Feel-Good-ManagerStimmung, Kollegen!

Um Mitarbeiter zu halten, lassen sich Firmen einiges einfallen. Jetzt stellen sie sogar Feel-Good-Manager ein. von 

Der Schlüssel liegt in einem geheimen Versteck. Nicht einmal der Chef weiß, wo er ist. Ein kleiner Hinweis vielleicht? "Nein", sagt Lena Blinstein nachdrücklich und schüttelt den Kopf. Der Schlüssel gehört zu einem Holzkasten, der vor ihr auf dem Tisch steht. "Optimierer" steht darauf. Und weiter: "Sicher gibt es etwas in unserer Firma oder an unserer Zusammenarbeit, was du gerne anders hättest. Und sicher gibt es auch Dinge, die nach deinem Geschmack genauso bleiben sollen, wie sie sind. Schreib es auf."

Lena Blinstein, die Herrin des Schlüssels, ist Feel-Good-Managerin beim Onlinevergleichsportal billiger-mietwagen.de in Köln. Ihre Aufgabe ist es, für das Wohlergehen der Mitarbeiter zu sorgen.

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Es gibt erst eine Handvoll solcher Feel-Good-Manager in Deutschland, aber das Interesse an dem Berufsbild wächst. Eine Akademie aus Stuttgart plant bereits eine Weiterbildung zum Feel-Good-Manager. Zu den Qualifikationen, die in Stellenanzeigen verlangt werden, gehören Gespür im Umgang mit anderen Menschen, Kreativität und manchmal sogar gute Kenntnisse der örtlichen Kneipenlandschaft. "Letzteres war bei mir kein Einstellungskriterium, aber damit kenne ich mich auch aus", sagt Blinstein.

Im Optimierer sammelt die 27-Jährige die Wünsche der Mitarbeiter – wer ein Anliegen hat, wirft einen Zettel hinein. Zu Schulzeiten hieß so eine Box Kummerkasten und diente dazu, die Atmosphäre in der Klasse zu verbessern. Die Idee für den Optimierer ist also keineswegs neu. Sogar Blinstein gibt zu, dass viele Kollegen sie anfangs belächelt haben. "Ich fand es zunächst ein bisschen albern", verrät einer der 70 Angestellten, "warum soll man seine Probleme und Ideen nicht offen beim Chef ansprechen? Dann wurde mir aber klar, dass ich das sagen kann, weil ich schon lange hier arbeite. Neuen Angestellten und jüngeren Kollegen fällt das schon schwerer."

Die Aufgaben der Feel-Good-Manager sind vielseitig, in erster Linie geht es immer darum, dafür zu sorgen, dass sich die Mitarbeiter am Arbeitsplatz wohlfühlen. Dafür kaufen sie Obst, organisieren gemeinsame Kochaktionen, bestellen Masseure, haben ein offenes Ohr für Probleme und versuchen in Konflikten zu vermitteln. Blinstein plant zum Beispiel das Sommerfest der Firma und organisiert Ausflüge zum Paddeln oder Skifahren. Das alles fand schon statt, bevor ihr Vorgesetzter sie zur Gute-Laune-Beauftragten machte. Aber durch das Schaffen der neuen und offiziellen Position seien diese gemeinsamen Aktionen tiefer in den Köpfen der Mitarbeiter verankert – und würden stringenter durchgeführt, beobachtet Lena Blinstein. "Das Thema Wohlbefinden rückt so mehr in den Mittelpunkt."

Seit einem Jahr arbeitet die Kölnerin mittlerweile als Feel-Good-Managerin bei billiger-mietwagen.de. Sie begann als Werkstudentin bei der Firma, wurde dann feste Mitarbeiterin in der Personalabteilung, zu der sie auch heute noch gehört. Den Schwerpunkt Personal hat Blinstein auch in ihrem BWL-Studium gewählt. Die Spezialisierung passt zu ihrer Tätigkeit, ist aber kein Muss. Andere Feel-Good-Manager sind Soziologen oder Eventmanager. "Ich glaube, es kommt nur darauf an, dass man ein offener Mensch ist." Gerade bei neuen Mitarbeitern versucht Blinstein besonders aufmerksam zu sein: Fühlen sie sich wohl? Wo kann ich weiterhelfen? "Aber ich gebe mir Mühe, ihnen nicht zu nahe zu treten. Ich will niemanden bemuttern." Blinstein reicht es, dass die Kollegen wissen, dass sie bei Fragen da ist. Sie ist eine Art lebendes Statement für die Mitarbeiter: Ihr seid uns wichtig, wir kümmern uns um euch.

Eine sinnvolle Idee, meint der Arbeitspsychologe Torsten Holstad von der Universität Leipzig. "Das Gefühl der Wertschätzung und der Eindruck, dass sich der Arbeitgeber bemüht, sind vielen Arbeitnehmern wichtig, manchmal sogar wichtiger als das Gehalt." Das weiß auch Blinsteins Chef. "Wir sind keine Gutmenschen", sagt Jochen Cholin, "wir haben dabei natürlich auch einen Hintergedanken." Fachkräftemangel ist hier das Stichwort: Gerade im IT-Bereich muss man Angestellten einiges bieten, um attraktiver zu sein als die Konkurrenz. Cholins Firma wächst, er ist ständig auf der Suche nach neuen Mitarbeitern – und bemüht, diejenigen zu halten, die schon da sind.

