BankenFlüssig bleiben

Banken werden künftig strenger reguliert. Das ist eine Lehre aus der Finanzkrise – und wird Konsequenzen für die Privatkunden haben. von 

Seit Ausbruch der Finanzkrise sind sich die meisten Menschen darüber einig, dass neue Regeln für Banken notwendig sind. Sie lesen in der Zeitung, dass die internationalen Bankenaufseher in Basel neue Kapitalvorschriften beschlossen haben und Regeln für die Refinanzierung diskutieren, dass der Bund ein Trennbankensystem gesetzlich auf den Weg gebracht hat oder die EU eine europäische Bankenaufsicht plant. Aber nur den wenigsten ist dabei klar: Das, was da abstrakt "Zügelung der Finanzwelt" heißt, wird in naher Zukunft jeden Einzelnen von ihnen betreffen. Die neuen Vorgaben werden nicht nur das verändern, was Banken tun, sondern auch das, was deren Kleinkunden bisher gewöhnt waren – egal, ob es sich dabei um Privatkunden, Häuslebauer oder Kleinbetriebe handelt.

Langsam zeichnet sich ab, welche Auswirkungen die neuen Regeln für sie haben werden. Es wird noch Jahre dauern, bis viele Effekte zu spüren sein werden, skizzieren lassen sie sich aber jetzt schon.

Anzeige

Die wichtigste Stellschraube, an der Staaten drehen können, um Banken zu regulieren, ist das Kapital – eigenes Geld, mit dem eine Bank Verluste im Krisenfall abfedert. Künftig müssen Banken mehr davon vorhalten; derzeit wird sogar über eine weitere Verschärfung dieser Vorschriften diskutiert.

Liquidität

Nur eine Bank, die über genug Geld verfügt, gilt als liquide, als flüssig, denn das Geld, das sie verleiht, muss sie sich meist selbst erst leihen. Künftig gilt eine neue Regel, die festlegt, über wie viel Geld eine Bank auf Sicht von 30 Tagen frei verfügen muss. Zudem wird eine Kennziffer diskutiert, die sicherstellt, dass Banken Geld fristenkongruenter leihen und verleihen als lange üblich

Die vorgehaltene Menge an Kapital bestimmt darüber, wie viele Kredite eine Bank vergeben kann. Je mehr Kapital als Sicherheit gehalten werden muss, desto enger ist ihr Spielraum. Also werden Banken "künftig nur noch eine begrenzte Menge an Kredit vergeben", beschreibt Finja Carolin Kütz, Deutschlandchefin der Finanzberatung Oliver Wyman, die Folgen der Neuregelung: Das mögliche Finanzierungsvolumen werde gedeckelt.

Dass die höheren Kapitalanforderungen nicht nur ein Problem für Großbanken sind, machte kürzlich ein Vertreter der Kreissparkasse Ludwigsburg auf einem Symposium der Bundesbank deutlich; er sagte, dass auch sein Haus die Geschäftsstrategie hinterfragen müsse: "Können wir noch alle Felder bespielen? Mittelstandskredite zum Beispiel?" Man müsse sich fragen, welche Risiken man noch übernehmen könne – und jeder Bankkredit ist für die Bank ein Risiko. Im Zweifel gibt es also wohl künftig weniger Geld für den Schreiner, den Installateur mit seinem Kleinbetrieb oder auch für den Firmengründer.

Wohl am stärksten unterschätzt wird, wie sehr sich die neuen Regeln zur Liquidität auf Bankkunden auswirken werden. In der Krise liefen vielen Banken die Geldgeber davon, weswegen sich sehr schnell sehr große Löcher auftaten. Deshalb müssen Institute künftig die Refinanzierung ihres Tagesgeschäfts kurzfristig sicherstellen. Außerdem werden sie wohl verpflichtet werden, langfristige Geschäfte so weit wie möglich auch langfristig zu refinanzieren. Früher konnten Banken Kredite auf Jahre vergeben, auch wenn sie selbst nur über kurzfristige Mittel verfügten. Das soll sich ändern: Wenn eine Bank einen Zehnjahreskredit vergibt, sollte sie sich das nötige Geld im Idealfall selbst auf zehn Jahre sichern.

Während sich die neuen Kapitalregeln auf das Volumen der verfügbaren Kredite auswirken, beeinflussen die neuen Liquiditätsvorschriften deren Dauer und Preis. Seit der Finanzkrise leihen Investoren den Banken das Geld eher kurzfristiger, und das auch noch gegen höhere Aufschläge. Wenn den Banken nun abverlangt wird, Forderungen und Verbindlichkeiten stärker aufeinander abzustimmen, dürfte das dazu führen, dass Geld eher kurzfristig verliehen wird. "Langfristige Kredite werden seltener und teurer", sagt Beraterin Kütz. Bei den Firmenkunden sehe man das bereits, berichten Kenner, und bei den Privatkunden werde das auch irgendwann sichtbar werden.

