Ein Mann in einem orangefarbenen Overall, gefesselt an Händen und Füßen, wird in einen weißen Raum geführt und auf einen Stuhl geschnallt. Jemand mit blauen Latexhandschuhen desinfiziert die Spitze eines dünnen Schlauches und führt ihn in das Nasenloch des Gefesselten ein. Der Mann schreit vor Schmerz, bäumt sich auf, wird festgehalten, gerät in Panik. Seine Peiniger lassen erst ab, als eine Stimme aus dem Off ruft: "Aufhören!" Cut.

Seit vergangenem Montag ist in einem YouTube-Video zu sehen, wie sich der amerikanische Rapper und Schauspieler Mos Def der Zwangsernährung unterzieht – genau nach der Methode, die derzeit gegen hungerstreikende Häftlinge in Guantánamo angewandt wird. Was in der Regel zwei Stunden dauert, wenn niemand Stopp sagt, hält Mos Def etwa eine Minute durch.

Der Musiker ist nicht der erste Prominente, der Menschenrechtsverletzungen im war on terror am eigenen Leib demonstriert. 2008 unterzog sich Christopher Hitchens, Journalist und eloquenter Provokateur der Intellektuellenszene in den USA, vor laufender Kamera dem waterboarding. Dabei wird dem Opfer Wasser auf das mit einem Handtuch bedeckte Gesicht gegossen, bis es zu ertrinken glaubt. Die Bush-Regierung hatte diese Tortur mit orwellschem Sprachgefühl zur "erweiterten Verhörmethode" herabgestuft, Hitchens erklärte sie wieder zur Folter.

Das Leiden anderer unter Laborbedingungen erfahrbar machen zu wollen ist eine höchst ambivalente Strategie. Bei Hitchens ging sie gründlich schief. Erstens braucht es keinen Selbstversuch eines Journalisten, um Folter beim Namen zu nennen. Zweitens weigerte sich Hitchens den eigentlichen westlichen Zivilisationsbruch im "Krieg gegen den Terror" anzusprechen: Die Aufteilung der Welt in Menschen, für die die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte gilt, und solche, die sich nicht auf sie berufen können. Er verurteilte waterboarding nicht, weil es die Menschenwürde verletzt und gegen das Völkerrecht verstößt, sondern weil es Amerikas Ansehen und Interessen schadet.

Mos Def hat auf geschliffene Reflexionen seines Selbstversuchs verzichtet. Aber er erlaubt einen viel schonungsloseren Blick auf die eigene Entwürdigung. Innerhalb weniger Minuten mutiert ein cooler Rapper zum hilfloses Wesen, das nach Abbruch der Tortur von Weinkrämpfen geschüttelt wird und kaum sprechen kann. Als Kommentar zu Guantánamo wirkt das eindringlicher als jede Protesterklärung. Ob Zwangsernährung Folter ist, darüber scheiden sich die Geister. Das ändert nichts daran, dass der Zivilisationsbruch mit der Existenz Guantánamos fortbesteht. Noch immer befinden sich dort 166 Gefangene in einem Zustand völliger Rechtlosigkeit. Über 80 von ihnen hätten wegen offiziell bescheinigter Ungefährlichkeit längst entlassen werden müssen. 44 sollen auf ewig ohne Prozess in Haft bleiben, weil "Beweise" unter Folter zustande gekommen sind und vor Gericht nicht verwendet werden können.

Dass Barack Obama die Folterpraxis der Bush-Regierung verboten hat, anstatt die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, zementiert diesen Zivilisationsbruch nur. Was der eine Präsident verbietet, kann der nächste wieder erlauben. Vor dem war on terror, schreibt der amerikanische Publizist Mark Danner, "war Folter schlicht illegal. Jetzt ist sie eine Frage der politischen Entscheidung."

Das gilt auch für die willkürliche Inhaftierung der Männer auf Guantánamo, von denen über 100 aus schierer Verzweiflung im Hungerstreik sind – viele seit Februar. Das Video von Mos Def ist denn auch eine Warnung, dass einigen nicht mehr viel Zeit bleibt. Zwangsernährung schiebt den Tod auf, verhindern kann sie ihn nicht. Inzwischen gibt es von der Gefängnisverwaltung ein Zugeständnis: Während des Fastenmonats Ramadan, der nun beginnt, soll die Zwangsernährung erst nach Sonnenuntergang durchgeführt werden.