Leserkommentare
    • F.K.
    • 10. August 2013 18:15 Uhr

    Was ist eigentlich aus der geworden:

    http://www.zeit.de/karrie... ?

    Und an diejenigen Chefs, die glauben, sie würden die Situation im Unternehmen die Goodfeel-Manager verbessern:
    Glaubt nicht, dass Ihr die sogenannten High-Potentials, zumindest die, die auch wirklich welche sind, auf so billige Weise ködern könnt. Dazu gehört echte Loyalität zu diesen Leuten. Auf die kann man nicht im Meeting die Schuld für das eigene Versagen abwälzen, und sie hinterher zum Good-Feel-Manager schicken. Klappt nicht!
    Und woran man die HIgh-Potentials erkennt? An ihrem persönlichen Output. Wenn man den nicht beurteilen kann, weil man selbst eigentlich auch nur ein Schwätzer und Intrigant ist. Ja, Pech fürs Unternehmen.

    4 Leserempfehlungen
  1. In den 50er, 60er und auch noch in den 70er Jahren, brauchte man "Bozo, den Clown" nicht ! Die Leute fühlten sich gut und gingen gerne zur Arbeit. Das Gehalt war entsprechend der Qualifikation und das Wort Globalisiierung kannte man nicht. Plötzlich meinte irgend jemand (wer war das eigentlich?), daß es den Leuten zu gut ginge und beschloss, die sozialen Errungenschaften aufzuweichen oder gleich abzuschaffen... ich glaube, daß fing alles mit dem Feiertagsverzicht für die Krankenkassen an.Dann wurden die Stellen, die durch Pensionierung frei wurden, nicht mehr neu besetzt, sondern die Arbeit unter den Verbliebenden aufgeteilt. Als dann die EDV überall eingesetzt wurde, standen auf einmal Berater mit einer Stopuhr hinter einem und missten die Mannstunden.Aufgeteilt auf 40 Stunden (35 Stunden-Woche war ja vom Tisch!), wurde der Rest gefeuert, das Human -Kapital war geboren! Und das beisst gerade den Wirtschaftslenkern in den Hintern ! Und die hatten sich so gefreut , daß die Südländer noch billigere AN schicken würden !
    Dumm gelaufen ! Dafür haben wir jetzt den "Dr. Feel Good", der reisst alles raus ! Sick !

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    den uns das System auferlegt.
    Jedes Jahr Renditesteigerung, immer noch ein Schippchen drauf. Das ganze "auf Effizienz Getrimme" geht die ersten paar Jahre ja noch gut, da findet sich genug Einsparpotential. Aber mittlerweile merkt wohl der Großteil der (arbeitenden) Bevölkerung, dass das nicht ewig so weitergehen kann. Es artet in Stress aus, und der macht letztlich krank.
    Wenn man hier für Entspannung sorgen würde, bräuchte man solche neuen "feel-good" Stellen gar nicht.

  2. Für solche und andere Problemchen gab es mal die revolutionäre Erfindung des Betriebsrates.

    Aber Feel God höhrt sich sehr viel besser an.

    2 Leserempfehlungen
  3. den uns das System auferlegt.
    Jedes Jahr Renditesteigerung, immer noch ein Schippchen drauf. Das ganze "auf Effizienz Getrimme" geht die ersten paar Jahre ja noch gut, da findet sich genug Einsparpotential. Aber mittlerweile merkt wohl der Großteil der (arbeitenden) Bevölkerung, dass das nicht ewig so weitergehen kann. Es artet in Stress aus, und der macht letztlich krank.
    Wenn man hier für Entspannung sorgen würde, bräuchte man solche neuen "feel-good" Stellen gar nicht.

    Antwort auf "Ursache und Wirkung !"
    • BadLuck
    • 10. August 2013 22:44 Uhr

    schon alles was man überhaupt zu diesem Thema noch sagen kann, verrückte Welt

  4. Motivation und Freude können nur dort aufkommen, wo
    Leidenschaft für etwas besteht.

    Heute werden die Menschen so ausgebildet, dass sie in unser System
    passen. Ob sie ihre Stärken und Neigungen einbringen können und die
    Arbeit wirklich zu ihnen passt, fragt kaum jemand.

    Kein Wunder, wenn immer mehr ausbrennen, Depressionen bekommen
    oder unmotiviert sind.

    Gutes Geld ist eben doch nicht alles.

    http://www.menschen-und-l...

    3 Leserempfehlungen
    • Mortain
    • 11. August 2013 14:04 Uhr

    Würde man Führungskräfte einstellen, die soziale Antennen haben und den Mitarbeitern ehrliche Wertschetzung zukommen lassen, bräuchte man keinen "Gute Laune Kasper".

    Das Stichwort ist WERTSCHÄTZUNG!

    2 Leserempfehlungen
    • wauz
    • 11. August 2013 23:14 Uhr

    Wirkt nicht, aber hilft trotzdem!

    (Auch als Hawthorne-Effekt bekannt)

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