Die Nordeifel ist ein idyllisches Fleckchen im Westen Nordrhein-Westfalens. Die hügelige Landschaft wird von kleinen Wäldern, Feldern und Blumenwiesen geprägt, die Ortschaften wirken wie vorsichtig in die unberührte Natur hineingesetzt. Seit Monaten treffen sich Dutzende Männer dreier Dörfer aus der Gemeinde Nettersheim jeden Samstagmorgen und marschieren auf den kleinen Wegen entlang, die die Orte miteinander verbinden. Sie genießen aber nicht die Natur, sondern kommen mit Spaten und Hacken, Baggern und Lastwagen – und graben kilometerlange Schächte.

Die Bewohner von Frohngau, Holzmülheim und Buir wollen trotz Idylle Teil der globalisierten Welt sein. Doch da gibt es ein Hindernis: Ihr Internet ist langsam, sehr langsam sogar. Mit einer Datenübertragungsrate von maximal einem Megabit pro Sekunde (MBit/s) fühlen sie sich in Alltag und beruflicher Existenz stark eingeschränkt. E-Mails zu versenden oder Bilder auf eBay hochzuladen dauert bei diesem Tempo zehn Minuten, teilweise sogar Stunden.

Kein Unternehmen wollte hier Glasfaserleitungen verlegen, um die Geschwindigkeit des Internets auf das Fünfzigfache zu erhöhen. Zu unwirtschaftlich, so die Analyse. Der letzte Ausweg: ein Kompromiss mit der Telekom. Die Bürger müssen ihre Dörfer selbst mit Rohren miteinander verbinden. Danach zieht das Unternehmen Glasfaserkabel durch die Leitungen und schließt sie an. "Dieser Kompromiss war für uns überlebenswichtig", sagt Michael Joepen, der Ortsvorsteher von Buir. "Die Jugend zieht hier weg, so schnell sie nur kann." Der Deal mit der Telekom sei daher der letzte Ausweg gewesen.

Seitdem sind die Bürger jeden Samstag auf den Beinen, graben einen Meter tiefe Schächte mit Baggern, die ihnen ein benachbarter Baugeräteverleiher zur Verfügung stellt. Mal mit nur einem Dreitonner, mal mit drei Baggern mit bis zu neun Tonnen Gewicht – was gerade so verfügbar ist. Der Boden ist so steinig, dass oft mit Spitzhacken nachgeholfen werden muss. Dann werden die Leerrohre verlegt und die Schächte mit Splitt und Erde gefüllt. Frohngau und Holzmülheim sind mittlerweile miteinander verbunden, Schächte und Rohre von mehr als drei Kilometer Länge wurden gegraben und verlegt. Buir soll in den nächsten Wochen angebunden werden.

Michael Hamacher wird der geplante Glasfaseranschluss ab dem Herbst einiges ersparen, beispielsweise die Diskussionen mit seinen Kindern. Er arbeitet viel von zu Hause aus, muss recherchieren, E-Mails verschicken, Updates herunterladen. Hamacher ist Verkaufsleiter für ein österreichisches Unternehmen. Doch wenn er am Nachmittag seiner Arbeit nachgehen muss und die Kinder gleichzeitig im Internet unterwegs sind, funktioniert nichts mehr. "Meine Kinder muss ich dann manchmal bitten, sich auszuloggen, wenn ich etwas Wichtiges versenden muss", sagt Hamacher. Eine PowerPoint-Präsentation braucht dann schon mal eine Stunde. Und wenn der Nachbar auch ins Internet geht, dann dauert alles noch ein paar Minuten länger. "An manchen Tagen sitze ich zwei Stunden länger an meiner Arbeit, nur weil das Internet so langsam ist", sagt er. Alltägliche Anwendungen wie Onlinebanking seien kaum möglich, da aus Sicherheitsgründen nur ein gewisses Zeitfenster zur Verfügung stehe und seine Überweisungen fast immer wegen Zeitüberschreitung abgebrochen würden. An das Herunterladen von Videos oder das Streamen von Filmen sei erst gar nicht zu denken.

Doch nicht nur bei Hamacher zu Hause ist zu beobachten, wie sehr ein langsames Internet alltägliche Dinge beeinflusst. "Bei meiner Tankstelle steht immer eine lange Schlange. Jeder will mit Karte bezahlen, aber die Geräte brauchen teilweise Minuten, bis sie ein Signal empfangen und die Zahlung bestätigen können", sagt Hamacher.