Die Bildzeitung "Wir sind Papst" vom 20. April 2005 © Carsten Koall/Getty Images

Es ist schwierig, sich als Journalist unsterblich zu machen. Meist braucht es dazu weltverändernde Enthüllungen (Watergate) oder eine völlig neue Art, die Dinge zu sehen (Hannah Arendts "Banalität des Bösen"). Schneller geht es mit einer Schlagzeile, einem Satz, in dem so viel steckt, dass er im kollektiven Gedächtnis bleibt und immer wieder zitiert und variiert wird. Bum Bum Boris war eine solche Überschrift, weil darin das unbesorgt Kraftmeiernde steckte, mit dem der Teenager Wimbledon gewann, und natürlich der Hauch von Blitzkrieg, der immer mitschwingt, wenn es um Deutsche und Engländer und Sport geht; dazu eine Alliteration: Ein Klassiker war geboren. Die perfekte Überschrift bringt also etwas auf den Punkt, bei dem andere ganze Leitartikel brauchen, es zu umkreisen, um es dann am Ende doch nicht zu treffen: Wir sind Papst! war so ein Satz, unvergänglich wie Atommüll und leider genauso nervig, weil nicht zu entsorgen. Und weil Unsterblichkeit im Tagesgeschäft des Journalismus der Hauptpreis ist, versuchen Journalisten genau das immer wieder: mit dem perfekten Wortspiel im kollektiven Gedächtnis hängen zu bleiben. Nur selten gelingt es. Häufiger sind Fehlversuche wie Bum Bum Bine, über Boris’ weibliche Reinkarnation in Wimbledon, Sabine Lisicki, oder, über selbige: Doris Lisicki, natürlich eine Anspielung auf Boris, die aber leider um eine Ecke zu viel gedacht ist, sodass es schon fast wieder eine Fußnote braucht, um sie zu verstehen.

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Wir vom ZEITmagazin betätigen uns – mangels Schlagzeile – viel zu selten in der Kunst der knalligen Überschrift, hätten aber ein paar Ideen, die wir im Sinne des kreativen Gemeinguts gerne schon für die möglichen Höhepunkte dieses Sommers zur Verfügung stellen. Sollte das Kind von William und Kate wider jedes Erwarten aussehen wie Boris Becker, böte sich ein "Wir sind Prinz!" an. "Deutschland – England: 1:0" wäre vielleicht zu geschmacklos. Sollte Uli Hoeneß ins Gefängnis müssen, sind wir für " You never walk alone" als Solidaritätsbekundung. "Ich habe hinterzogen" wiederum könnte ein toller stern-Titel sein. Sollte Mario Gomez in Florenz Tore schießen, während die Bayern sich vor dem Tor in Tiki-Taka ergehen, ohne jedoch zum Abschluss zu finden: "Mario Kommjetzt!". Zu kompliziert? "Mario Comeback!"? Und wie nennen wir Gott Guardiola, wenn er die Erwartungen nicht erfüllt und die Bayern nach fünf Spieltagen auf einem Abstiegsplatz stehen? "Ohne Pep!" Nichts zu danken, mit lieben Grüßen vom ZEITmagazin.