WeinauktionenBietgefechte um große Flaschen

Mit Weinauktionen werden Millionenumsätze gemacht. Eine Einführung in ein erlesenes Sammelgebiet von 

Diese Weine aus dem Élyséepalast kamen Ende Mai unter den Hammer: Magnumflasche 1981er Pauillac Chateau Lafite, ein 1985er Chateau d'Yquem und ein 1982er Chateau La Mission Haut Brion Graves (von links nach rechts)

Diese Weine aus dem Élyséepalast kamen Ende Mai unter den Hammer: Magnumflasche 1981er Pauillac Chateau Lafite, ein 1985er Chateau d'Yquem und ein 1982er Chateau La Mission Haut Brion Graves (von links nach rechts)  |  © Eric Feferberg/AFP/Getty Images

Glücklich, wer als Weinliebhaber auf der Adressenliste eines Auktionshauses steht. Alle paar Monate bringt ihm der Briefträger Hochglanzprospekte mit Fotos seltener, meist alter Flaschen sowie Preislisten. Lektüre für Besessene. Da wäre zum Beispiel der 1961er Château Haut Brion aus dem jüngsten Katalog des Pariser Auktionshauses Artcurial. Ein Traumwein aus Pessac-Léognan bei Bordeaux; die Flasche aus dem Keller des Pariser Luxushotels Crillon wird für 800 Euro aufgerufen. Viel Geld? Wie man’s nimmt. Normalerweise kostet der Wein um die 1200 Euro. Doch offensichtlich ist da schon einiges aus der Flasche verdunstet, das senkt den Preis.

Sternerestaurants versteigern gelegentlich einen Teil ihrer Bestände: Weine, die ihr Optimum erreicht haben, aber nicht mehr allesamt an Gäste verkauft werden können. Fort damit, das Geld eingesackt und Neues in den Keller gepackt! So hat es vor Wochen auch der Élyséepalast gehalten, was ein normaler Vorgang geblieben wäre – hätte nicht die zuständige Sommelière davon geredet, man könne den Gästen des Präsidenten in den heutigen Krisenzeiten keine Flaschen für 2000 bis 3000 Euro mehr auf den Tisch stellen. Das kam nicht gut an in Frankreich, sind die großen Weine doch der Stolz des Landes. Und hat Königin Elisabeth nicht vor fünf Jahren ein paar 1961er Château Margaux entkorken lassen, als sie Besuch vom damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy und von seiner Frau bekam? Immerhin 1800 Euro die Flasche. Reine Verschwendung, der Mann trinkt keinen Tropfen Alkohol.

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Die Nachfrage aus Asien hat zu exorbitanten Wertsteigerungen geführt

Wenn Weinkeller erneuert werden, kommt keineswegs nur Unerschwingliches unter den Hammer. Kürzlich wurde in Paris eine 2004er Flasche aus der burgundischen Spitzenlage Clos de Vougeot von der Domaine Jacques Prieur für 122 Euro versteigert: nicht zu viel für einen grandiosen Wein. Manchmal gibt es sogar gute Zwölferkisten für rund 300 Euro. Weshalb auch normal verdienende Weinliebhaber Versteigerungen besuchen.

Dort ist freilich die Versuchung groß, denn es stellt sich Jagdfieber ein. Weine zu ersteigern ist Kräftemessen, Wettkampf um Trophäen. Wer sich davon nicht zum eigenen Schaden mitreißen lassen will, sollte gewisse Regeln befolgen. Erstens will der Katalog mit Bedacht durchgelesen werden. Zweitens ist eine Obergrenze für das Budget zu fixieren. Und drittens sollte für jede Position ein Maximalpreis festgelegt werden, den man zu zahlen bereit ist. Handelt es sich um einzelne teure Flaschen, ist außerdem ein Besuch im Ausstellungsraum unerlässlich, denn Zustand und Füllstand der Flasche geben Hinweise darauf, ob sie gut gelagert wurde.

Die international bedeutenden Versteigerungen in Paris, London und New York laufen alle auf die gleiche Weise ab. Fotos der aufgerufenen Weine werden auf eine große Leinwand projiziert, und außer den Anwesenden steigern Mitbieter aus der ganzen Welt mit, per Telefon und Internet. Handelt es sich um sehr namhafte Weine, gehen die Leute im Saal oft leer aus, denn Asien ist online. Die Nachfrage aus dieser Weltgegend hat zu exorbitanten Preissteigerungen geführt, nicht nur auf Auktionen.

Weine bestimmter Marken, namentlich Château Lafite, sind in China Prestigeobjekte der neuen Reichen und, was damit einhergeht, beliebte Geschenke. Böse Zungen sagen: Geschenke für Bürokraten, von denen man etwas will. Doch wie das eben so ist: Mit dem Luxus kommt der Geschmack; es gibt mittlerweile eine ganze Riege chinesischer Verkoster und Sommeliers, deren Weinverstand dem ihrer alteingesessenen Kollegen aus Frankreich in nichts nachsteht. Das ehrwürdige Fachblatt Revue du Vin de France hat daraus die Konsequenz gezogen, eine chinesische Ausgabe auf den Markt zu bringen.

Traditionelle deutsche Weinversteigerungen wie die im Kloster Eberbach (Rheingau) nehmen einen anderen Verlauf als die Hochämter in den Hauptstädten des Luxus. Man sitzt auf Holzbänken, die meisten der Weine werden als Proben ausgeschenkt. Mitbieten dürfen nur "Kommissionäre", das sind Beauftragte der Kaufwilligen. Fröhlich geht es zu, und Beifall brandet auf, wenn jemand für richtig viel Geld eine alte Trockenbeerenauslese geschossen hat. Wohingegen die Stimmung auf den Pariser Auktionen eher unterkühlt ist. Doch Leidenschaft ist auch dort zu spüren. Distinguierte Herren rutschen auf ihren Stühlen herum, blicken im Saal umher, heben hektisch die Hand, der Adrenalinspiegel steigt.

Auktionspreise schwanken um die Festpreise des Handels, der auf seltene Weine spezialisiert ist. Das ist attraktiv für Käufer und Verkäufer. Bedeutende Auktionshäuser wie Christie’s, Sotheby’s und Artcurial haben daher Weinabteilungen mit Millionenumsätzen. Es gibt auch von Weinfachleuten betriebene Websites, die nach dem Prinzip eBay Weine versteigern, etwa www.idealwine.com, aber sie halbieren den Spaßfaktor. Im Saal eines feinen Pariser Hotels etwas zu ersteigern und sich danach stolz umzublicken ist eben ein erhebender Moment.

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