Quadratisch, praktisch, kleidsam: Der Mantel LightD Cube von Max Mara, 579 Euro © Peter Langer

Als es mit dem Reisen losging, so um 1850, war das eine vergleichsweise unbeschwerte Angelegenheit. Jedenfalls in dem Sinn, dass man nicht schwer zu tragen hatte. Wer es sich leisten konnte, zu verreisen, war reich und konnte sich jemanden leisten, der die Koffer schleppte. Erst im Aufschwung in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Reisen zu einem echten Massenphänomen. Das Realeinkommen war gestiegen, gleichzeitig sanken die Preise für Flugtickets. Fortan konnte fast jeder verreisen, der ein Einkommen und eine Urlaubsvertretung hatte. Und schon war das Problem der Reisegarderobe geboren.

Als es noch ein exklusives Vergnügen der Oberklasse war, sich auf Passagierdampfern um die Welt schaukeln zu lassen, führte man gerne so viel Kleidung wie möglich mit. Die Schrankkoffer von Marlene Dietrich, die heute in der Deutschen Kinemathek in Berlin ausgestellt sind, vermitteln einen Eindruck davon – als habe es gegolten, so viel wie möglich mit sich herumzuschleppen.

Solche Reisenden sind heute selten. Wenigstens Karl Lagerfeld bewegt sich noch mit einer Karawane von Koffern durch die Welt. Ansonsten hat sich Mobilität als neue Prämisse durchgesetzt. Statt mit Übergepäck reist man lieber mit kleinen Koffern, die man selbst tragen kann. Wer unnötig viel Gewicht bewegt, gilt als träge und schadet außerdem der Umwelt. Schließlich muss für jedes zusätzliche Kilo mehr Benzin oder Kerosin verbrannt werden.

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Diese Veränderungen blieben nicht folgenlos. So entwickelte Kim Jones vor zwei Jahren für Louis Vuitton eine Sandale, die sich mit Druckknöpfen zusammenknöpfen und flach im Koffer verstauen lässt. Ein Klassiker der Größenreduktion ist die Longchamp-Handtasche Le Pliage, die auf einen Bruchteil ihrer Originalgröße verkleinert werden kann. Max Mara bringt seit mehreren Jahren einen Mantel heraus, der für Reisen optimiert worden ist: Der Cube lässt sich in die Form eines Würfels zusammenfalten, den man als Umhängetasche tragen kann. Noch weiter geht der Designer Tom Dixon bei seinen Entwürfen für adidas. Er hat eine Tasche entworfen, in der sich dank vieler Reißverschlüsse und einer speziellen Falttechnik eine komplette Garderobe verstauen lässt. So praktisch ist diese kompakte Einteilung, dass man damit am liebsten zu Hause bleiben möchte.