Einer meiner Englischlehrer sagte einmal, wenn Außerirdische uns aus großer Entfernung sehen könnten, würden sie annehmen, das Automobil sei auf diesem Planeten die herrschende Spezies. Das träfe, wie ich ergänzen möchte, ganz besonders dann zu, wenn sie ihre Fernrohre auf die USA richteten. Wir Amerikaner – vor allem wenn wir nicht in großen Städten wohnen – sind alle wie ein Haufen Flöhe: Wir kämen nicht weit ohne unsere "Hunde", in deren komfortables Inneres wir für eine Reise hüpfen, die zwischen zwei Minuten und zwölf Stunden dauern kann.

In meiner Gegend von Kentucky, die im Grenzbereich zwischen dem Süden und dem Mittleren Westen liegt, gehen wir nie zu Fuß, wenn wir irgendwohin wollen. Und wir fahren ganz bestimmt nicht mit der Eisenbahn, weil es keine gibt. So wurde ich 26 Jahre alt, ohne dass ich je in einem Zug gesessen hätte.

Meine erste Zugfahrt fand in Deutschland statt, und ich fand sie großartig. Die Fahrt führte von Hamburg nach München, was mit dem Flugzeug natürlich schneller gegangen wäre, aber ich wollte etwas vom Land sehen. Das Erlebnis an sich begann schon auf dem Hamburger Hauptbahnhof. Wie besessen überprüfte ich dreimal die große Anzeigetafel über den Gleisen, schaute abwechselnd auf die Abfahrtszeiten und meine Fahrkarte, was bestimmt spastisch aussah. Da ich noch eine Stunde Zeit hatte, schlenderte ich über die obere Bahnhofsebene. Ich bin von Natur aus ein besorgter Mensch und wurde ausgesprochen panisch bei dem Gedanken, dass ich es mir in einem gerade anfahrenden Zug gemütlich machte und gleichzeitig über den Bordlautsprecher hörte, er sei unterwegs nach... keine Ahnung, Belgien.

Vermutlich nahm ich mein Mittagessen deshalb in einem Burger King ein. Ich brauchte etwas Vertrautes, um die Nerven zu beruhigen. Der gute alte Burger King, dachte ich. Ich wusste, in einem Burger King hatte ich mich noch nie verlaufen.

Nachdem ich gegessen hatte, half mir der Kringel auf dem Wagenstandsanzeiger, an genau die Stelle auf dem Bahnsteig zu kommen, an der ich einsteigen musste. Und als ich auf dem richtigen Sitzplatz im richtigen Zug saß und hörte, dass wir tatsächlich nach München unterwegs waren – o Mann, war ich erleichtert.

Mein Sitzplatz befand sich an einem Vierertisch. Zugegeben, dieser Aspekt der Zugfahrt war nicht so toll. Mir schien die Sitzordnung geradezu bizarr – als säße ich mit drei Fremden an einem mobilen Esstisch fest, bekäme aber leider nichts zu essen.

Da saßen also wir vier Fremden, und jeder außer mir hatte etwas, wohinter er sich verstecken konnte. Ein dunkelhaariger Herr verschwand hinter seiner Zeitung, ein Jugendlicher summte zur Musik auf seinem iPod, eine ältere Frau strickte vor sich hin, und ich war der grinsende Schwachkopf, der dachte: Wir sitzen uns hier auf sehr engem Raum gegenüber und sind vielleicht sechs Stunden lang zusammen – sollten wir uns nicht wenigstens begrüßen?

Ich bekam sogar mit, was der Jugendliche hörte: die Misfits. Ich holte meinen iPod heraus, stellte Legacy of Brutality ein, zeigte auf das Albumcover, reckte den Daumen in die Höhe und sagte: "Ich liebe die Misfits." Er nickte kaum merklich und stierte den Rest der Fahrt auf seinen iPod, dabei stand sein Mund offen. Ich war geradezu froh, zu erfahren, dass nicht nur Amerika diese spezielle Sorte Generation-Y-Humanoiden mit leerem Blick hervorbringt.