Die Forscher und Biobauern Raoul Adamchak und Pamela Ronald auf ihrer Farm in Kalifornien © Wikimedia Commons/CC-BY-SA 3.0

Raoul Adamchak, 59, ist ein Biobauer, wie er im Buche steht: Mit Strohhut und Holzfällerhemd steht er in seinem Garten, ein grauer Bart umrahmt sein freundliches Lächeln. Seit mehr als 20 Jahren ist Adamchak im Biolandbau tätig. Er hat Insektenkunde und internationale Landwirtschaftsentwicklung studiert, ein Praktikum in Mittelamerika machte ihn während seines Studiums mit ökologischen Anbaumethoden vertraut.

Kaum einer kennt die Praxis so gut wie er: Im Aufsichtsrat der California Certified Organic Farmers hat er mehr als hundert Biofarmen inspiziert. Zehn Jahre lang hat er selbst eine Farm geführt. Heute leitet er den Versuchsbiogarten der University of California in Davis. Diese wurde 1905 als agrarwissenschaftlicher Ableger des Elitestandortes Berkeley gegründet. Aus der Farmuniversität ist heute eine Vollunivertsität geworden. Hier bringt Adamchak Studenten die Philosophie und das Handwerkszeug des Biolandbaus bei.

Während er Tomaten sät und Unkraut rupft, erklärt Adamchak, warum die Biolandwirtschaft seiner Meinung nach die beste Antwort auf den übermäßigen Einsatz von toxischen Pestiziden und Herbiziden ist. Er zitiert Studien, die die dramatischen Konsequenzen der "High-Input-Landwirtschaft" belegen: ihren hohen Energiebedarf, die gefährliche Überdüngung der Gewässer, die Zerstörung landwirtschaftlicher Nutzflächen, sterbende Vögel, kranke Farmer. "So können wir nicht weitermachen", sagt Adamchak. Landwirtschaft müsse vor allem eines werden: nachhaltig!

Nachhaltigkeit, das Motiv treibt auch seine Frau an. 1996 hat Raoul Adamchak Pamela Ronald geheiratet – eine Gentechnikerin! Die Professorin für Pflanzenpathologie an der UC Davis baut neue Gene in alte Reissorten ein. Biolandbau und Gentechnik – kann diese Ehe gut gehen?

Raoul arbeitet mit dem Taschenmesser, Pamela mit Scheren aus Eiweißen

Es war ein sonniger Frühlingstag im Jahr 1994, als sich Ronald und Adamchak zum ersten Mal begegnen. Adamchak arbeitete damals auf der Full Belly Farm, einem erfolgreichen Biohof im nordkalifornischen Capay Valley. Er hatte eine Freundin eingeladen, der er auf dem nahen Cache Creek die Eskimorolle mit dem Kajak beibringen wollte. Die Freundin kam nicht allein. Sie brachte Pamela Ronald mit, die sich für die Farm interessierte. Sofort funkte es: "Wir haben schnell unsere gemeinsame Vorliebe für Pflanzen, Landwirtschaft und gutes Essen entdeckt", sagt Adamchak. "Darauf bauen wir seither auf."

Hat es denn nie Irritationen gegeben, Misstrauen, Skepsis dem Interessengebiet des anderen gegenüber? Gab es keinen ideologischen Graben, denn es mühsam zuzuschütten galt? Nein, sagt Raoul Adamchak: "Als wir uns kennenlernten, steckten sowohl der Biolandbau als auch die Grüne Gentechnik noch in den Kinderschuhen. Ich hatte mir bis dahin noch nicht viele Gedanken über Gentechnik gemacht. Wohl aber darüber, dass es wichtig ist, Ernteerträge zu erhöhen, den Pestizideinsatz zu verringern – und wie wertvoll dabei robuste Pflanzensorten sind."

Pamela Ronald fügt hinzu: "Wir sind beide überzeugt, dass wir mit Technologien arbeiten, die dazu beitragen können, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren." Er, der Biolandwirt, mit seinem Schweizer Taschenmesser, sie, die Gentechnikerin, mit ihren molekularen Scheren.

Nachhaltige Ernährung für die Welt – es ist kein Zufall, dass sich Pamela Ronald vor allem mit Reis beschäftigt. Reis ist Grundnahrungsmittel der halben Menschheit und zugleich Lebensgrundlage vieler armer Bauern. Sie werden von Ernteausfällen besonders hart getroffen und sehnen sich daher nach besonders robusten Pflanzen.

In Südostasien, wo die meisten Reisbauern leben, sind Überflutungen ein großes Problem. "Jedes Jahr werden 25 Prozent der weltweiten Reisanbaugebiete überschwemmt", sagt Pamela Ronald. "Stehen die Pflanzen mehr als eine Woche unter Wasser, betragen die Ernteausfälle zwischen zehn und hundert Prozent. Vier Millionen Tonnen Reis gehen jährlich deswegen allein in Indien und Bangladesch verloren – Nahrung für 30 Millionen Menschen."

Ihnen könnte geholfen werden, hätte sie eine Reissorte zur Verfügung, die längere Überflutungen überlebt. Und die gibt es auch: Eine Sorte mit dem kryptischen Kürzel FR13A kann ganze 14 Tage unter Wasser überstehen. Allerdings ist die Qualität der Körner schlecht, die Erträge sind niedrig.