Seit Ausbruch der Finanzkrise sind sich die meisten Menschen darüber einig, dass neue Regeln für Banken notwendig sind. Sie lesen in der Zeitung, dass die internationalen Bankenaufseher in Basel neue Kapitalvorschriften beschlossen haben und Regeln für die Refinanzierung diskutieren, dass der Bund ein Trennbankensystem gesetzlich auf den Weg gebracht hat oder die EU eine europäische Bankenaufsicht plant. Aber nur den wenigsten ist dabei klar: Das, was da abstrakt "Zügelung der Finanzwelt" heißt, wird in naher Zukunft jeden Einzelnen von ihnen betreffen. Die neuen Vorgaben werden nicht nur das verändern, was Banken tun, sondern auch das, was deren Kleinkunden bisher gewöhnt waren – egal, ob es sich dabei um Privatkunden, Häuslebauer oder Kleinbetriebe handelt.

Langsam zeichnet sich ab, welche Auswirkungen die neuen Regeln für sie haben werden. Es wird noch Jahre dauern, bis viele Effekte zu spüren sein werden, skizzieren lassen sie sich aber jetzt schon.

Die wichtigste Stellschraube, an der Staaten drehen können, um Banken zu regulieren, ist das Kapital – eigenes Geld, mit dem eine Bank Verluste im Krisenfall abfedert. Künftig müssen Banken mehr davon vorhalten; derzeit wird sogar über eine weitere Verschärfung dieser Vorschriften diskutiert.

Die vorgehaltene Menge an Kapital bestimmt darüber, wie viele Kredite eine Bank vergeben kann. Je mehr Kapital als Sicherheit gehalten werden muss, desto enger ist ihr Spielraum. Also werden Banken "künftig nur noch eine begrenzte Menge an Kredit vergeben", beschreibt Finja Carolin Kütz, Deutschlandchefin der Finanzberatung Oliver Wyman, die Folgen der Neuregelung: Das mögliche Finanzierungsvolumen werde gedeckelt.

Dass die höheren Kapitalanforderungen nicht nur ein Problem für Großbanken sind, machte kürzlich ein Vertreter der Kreissparkasse Ludwigsburg auf einem Symposium der Bundesbank deutlich; er sagte, dass auch sein Haus die Geschäftsstrategie hinterfragen müsse: "Können wir noch alle Felder bespielen? Mittelstandskredite zum Beispiel?" Man müsse sich fragen, welche Risiken man noch übernehmen könne – und jeder Bankkredit ist für die Bank ein Risiko. Im Zweifel gibt es also wohl künftig weniger Geld für den Schreiner, den Installateur mit seinem Kleinbetrieb oder auch für den Firmengründer.

Wohl am stärksten unterschätzt wird, wie sehr sich die neuen Regeln zur Liquidität auf Bankkunden auswirken werden. In der Krise liefen vielen Banken die Geldgeber davon, weswegen sich sehr schnell sehr große Löcher auftaten. Deshalb müssen Institute künftig die Refinanzierung ihres Tagesgeschäfts kurzfristig sicherstellen. Außerdem werden sie wohl verpflichtet werden, langfristige Geschäfte so weit wie möglich auch langfristig zu refinanzieren. Früher konnten Banken Kredite auf Jahre vergeben, auch wenn sie selbst nur über kurzfristige Mittel verfügten. Das soll sich ändern: Wenn eine Bank einen Zehnjahreskredit vergibt, sollte sie sich das nötige Geld im Idealfall selbst auf zehn Jahre sichern.

Während sich die neuen Kapitalregeln auf das Volumen der verfügbaren Kredite auswirken, beeinflussen die neuen Liquiditätsvorschriften deren Dauer und Preis. Seit der Finanzkrise leihen Investoren den Banken das Geld eher kurzfristiger, und das auch noch gegen höhere Aufschläge. Wenn den Banken nun abverlangt wird, Forderungen und Verbindlichkeiten stärker aufeinander abzustimmen, dürfte das dazu führen, dass Geld eher kurzfristig verliehen wird. "Langfristige Kredite werden seltener und teurer", sagt Beraterin Kütz. Bei den Firmenkunden sehe man das bereits, berichten Kenner, und bei den Privatkunden werde das auch irgendwann sichtbar werden.

Als Erste werden dies wohl Häuslebauer zu spüren bekommen. Den in Deutschland üblichen zehnjährigen Immobilienkredit mit Zinsbindung wird es langfristig kaum mehr geben. Banken fällt es schon heute nicht leicht, ihre Refinanzierung für zehn Jahre zu sichern, und das dürfte noch schwerer werden. Immobilienkredite werden somit kurzfristiger, die Zinsbindung auch, und so müssen Kunden in Zukunft öfter über eine Verlängerung verhandeln – und dabei über die Höhe der Zinsen.