Als Erste werden dies wohl Häuslebauer zu spüren bekommen. Den in Deutschland üblichen zehnjährigen Immobilienkredit mit Zinsbindung wird es langfristig kaum mehr geben. Banken fällt es schon heute nicht leicht, ihre Refinanzierung für zehn Jahre zu sichern, und das dürfte noch schwerer werden. Immobilienkredite werden somit kurzfristiger, die Zinsbindung auch, und so müssen Kunden in Zukunft öfter über eine Verlängerung verhandeln – und dabei über die Höhe der Zinsen.

Leserkommentare
  1. Die schlechten Konditionen sind lediglich die Rache der Bankster am Volk, in der Hoffnung, dass die Politiker dann doch kippeln, und die Banken so weitermachen können wie bisher, bis zum nächsten Crash, der dann vom Steuerzahler wieder beglichen werden darf.

    Der Verlierer ist immer der Kunde so oder so.

    4 Leserempfehlungen
  2. ...gut bedient, wenn er sich sehr gut überlegt, wie er in was investiert und dies auch nur dann tut, wenn er weiß, was er tut!

    Es gibt heute viele Möglichkeiten ohne Banken und zu viel Regulierung Finanzdienstleistungen zu bekommen - und zwar bis hin zu größeren Darlehen!

    Die stärkere Regulierung ist ein Tropfen auf den heißen Stein, solange nur die Banken gewisse Dienstleistungen erbringen dürfen und neue Marktteilnehmer durch diverse Verpflichtungen gegängelt werden.
    Banken müssen nicht stärker reguliert werden, sondern lediglich nach den Regeln der Realwirtschaft spielen müssen. Das wäre ein Anfang! Auch mittlerweile unüberschaubare Richtlinien für Finanzprodukte führen zu nichts! Es gibt Produkte, die schlicht verboten werden müssen und für alles andere müssen Klarverträge her! Alles andere ist Augenwischerei!

    Der Kunde wird der Dumme bleiben, den die Säue beißen, solange die Finanzbranche per Gesetz nur Unternehmen/Unternehmern zugängig gemacht wird, die nach den Regeln der Verursacher der letzten Krisen spielen und ausgebildet wurden!

    Mehr Freiheit für die Finanzbranche, weg mit undurchsichtigen Lotteriescheinprodukten und her mit für jeden verständliche Transparenz!

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    meinen Sie?

    Wer, au0er Banken soll denn bitte noch Kredite etc. anbieten?

    Mal abgesehen vom Wertpapierhandelshaus,

    • R.B.
    • 26. Juli 2013 19:37 Uhr

    sagte meine dreijähige Tochter vor 22 Jahren, wenn etwas schief ging.

    Sie hatte völlig recht. Auch dieser Artikel ist Mist. Es ist doch sonnenklar, dass eine höhere Risikovorsorge mehr Kreditkosten verursacht.

    Schließlich finanzieren die Banken ein Eigenheim ja auch höchstens zu 70 %., sprich der normale Bürger braucht schon 30 % Eigenkapital.

    Bei Firmen sieht das anders aus. Da wird schon mal zu 100% finanziert. Möglich ist das, weil Spareinlagen von normalen Bürgern niedrigst verzinst (unter 1 %) und Häuslebauer höchste Sicherheiten hinterlegen müssen: Das komplette Vermögen 1. Rangig und das des Partners. Firmen, Gmbhs haften nur beschränkt: 25.000€ reichen.

    Die "Überschüsse" der Normalos werden dann für die professionellen institutionellen Anleger zur Risikoabdeckung transferiert.

    Ein Trennbankensystrem macht genau diese Risikoverlagerung unmöglich. Und das ist auch richtig so, denn letzlich zahlt der normale Anleger schon jetzt das Risiko der Profi-Anleger.

    Wenn etwas teuer wird, dann die Firmenkredite.

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    stimmt so nicht.
    Wenn es eine "Wald und Wiesen" GmbH ist und der Geselsschafter auch Geschäftsführer ist, dann darf der auch nochmal mit seinem Privatvermögen haften, ist dann nur ein weiteres Formular.
    Sonst gibt es keinen Kredit.

    Außerdem welcher Geschäftsführer macht gerne "pleite" wenn er keinen "goldenen Fallschirm" hat?

    • joG2.0
    • 26. Juli 2013 19:43 Uhr

    ....Regulierung hätte man vor 4 Jahren bringen können. Damals war doch auch bekannt, in welche Richtung das gehen würde. Damals hätte man wenigstens die gröbsten Probleme vermeiden können. Jetzt "Wolf!" zu rufen ist zu spät. Nun sind die Gesetzue nicht mehr anzuhalten.

