Der Anwalt Jim Grant (Robert Redford) wird vom FBI verfolgt. © 2013 Concorde Filmverleih GmbH

Jawohl, er ist wieder da! Oder, besser, immer noch! Robert Redford, unser guter, alter kalifornischer Surferboy mit dem linken Gewissen. Der erdbeerblonde Bilderbuchamerikaner, mit dem man sich sofort in der Wildnis vor ein Lagerfeuer kauern würde. Schon in den siebziger Jahren verkörperte er auf der Leinwand mit "unkorrumpierbarer Männlichkeit" (Paul Newman) die Widersprüche seines Landes. Er hackte als Journalist in Die Unbestechlichen mit hochgekrempelten Ärmeln den Watergate-Abhörskandal in die Schreibmaschine, spielte in Der Kandidat einen Anwalt, der allein wegen seines guten Aussehens zum Senator gewählt wird, und gab in Der Elektrische Reiter einen früheren Rodeostar, der versoffen als Cornflakes-Werber durch die Provinz tingelt.

Auch in seinen eigenen, immer etwas zu anständigen Regiearbeiten zeigte sich Redford als mustergültiger Patriot und beinharter Wächter demokratischer Werte. Er attackierte die Machenschaften der Baukonzerne (Krieg im Bohnenfeld) , die Lügen des Fernsehens (Quiz Show) oder das Versagen der amerikanischen Medien und Politiker im Afghanistankrieg (Von Löwen und Lämmern).

Als Redford seinen neuen Film The Company You Keep – Die Akte Grant drehte, konnte er noch nicht wissen, wie punktgenau das Werk Monate später auf den Wogen des NSA-Abhörskandals landen würde. Redford selbst spielt den Anwalt Jim Grant, der mit seiner linksextremen Vergangenheit konfrontiert wird, ins Visier des FBI gerät und untertauchen muss. Um seine Unschuld zu beweisen, ohne die Sache zu verraten, trifft er frühere Mitstreiter, mit denen er einst in einer politischen Zelle (Studenten für ein demokratisches Amerika) gegen den Vietnamkrieg agitierte. Er wird mit den Fragen eines jungen, eifrigen Journalisten (Shia LaBeouf) konfrontiert und mit einigen unangenehmen Wahrheiten über sich selbst.

Vielleicht ist der 76-jährige Redford ein wenig zu alt für diese Rolle, in der er den verwitweten Vater einer 13-jährigen Tochter spielt. Tatsächlich sorgt man sich ein wenig um ihn, wenn er beim Joggen – mit merkwürdig rudernden Armen – seine Fitness unter Beweis stellen muss. Einmal, nach einer Verfolgungsjagd mit Hubschrauber und Hunden, sinkt er denn auch erschöpft und außer Puste an einem Baum zusammen.

Und doch: Robert Redford und sein Film sind getragen von der Kraft der Überzeugung. Die Akte Grant ist das Spätwerk eines Mannes, der nicht anders kann, als für seine Werte einzustehen, und der für seine linke Truppe eine wunderbare Gang von Hollywood-Kämpen zusammengetrommelt hat: Susan Sarandon, die als ehemalige Aktivistin im Gefängnis ein bewegendes Plädoyer für politischen Widerstand hält. Nick Nolte, dem man trotz seiner Versoffenheit jederzeit in den Untergrund folgen würde. Und die immer noch strahlende Julie Christie, deren Filmfigur die Spekulation mit Pensionsfonds für krimineller hält als den Handel mit "ehrlichem Hasch". In der Gestalt des jungen Reporters, eines Alter Ego seines Journalisten Bob Woodward in Die Unbestechlichen, stellt Redford nebenbei fest, dass Journalismus nicht nur ein Job, sondern eine Haltung ist.

Wie geht man mit den früheren Idealen um, wenn man inzwischen für ein Kind verantwortlich ist? Was tun, wenn der Staat Grundrechte missachtet, die er eigentlich schützen müsste? Und wie steht man zu seinem Gewissen, wenn alle um einen herum anders denken? In seinem Film wirft Redford manche Frage auf, die sich auch Edward Snowden gestellt haben dürfte. Und allein für die Tatsache, dass er es tut, möchte man sich vor ihm verneigen.

Dass Redford sein Land kritisiert, weil er auf geradezu rührende Weise daran glaubt, wird an einer Szene im FBI-Büro deutlich: Nachdem der Held untergetaucht ist, ordnet der Chefermittler an, alle Konto- und Kreditkarten des Verdächtigen zu überwachen. Dann wendet er sich mit ernstem Gesicht an seine Mitarbeiter und stellt eine Frage, die für den einzigen unfreiwilligen Lacher des Films sorgt: "Steht dabei der Datenschutz im Weg?"