SerieVon A nach B

Matthias Stolz fährt mit der App Touch&Travel in der Berliner U-Bahn. von 

Wer sich am Automaten für die U-Bahn nur ab und zu ein Ticket kauft, wer also keine Monatskarte besitzt, macht sich unbeliebt, wenn er nicht alleine unterwegs ist. Er ist derjenige, der immer noch schnell ein Ticket kaufen muss, während die nächste U-Bahn davonfährt.

Entsprechend euphorisch wurde die Nachricht aufgenommen, man könne nun ganz ohne Automat ein Ticket kaufen. Mit einer App. Man muss auch nicht mehr überlegen, ob man ein Kurz- oder Langstreckenticket kauft oder ein Tagesticket, das Programm rechnet alles aus. Es heißt Touch&Travel, was natürlich ein bahngemäß blöder Name ist, da in der Welt der Smartphones eigentlich fast alles touch ist. Stört aber auch nicht groß.

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Auf der App-Einkaufsseite schreiben einige Leute, die App sauge ihren Akku leer. Die Bahn, das ist erstaunlich, beantwortet jede dieser Kritiken persönlich. Die App scheint ihnen wirklich wichtig zu sein.

Testfahrt von U-Bahn Eberswalder Straße nach U-Bahn Nollendorfplatz, Zwischenstopp Schönleinstraße. Ich melde mich vor der Fahrt an, die App erkennt meine Station, unterwegs müsste ich, käme ein Kontrolleur, auf "Kontrolle" drücken, dann erscheine ein Barcode. Funktioniert wahrscheinlich schlecht mit leer gesaugtem Akku, denke ich. (Später ist mir nie unbotmäßiges Akkusaugen aufgefallen.) Der Weg ist zum Teil eine Hin-und-zurück-Tour und müsste vom Programm als zwei Fahrten berechnet werden. Das passiert nicht. Kulanz? Willkommensbonus? Doch kein so guter GPS-Empfang im Untergrund?

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin  |  © .marqs/Photocase

Nach einer Woche zickt die App. Sie meldet jedes Mal, sie wisse nicht, wo ich stünde. Ich solle bitte meine U-Bahn-Station von Hand eingeben. Bald bin ich derjenige, der vorm Einsteigen immer noch schnell auf dem Handy rumtippen muss. Ich werde von Mal zu Mal schneller.

Nach der Arbeit in die S-Bahn. Vorher habe ich noch eine Mail geschrieben auf dem Handy. Ich habe noch nicht gebucht und sehe schon die Kontrolleure kommen. Ich touche mich vor zur App, der Kontrolleur steht jetzt direkt vor mir. Ich zeige mein Handy, die Fehlermeldung ist zu sehen, ich entschuldige mich. Er sagt: "Sie dürfen ohne gültigen Fahrausweis gar nicht einsteigen." – "Ah, jetzt geht es doch!", sage ich und zeige ihm den Barcode, den man Kontrolleuren zeigen soll. Ich bin inzwischen wirklich sehr geübt darin, alles schnell einzutippen.

Technische Daten

Smartphone-App für alle gängigen Betriebssysteme, Geltungsbereich: im Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn sowie für zahlreiche Regionalzüge und Verkehrsverbunde. Die App ist gratis. www.touchandtravel.de

Matthias Stolz ist Redakteur beim ZEITmagazin.

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Leserkommentare
  1. ... dieser holprigen Erlebniserzählung?

    2 Leserempfehlungen
  2. Was machen DB-Kunden, die kein Smartphone besitzen ? Ist ja schön und gut, soweit der App nicht zickt. Allerdings sollte die DB ihre Fahrkartenautomaten endlich einmal so programmieren lassen, dass man vor diesen komplizierten Fahrkartenautomaten nicht dasteht, wie der letzte Depp aus der Provinz. Und vor allem: Die DB sollte ihren Konrtolleuren (am schlimmsten sind die KontrolleurInnen) endlich gute Manieren beibringen lassen, teils ist es unrverschämt und dreist, die diese KontrolleurInnen sich aufführen gegenüber Fahrgästen, die, trotz "App" keinen "gültigen Fahrausweis" vorweisen können.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Kontrolleure könnten in der Tat mal nen Kurs im Benehmen den Kunden gegenüber vertragen.
    Die Kritik an den Automaten kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man vorher weiß was man will, geht es echt zügig. Wenn man allerdings keine Ahnung hat wo man überhaupt hinwill und wann man fahren will, kann das in der Tat etwas dauern…

  3. Die Kontrolleure könnten in der Tat mal nen Kurs im Benehmen den Kunden gegenüber vertragen.
    Die Kritik an den Automaten kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man vorher weiß was man will, geht es echt zügig. Wenn man allerdings keine Ahnung hat wo man überhaupt hinwill und wann man fahren will, kann das in der Tat etwas dauern…

    Antwort auf "Apps, soweit man sieht"
  4. sind allgemein recht gut: auf dem Weg zum Zug noch schnell ein Ticket buchen? Kein Problem, unterwegs nach dem Anschlusszug suchen, weil die Bahn mal wieder verspätet ankommt? Geht auch wunderbar.
    Weiter so! Touch and Travel habe ich noch nicht ausprobiert, werde ich aber nachholen…

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