    2 Leserempfehlungen
  3. man sollte lieber die Bank-Manager besser kontrollieren u. in die
    persönliche Haftung nehmen, denn allein in Spanien wurden über 100
    ex Bank-Manager der Veruntreuung von Geldern angeklagt.
    Hinzu kommen weitere 32 ex Manager der Bankia, ebenfalls angeklagt.
    Quelle: El Pais

    4 Leserempfehlungen
  4. "Wenn man das Kapitalmarktgeschäft vom klassischen Geschäft abtrennt, stellt sich auch die Frage: Wie können Banken ihre Überschussliquidität aus Einlagen profitabel anlegen?" - Die Trennung vom Kapitalmarkt und dem klassischen Geschäft war vor den 80ern Praxis. Erst danach wurde alles vermischt, mit den Folgen die wir heute auszubaden haben.

    Wenn eine Bank Geld benötigt, kann sich die Bank diese auch zukünftig kostengünstig bei der EZB beschaffen. Und dies zum Gunsten der Banken. Nicht umsonst hat man erst im letztem Jahr die Mindestreserve von 2 Prozent auf 1 Prozent gesenkt. Was dies bedeutet und was Banken damit verdienen, dazu hier mehr:
    http://www.ploync.de/geld...

    Ansonsten ist meine Meinung zu diesem Beitrag sagen, die Banken versuchen Angst zu verbreiten, um ihre Macht zu halten.

    5 Leserempfehlungen
    • Kaleva
    • 26. Juli 2013 20:34 Uhr

    Die Kreditinstitute haben so lange quasi selbstherrlich schalten und walten können, wie sie wollten. Sie haben sich auf jede Spekulationsblase gestürzt, anstatt vernünftig zu wirtschaften. Die Gewinne wurden eingesackt, die Verluste werden an uns alle weiter gereicht. Bezeichnend für die Qualität unserer Politik, dass sie dazu brav schweigt und die Verluste an uns alle durchreicht. Honi soît qui mal y pense.

    4 Leserempfehlungen
  5. "Nur eine Bank, die über genug Geld verfügt, gilt als liquide, als flüssig, denn das Geld, das sie verleiht, [...]"

    Banken müssen kein Geld einsammeln, um es verleihen zu können; sie schöpfen es bei der Kreditgewährung. D. h. bis auf eine geringe Mindestreserve (Eurozone: 1%) erschafft die Bank das Geld neu, es war vorher nicht da.

    http://de.wikipedia.org/w...

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dass der Autor sich auf M0 dabei bezogen hat.

    "Banken müssen kein Geld einsammeln, um es verleihen zu können"

    Das ist ein Irrtum.

    Folgendes Beispiel:
    Kunde A legt 100 Tagesgeld bei Bank 1 an.
    Bank 1 hat nun 100 Tagesgeldeinlage auf der Passivseite und hinterlegt davon 1 bei der EZB (Mindestreserve) und vergibt 99 Kredit an Kunde B.
    Kunde B verwendet den Kredit zum Kauf eines Produkts für 99 bei Kunde C.
    Kunde C legt die eingenommenen 99 bei seiner Bank 2 im Tagesgeld an.
    Bank 2 vergibt nun 98 Kredit (und muss 1 bei der EZB als Mindestreserve hinterlegen).

    Nun wurde „multiple“ Geldschöpfung betrieben. Die Geldmenge ist um 99+98 = 197 angestiegen (oder ggf. auch noch um die Mindestreserve?). Die Banken haben also in der Tat Geldschöpfung betrieben.

    ABER: das Geld wurde NICHT aus dem Nichts geschöpft und steht den Banken NICHT umsonst zur Verfügung. Bank 1 kann die Geldschöpfung nur durch die Einlage von Kunde A, Bank 2 nur durch die Einlage von Kunde C durchführen. Bank 1 muss an Kunde A, Bank 2 an Kunde C für die Einlagen, welche Basis der Geldschöpfung sind, Zinsen zahlen.

    Ganz kurzfristig kann möglicherweise argumentiert werden, dass das Geld aus dem Nichts geschöpft wurde und umsonst ist: nämlich solange der Kreditnehmer es noch auf dem Konto hat. Angelehnt an obiges Beispiel:
    solange Kunde A das per Kredit bereitgestellte Geld nicht abgehoben hat, ist das Geld ggf. noch aus dem Nichts geschafften und kostenlos. Aber sobald er darüber verfügt, benötigt die Bank Refinanzierung.

    Hierzu auch die Bundesbank (Schülerbuch Geld und Geldpolitik):
    „In diesem Zuge muss es einen Teil des Zinsertrags aus den Krediten – und damit einen Teil des Gewinns aus der Buchgeldschöpfung – an die Sparer bzw. Anleger abgeben. In diesem Sinne stimmt es, dass Geschäftsbanken Ersparnisse ihrer Kunden benötigen, um Kredite vergeben zu können.“

    Die Banken brauchen also sehr wohl Liquidität! Wieso glauben Sie sind sonst schon Banken pleite gegangen?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Finanzkrise | Liquidität | Bank | Geld | Kredit
Service