Serie StilkolumneJunge Mode für alle

Eine Stilkritik von 

Für Beine wie die eines Teenagers: Jeans von NYDJ, 170 Euro

Für Beine wie die eines Teenagers: Jeans von NYDJ, 170 Euro  |  © Peter Langer

Früher gab es "reife Mode" für "reife Frauen" ab 40 Jahren. Diese Art von Kleidung zeigte wenig Dekolleté und wenig Bein, die Farben waren gedeckt und langweilig. Sie war für Frauen gemacht, die anderes im Kopf hatten, als aufzufallen. Was durchaus offensiv gemeint war: Man schaute geflissentlich auf die jungen Dinger herab, die es offenbar noch immer nötig hatten, sich für andere in Szene zu setzen.

Es waren die Zeiten, in denen die gesellschaftlichen Rollenbilder in Stein gemeißelt schienen. Heute sind sie weniger festgelegt – und viele Frauen wollen so lange wie möglich so jung wie möglich erscheinen. Das zeigt sich nicht nur in ihrem Umgang mit Beautyprodukten, sondern auch mit Mode-Marken: Frauen bleiben den Marken ihrer Jugend treu. Marken, die sich bislang auf eine Kundin in ihren Zwanzigern konzentriert haben, müssen nun auch die Kundin um die vierzig versorgen, denn die will sich nicht wie vierzig fühlen.

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Heutzutage ist also vor allem jene Mode erfolgreich, die Jugendlichkeit verspricht. Manche Marken scheuen sich nicht, dies sogar in ihrem Namen zu verheißen – wie etwa die niederländische Marke Forever 21 oder die amerikanische Marke NYDJ (Not Your Daughter’s Jeans). Ihre Botschaft: Auch wenn du bereits Kinder hast, sollst du aussehen wie die eigene Tochter.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

Wenn alle gleich jung sein wollen, dann sehen auch alle gleich alt aus. Was so wirkt wie das Verschwinden erwachsener Kleidung, ist in Wahrheit nichts anderes als der Verlust von Jugend. Jugendmode unterschied sich von der Erwachsenenwelt einmal dadurch, dass sie Ideale postulierte und Stile propagierte, die für die ältere Generation nicht hinnehmbar waren. Weil jetzt alle Generationen denselben Kleidungsstil bevorzugen, ist Kleidung alterslos geworden.

Man wagt sich kaum vorzustellen, was die junge Mode eigentlich tun müsste, um sich aus dem Griff der Alten herauszuwinden – also jener Konsumenten, die von ihrer Kleidung erwarten, dass sie das Bein schlank macht und den Po hebt. Vielleicht werden sich bald Beigetöne und Blusen mit Rüschen durchsetzen. Das wäre immerhin ein Look, mit dem man Mütter schockieren könnte. Und den sie ihren Töchtern möglicherweise sogar verbieten würden.

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Leserkommentare
  1. Hier liegen Sie falsch, Herr Prüfer, das sind Jeans, die ausdrücklich für die Mutter gemacht sind. Unter der Annahme, Mütter von Teenagern wollen eine höhere Leibhöhe und brauchen weitere Hosenbeine. Weil sie speckiger sind als die Töchter. MAC Jeans auf amerikanisch und ebenso altbacken. Sowas kommt mir nicht in den Schrank.

    Eine Leserempfehlung
  2. Jugendlichkeit? Wohl eher Infantilisierung der Mode. Die Mittvierzigerin im kurzen Hängerkleidchen, mit 3/4 Leggings mit Spitzenabschluss kombiniert mit neckischen Zöpfchen oder der Mittvierziger in 7/8-Hose, mit Ringelshirt & Basballcap - in der Tat, sie sehen aus wie ihre eigenen kids - nur dass die Kinder keineswegs Teenager, sondern Vorschulkinder sind...grauenhaft.

    In Würde altern ohne altbacken zu wirken - das ist die Kunst!

  3. Am besten, man entwickelt seinen eigenen Stil. Dann braucht man weder Marken, noch all das andere Gedöhns. Und es macht viel mehr Spass und ist alterslos.

  4. "Vielleicht werden sich bald Beigetöne und Blusen mit Rüschen durchsetzen. Das wäre immerhin ein Look, mit dem man Mütter schockieren könnte. Und den sie ihren Töchtern möglicherweise sogar verbieten würden."

    Googeln Sie mal nach "Granny Style". Beige, Rüschen, und weißgebleichte Haare sind den "Hipstern" längst bekannt.

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Mode | Alte | Botschaft | Dekolletee | Generation | Verlust
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