Es klingt jetzt vielleicht ein bisschen pathetisch, kitschig, nicht so richtig jungsmäßig: Aber wir sind mittendrin in einem Traum. Wir sind zwei Fantasten, die immer nach ihrem Bauchgefühl gehandelt haben und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren – weil wir nichts Böses im Schilde geführt haben. Wir bewegen uns in einem traumähnlichen Zustand, in dem unglaublich viel gelingt. Wir spielen so, wie Kinder spielen.

Unsere Traumsequenz wurde schon mit dem Zeitpunkt unserer Geburt eröffnet. Wir sind Jahrgang 1975 und 1978 und hatten das Glück, dass wir im richtigen Alter eine Revolution mitbekommen haben, zu der es dann auch noch die richtige Musik gab. Eigentlich glauben wir aber nicht an Zufälle. Glück ist etwas, das man durch einen inneren Zustand erzeugt: wenn man ohne Erwartungen durch die Welt geht, aber trotzdem mit einem Ziel.

Als wir anfingen, Musik zu machen, haben wir uns überhaupt keinen Kopp gemacht. Es ist einfach passiert. Und so ist es bis heute geblieben, ganz einfach: Wenn wir bei einer Sache Bauchschmerzen haben, dann ist sie falsch. Wenn nur der Verstand sagt: "Hä?", aber der Bauch sich nicht meldet – dann wird es richtig gut.

Wir kommen beide vom Dorf, aus einer wirklich kleinen Welt. Wir sind aufgewachsen in einem Haus mit Bäumen ringsherum und mit Freunden, die wir heute immer noch haben. Durch unsere Auftritte waren wir inzwischen überall auf der Welt, okay: außer in der Antarktis. Wir haben echt viel gesehen, immer mit wachem Blick. Wir waren zwar in dieser Technoszene drin, aber wir haben uns nie groß für Drogen interessiert. Wir haben nie unseren Geist getrübt, vielleicht auch aus einer Vorsicht heraus, die man in solchen Sachen hat, wenn man vom Dorf kommt. Wir zwei haben uns immer wie Magnete aneinander festgehalten. Und nach jeder Reise freuen wir uns, wenn wir wieder in Tegel landen und uns von einem unfreundlichen Berliner Taxifahrer nach Hause fahren lassen können. Unser Traumzustand wird in dem Moment unterbrochen, in dem wir unsere Kinder in den Arm nehmen. Dann sind wir ganz wach.

Wenn man Leute kennt, die, wie wir, viel unterwegs sind, sieht man viele Beziehungen scheitern. Wir sind wie Seefahrer, ständig draußen auf dem Meer. Aber dieses Heimkommen, das haben wir uns von Anfang an bewahrt. Wir hätten alle Möglichkeiten gehabt, nach Los Angeles oder New York zu ziehen. Wir kennen DJs und Musiker, die da eine Million nach der anderen verdienen. Aber Glück kann man nun mal nicht kaufen.

Wenn uns jemand fragt, wie Modeselektor vielleicht noch besser oder größer werden könnten, fragen wir zurück: Kommt’s denn darauf an? Früher haben wir höchstens zwei Wochen im Voraus geplant, heute sind es eher zwölf Monate. Aber unser Traumzustand hält uns immer im Hier und Jetzt.


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