SüdafrikaGeneration Mandela

Südafrika feiert den 95. Geburtstag des todkranken Nationalhelden. Was aber bedeutet er denen noch, die mit seinem Aufstieg aufgewachsen sind? von Matteo Fagotto

Gratulanten lassen Luftballons für Nelson Mandela steigen.

Gratulanten lassen Luftballons für Nelson Mandela steigen.  |  © Mike Hutchings/Reuters

Sie haben in den vergangenen Wochen einiges durchgemacht, die Bewohner von Alexandra. Lange schien es, als müssten sie sich auf die Beerdigung ihres Helden und Lieblings vorbereiten, dann wurden die Nachrichten aus dem Krankenhaus plötzlich hoffnungsvoller. Jetzt werden sie seinen 95. Geburtstag feiern. "Die Leute hier in Alexandra haben das Gefühl, Mandela gehöre ihnen geradezu", sagt Isaac Mangena. "Wenn er irgendwann stirbt, dann wird der Schock groß sein und die Trauer auch. Ein Teil von Alexandra wird mit ihm sterben." Mangena ist 35 Jahre alt. Es fällt ihm schwer, seine Gefühle zu verbergen, wenn er über den Mann spricht, der Südafrika von der Apartheid befreit hat.

Alexandra ist eine geschäftige Vorstadt von Johannesburg, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum reichen Viertel Sandton liegt. Hierhin siedelte Mandela im Jahr 1941. Bis heute zieht die Township Menschen vom Land an, die darauf hoffen, es in der Wirtschaftsmetropole Südafrikas zu etwas zu bringen.

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Isaac Mangena ist einer von ihnen. Der ehemalige Sozialarbeiter ist heute Sprecher der Südafrikanischen Kommission für Menschenrechte. Ursprünglich stammt er aus Limpopo, einer ländlichen Provinz an der Grenze zu Mosambik. Längst betrachtet sich Isaac Mangena als Sohn von Alexandra. Hier lebt er seit zwanzig Jahren. Von hier stammen seine engsten Freunde, mit denen er sich noch immer an den meisten Wochenenden trifft.

An diesem Ort erreichte ihn am 11. Februar 1990 die Nachricht über Mandelas Freilassung aus dem Gefängnis – nach 27 Jahren Haft. Mangena war damals 16 Jahre alt. Aufgrund der Nachrichten- und Fotosperre des Apartheidregimes wusste er noch nicht einmal, wie Mandela aussah.

"Über ihn zu sprechen war, als würdest du über Jesus oder den Messias reden", erinnert er sich. Erst als Autos mit ANC-Flaggen durch die engen Straßen der Township fuhren, glaubten sie die Meldung von Mandelas Freilassung. Er beschloss, das Ereignis auf dem Campus einer nahe gelegenen Universität zu feiern. "Keiner von meinen Freunden hat in dem Jahr seine Prüfungen bestanden", erinnert er sich. "Ich auch nicht. Aber in dieser Zeit kümmerte sich einfach niemand ums Lernen."

19 Jahre nach den ersten demokratischen Wahlen, die 1994 den African National Congress an die Macht brachten und Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten von Südafrika machten, herrscht im Land eine andere Stimmung. Vor mehr als drei Wochen wurde der 94-jährige Vater der "Regenbogen-Nation" mit Lungenentzündung in der Hauptstadt Pretoria in ein Krankenhaus eingeliefert. Weil es der südafrikanischen Gesellschaft ohnehin schwerfällt, das Vermächtnis und die Folgen von Jahrzehnten der Rassentrennung zu verarbeiten, haben Nachrichten über Mandelas schlechten Gesundheitszustand alte Ängste wachgerufen. Mandelas Familie streitet erbittert darüber, an welchem Ort er seine letzte Ruhe finden soll. Viele Südafrikaner fragen sich, was geschehen wird, wenn der womöglich wichtigste Kämpfer gegen rassistische Gewalt im Land demnächst nicht mehr unter ihnen ist. Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik im Jahr 1999 war Mandela stets die höchste moralische Autorität im Land.

Südafrika ist gut zwanzig Jahre nach dem Ende der Apartheid noch immer von den Folgen der Rassentrennung geprägt. Dazu kommen eine hohe Kriminalitätsrate, ein gewaltiger Graben zwischen Arm und Reich, schlechte öffentliche Dienstleistungen und grassierende Korruption auf allen Regierungsebenen. "Ich fand immer, die Ausrufung der rainbow nation war die clevere PR-Aktion eines sehr schlauen Mannes", sagt der 38-jährige Nick Oxhenam, ein weißer Südafrikaner aus Sandton. "Mandela hat diesen Begriff benutzt, weil das Land unter diesem Leitbild am besten zusammenzuhalten war. Aber in Wahrheit sind wir immer noch eine sehr gespaltene Gesellschaft."

Leserkommentare
  1. Die Aufmachung "ist er noch ein Held" wenige Stunden nach seinem Tod kann ich nicht nachvollziehen.
    Aufgeklärte Medien aus einem der "fortschrittlichsten" Länder der Welt sollten sich anders positionieren können.

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    Der Artikel ist vom 18. Juli. Kein Grund zur Aufregung...

  2. 2. Datum

    Der Artikel ist vom 18. Juli. Kein Grund zur Aufregung...

    Antwort auf "Enttäuscht!!"

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