Anke Engelke : Das ist nicht witzig

Lustigste Frau im Fernsehen, hochgelobte Moderatorin, jetzt noch eine Sendung: Aber was weiß man eigentlich über Anke Engelke?

Es ist das letzte Treffen, und Anke Engelke hängt nackt an der Wand. Es ist ein Gemälde, ein Requisit aus dem Dietl-Film Vom Suchen und Finden der Liebe, in dem Engelke die Ehefrau von Uwe Ochsenknecht spielt und eine Affäre mit Harald Schmidt hat. Engelke setzt sich so, dass sie das Bild nicht anschauen muss, es ist in ihrem Rücken, so wie all die Preise, die sie in ihrem Leben gewonnen hat und die hier, im Büro ihrer Managerin, stehen wie in einem Museum. Ein Engelke-Museum, voll mit Zeugs, mit dem sie nichts zu tun haben will.

Drei Monate vorher. Nachts um zwei sitzt Anke Engelke auf dem Sofa ihres Hotelzimmers und denkt darüber nach, ob sie an allem schuld ist. Irgendwas ist vor ein paar Stunden furchtbar schiefgelaufen, und dafür muss es einen Grund geben und einen Schuldigen, und Anke Engelke muss der Sache jetzt nachgehen. Sie wählt Telefonnummern, sie muss mit jemandem reden, am besten mit einem Verantwortlichen, mit einem, der ihr mal erklären kann, warum die Band Cascada gerade den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gewonnen hat. Aber Engelke erreicht niemanden, wahrscheinlich sind noch alle auf der Party in der Halle gegenüber, auf dem Messegelände in Hannover, dort, wo Anke Engelke Unser Song für Malmö moderiert hat, live, die ARD übertrug. Engelke fragt: "Habe ich denn irgendwas falsch gemacht?"

Sie hat nichts falsch gemacht, sie hat die Show großartig moderiert, darin werden sich am nächsten Tag alle einig sein. Sie saß nicht in der Jury, sie konnte den Ausgang der Wahl nicht beeinflussen, aber sie kann dafür sorgen, dass sie in Zukunft mit dieser ganzen Eurovisions-Geschichte nichts mehr zu tun haben wird. Anke Engelke kann manchmal sehr hart sein. Hart und streng und konsequent. Vor allem, wenn ihr die Dinge wichtig sind. Und ihr ist es nun einmal wichtig, wer für Deutschland beim Eurovision Song Contest antritt, so einfach ist das.

Zwei Monate zuvor, Mitte Dezember 2012. Anke Engelke schaut aus einer großen bunten Fensterwand und unterhält sich dabei mit einem Kind, stellt Fragen, blödelt ein bisschen herum, manchmal sagt sie nur "Mhm...". Sie zeichnet in den WDR-Studios in Köln gerade Elefantierisch auf, sie muss die Einspieler mit den Kindern drehen, in den kurzen Unterbrechungen singt sie Lieder von Rihanna und versucht das Team bei Laune zu halten. Es ist kalt in der Halle, es ist der letzte Drehtag für die neue Staffel, alle sind ein bisschen erschöpft. Am Telefon sagte Engelkes Managerin Ute Shaw, dass man sich dort kennenlernen könne – Anke werde dann entscheiden, ob sie Lust hat, sich ein halbes Jahr von mir begleiten zu lassen, damit man versteht, wer diese Anke Engelke eigentlich ist. Denn einerseits gibt Anke Engelke natürlich Interviews und geht in Talkshows; man weiß, mit wem sie verheiratet ist und wie viele Kinder sie hat (verheiratet mit dem Musiker Claus Fischer, drei Kinder); Anke Engelke ist nicht Stefan Raab – sie verweigert sich den Medien nicht. Andererseits: Was weiß man tatsächlich von ihr? Das Alter? Anke Engelke wird in diesem Jahr 48.

Das erste Treffen also, ein kleiner Raum neben dem Fernsehstudio. Engelke isst mitgebrachte Brote und hat sich in einiger Entfernung von mir hingesetzt. Es scheint, als brauche sie diesen Abstand, als wolle sie keine Nähe zulassen. Die ersten Fragen beantwortet sie knapp, reserviert: Ihr größtes Talent? "Ich bin absolut angstfrei." Keine Lust auf Wetten, dass..? gehabt? "Nee. Wurde aber auch nicht gefragt." Warum denn das nicht? "Weil ich Quotengift bin. Und keine Moderatorin. Ich bin Schauspielerin, die manchmal eine Moderatorin spielt." Ach. "Ja. Wenn ich für eine Moderation Lob bekomme, dann muss ich lachen. Das ist keine Kunst. Man muss Texte auswendig lernen, den Ablauf proben. Ich kann das nicht ernst nehmen." Etwas nicht ernst nehmen – im Verlauf unserer Treffen wird das noch eine Rolle spielen. Sie beißt von ihrem Brot ab, schaut aus dem Fenster und kaut. Dann sagt sie noch, etwas leiser: "Fernsehen ist eigentlich dumm. Ich will nicht, dass man das wichtig nimmt. Ich will auch nicht, dass man mich wichtig nimmt."

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Kommentare

30 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Diese unerträgliche Überheblichkeit...

...ist einfach nur abstoßend. Der Kommentator Primus von Quack zieht nicht einmal annähernd in Betracht, dass seine Unkenntnis keineswegs ein Anzeichen für die Nichtigkeit des Themas, sondern für die eigene Beschränktheit sein könnte. Wenn Zeitungsartikel uns nur noch erzählen würden, was wir eh schon wissen, bräuchten wir keine Zeitungen mehr.