die Zeit und das Geld fürs Fitnesstudio."

    Im Winter?
    Bei Regen?
    Im Anzug?

    Ich weiß nicht, was Sie so treiben, aber es gibt Leute, die verdienen gut und rücken im Anzug an.
    Das ist die Zielgruppe.
    Und ganz ehrlich, ich wäre auch gerne ein Teil dieser Zielgruppe.
    Gehaltsmäßig, auf den Anzug verzichte ich gerne ;)

  3. "Das Elektroauto i3 soll dem Konzern Vorsprung durch Technik bringen"

    Ist der Autor etwa ein heimlicher Audi-Fan oder ist die Formulierung reiner Zufall?

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/jp

    Ganz ruhig.
    Ich wollte eigentlich nur darauf hinaus, dass der Autor in seiner Einleitung mit "Vorsprung durch Technik" den Werbeslogan von Audi benutzt.

  4. Einkommensdefinition wird sich das Auto jedenfalls nicht leisten können.
    Da wird es wohl dünn bleiben für die E-Autos über € 30.0000

    • Kauri
    • 12. Juli 2013 9:47 Uhr

    .....wie ein Hyundai i10 und kostet knapp 40 k € , dann ist das Projekt schon im Prospekt tot. Als Flugzeugbauingenieur bin ich ein Verfechter von Leichtbau und Aerodynamik. Leider habe ich es verpasst, mir einen der letzen neuen Audi A2 zu beschaffen. Das Auto war auf dem richtigen Weg.
    BMW geht ein Risiko ein - zweifellos. Aber das Projekt i3 gehört sicher nicht zu den Vorhaben, die man ob ihrer Fahrlässigkeit auch als Beleidigung des Verstandes bezeichnen könnte.
    Der i3 ist vom Konzept ein E-Auto pur. Die Form passt. Auch passt BMW als Marke. Nur so innovative Marken, wie BMW schaffen den Sprung in die neue Welt. BMW hat die "Premium-Kunden" dieser Welt, die sich mit dem i3 als drittes Auto schmücken. Das schaffen andere Marken , die lediglich einen schnöden Tausch des Verbrenners mit dem e-Antrieb vornehmen, so nicht. Es war auch klug, den i3 optional mit einem Rangeextender anzubieten. Wenn BMW nun knapp 3 Mrd. € investiert hat, dann ist das etwa so viel, wie Herr Ghosn bei Renault für E-Mobilität ausgegeben hat. Die Wette, die Herr Ghosn eingegangen ist, ist schon verloren. Renault hat eben keinen Zugang zu den weltweit verstreuten Premium Kunden, die lediglich für das Besondere Geld ausgeben. Renault ist eben keine Marke die Exclusivität ausstrahlt. Nach dem ich für mich durchgerechnet habe, dass sich beispielsweise ein Audi A3 e-tron , trotz beeindruckender Leistungsmerkmale nicht rechnet, falle ich auch aus der Ziegruppe für den i3. Dennoch: Er könnte es schaffen.

    4 Leserempfehlungen
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    und eines Ingenieurs (ohne alle Ironie!) sehr würdiger und fachkundiger Kommentar. Bravo. Vor allem der Vergleich mit Renault hat mir gefallen...

    Schau mer mal.

    Ich bevorzuge einen Hybrid. Bringt (mir) viel mehr.

  5. ... aus Audi A2 selig und geschrumpftem X6 die "Quadratur des Kreises" für die Zukunft der E-Mobilität ist, dann ist dieser Beitrag kein geschickt plazierter PR-Coup der Bayern. Drei Web-Seiten mit Lobhudeleien in eigener Sache von BMW-Vorständen und so gut wie nichts über das Auot selbst. Reschpeckt: Ich bin auch drau reingefallen.

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    Wo bleibt die Editierfunktion?

    von Audi hatte ich sofort auch, als ich das Bild sah. Schon seltsam, dass solche Alternativautos meist so hässlich daherkommen (s. z. B. auch den Toyota Prius) - soll das allzu große Absatzzahlen verhindern, damit die Reklamationen nicht allzu sehr zu Buche schlagen???

    Bitte schauen Sie sich die Conceptcars / Presketches zur BMW i-Series an.
    Die Designsprache strotzt(e) nur so vor Potential, Polarisierung und gelungener Produktsprache (Hi-Tech-Charakter, innovative Technik, etc pp).

    Was mittlerweile davon übrig ist, ist leider (wie so oft) nur die versoftete, seniorentaugliche "Für-Alle" Version. Das ist wiederum schade. Dadurch verliert das Fahrzeug nämlich nicht unerheblich von seinem Charakter und seiner Aussage, wie so viele seiner E-Artgenossen.
    Statt ein Meilenstein zu werden, wird er dadurch leider nur wieder: austauschbar.

  6. Wo bleibt die Editierfunktion?

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