In welche Richtung führt die Karriereleiter? Nach oben, sagt der Volksmund. Doch wer ins Licht drängt, um zu glänzen (wie Nietzsche das beschreibt), wird von der glanzlosen Führungsrealität oft enttäuscht – und sehnt sich zurück in seine Fachaufgabe. Immer mehr Führungskräfte wollen nicht auf-, sondern absteigen. Doch wer sich nach unten bewegt, gilt schnell als gefallener Engel. War er mit dem Führen überfordert, hat er die Aufgabe nicht gepackt?

Kaum ein Beobachter kommt auf die Idee, es könnte ein Zeichen für Willensstärke, Reife und Flexibilität sein, dass ein Mitarbeiter nicht zwanghaft nach oben, sondern freiwillig nach unten strebt. Die Arbeitswelt der Vergangenheit prägt das Denken. Die Wirtschaftswunder-Generation entschied sich für einen Arbeitgeber, um ihm Jahrzehnte treu zu sein, und für eine Führungsposition, um bis zur Rente zu führen. Der Berufsweg war eine geradlinige Einbahnstraße, von der Ausbildung bis zur Rente.

Heute jedoch ist die Arbeitswelt ein reißender Fluss, der sich täglich wandelt. Berufe verschwinden, Firmen werden zerschlagen, Märkte von der Globalisierung verwirbelt. Mitarbeiter müssen in kürzester Zeit Entscheidungen fällen, neue Dinge lernen, sich auf wechselnde Chefs und Kunden einstellen.

Dass man sich wandelt, ja neu erfindet, ist zur Kernkompetenz avanciert. Dass ein Angestellter als Führungskraft arbeitet und diese Erfahrungen später wieder als Fachkraft nutzt, wird in Zukunft normal sein.

Was einem Menschen liegt und was nicht – niemand weiß es besser als er selbst. Wer als Führungskraft merkt, dass ihn eine Fachaufgabe mehr reizt, hilft seiner Firma durch ein ehrliches Feedback. Zumal ihn die Erfahrungen aus der Führungsaufgabe befähigen, als Fachkraft effektiver zu sein.

Wer so für seinen Abstieg argumentiert, erhöht die Chance, würdevoll eine Sprosse nach unten zu kommen. Eine ehemalige Führungskraft versteht Zusammenhänge, sieht übergeordnete Ziele und kann als Fachkraft bei Kollegen um Verständnis für die Sicht der Führungsetage werben. Davon profitiert die Firma genauso wie der Mitarbeiter. Eine Leiter hat immer zwei Richtungen – aus gutem Grund!