Serie KarrieretippsDas Zitat... und Ihr Gewinn

Friedrich Nietzsche sagt: Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen. von 

In welche Richtung führt die Karriereleiter? Nach oben, sagt der Volksmund. Doch wer ins Licht drängt, um zu glänzen (wie Nietzsche das beschreibt), wird von der glanzlosen Führungsrealität oft enttäuscht – und sehnt sich zurück in seine Fachaufgabe. Immer mehr Führungskräfte wollen nicht auf-, sondern absteigen. Doch wer sich nach unten bewegt, gilt schnell als gefallener Engel. War er mit dem Führen überfordert, hat er die Aufgabe nicht gepackt?

Kaum ein Beobachter kommt auf die Idee, es könnte ein Zeichen für Willensstärke, Reife und Flexibilität sein, dass ein Mitarbeiter nicht zwanghaft nach oben, sondern freiwillig nach unten strebt. Die Arbeitswelt der Vergangenheit prägt das Denken. Die Wirtschaftswunder-Generation entschied sich für einen Arbeitgeber, um ihm Jahrzehnte treu zu sein, und für eine Führungsposition, um bis zur Rente zu führen. Der Berufsweg war eine geradlinige Einbahnstraße, von der Ausbildung bis zur Rente.

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Heute jedoch ist die Arbeitswelt ein reißender Fluss, der sich täglich wandelt. Berufe verschwinden, Firmen werden zerschlagen, Märkte von der Globalisierung verwirbelt. Mitarbeiter müssen in kürzester Zeit Entscheidungen fällen, neue Dinge lernen, sich auf wechselnde Chefs und Kunden einstellen.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Dass man sich wandelt, ja neu erfindet, ist zur Kernkompetenz avanciert. Dass ein Angestellter als Führungskraft arbeitet und diese Erfahrungen später wieder als Fachkraft nutzt, wird in Zukunft normal sein.

Was einem Menschen liegt und was nicht – niemand weiß es besser als er selbst. Wer als Führungskraft merkt, dass ihn eine Fachaufgabe mehr reizt, hilft seiner Firma durch ein ehrliches Feedback. Zumal ihn die Erfahrungen aus der Führungsaufgabe befähigen, als Fachkraft effektiver zu sein.

Wer so für seinen Abstieg argumentiert, erhöht die Chance, würdevoll eine Sprosse nach unten zu kommen. Eine ehemalige Führungskraft versteht Zusammenhänge, sieht übergeordnete Ziele und kann als Fachkraft bei Kollegen um Verständnis für die Sicht der Führungsetage werben. Davon profitiert die Firma genauso wie der Mitarbeiter. Eine Leiter hat immer zwei Richtungen – aus gutem Grund!

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Leserkommentare
    • Dr.Um
    • 11. August 2013 12:50 Uhr

    Es wird sicher nicht leicht, diese Auffassung gegen Vorurteile wie Führungsschwäche, Kommunikationsschwäche, Versagertum etc. zu verteidigen, denen sich Führungskräfte ausgesetzt sehen, wenn sie den Schritt zurück ins Glied versuchen.
    Konnte er/sie seine/ihre Chefs nicht überzeugen? Waren die Ergebnisse des von ihm/ihr geführten Teils der Organisation zu schlecht? Hatte er/sie keinen Rückhalt bei der Belegschaft? Wie sich das Leben mit Führungsaufgaben und -verantwortung verändert, sieht man in der Regel erst, wenn man sie übernimmt. Zunächst merkt man, dass man selbst zum Gegenstand des Kantinengesprächs wird, an dem man nicht mehr teilnimmt. In der Zeit, in der fachlich arbeitende Kollegen Fortschritte erzielen, schlägt man selbst sich mit administrativen Aufgaben rum, vertröstet Kunden, prüft die Folgen von Urlaubsanträgen und Krankenscheinen, fragt sich, ob Angestellter X den Tagungsbesuch braucht oder nur Schulfreunde treffen will.
    Insbesondere im mittleren Management ist die Führungskraft nur ein Prellbock zwischen dem Topmanagements mit seinen Visionen und den Fachkräften an der Basis.
    Möglicherweise wäre eine ehemalige Führungskraft ein sehr pflegeleichter Projektmitarbeiter, weil er/sie die Sorgen, Ängste, Nöte und gerade auch Zwänge der Führungskräfte sehr genau kennt. Leider ist der fachliche Glanz nach mehrjähriger Verwaltungsarbeit verschwunden und das Studium durch fachfremde Tätigkeiten entwertet. Mit welchen Argumenten kann man da aufwarten und überzeugen?

    3 Leserempfehlungen
  1. 2. Netter
  2. ist aber mMn ein rein deutsches Problem, in anderen Ländern ist dies Normal.
    Das Problem das man bei solchen Schritten hat, ist doch das sich viele andere Führungskräfte durch solche Personen bedroht fühlen, da sie ihre eigenen Unzulänglichkeiten kennen und dieser Mitarbeiter sie eventuell vorführt oder vlt. durch Leistung einen doch wieder verdrängt.

    2 Leserempfehlungen
    • NEUMON
    • 12. August 2013 17:33 Uhr

    ... ist ein Wechsel zwischen Fach- und Führungskraftdasein in der Projektarbeit, z. B. in der IT. Als Projektleiter ist man Führungskraft auf Zeit mit zum Teil Teamgrößen, die größer als Abteilungen sind. Ist das Projekt abgeschlossen und steht kein neues Projekt an, das eines Projektleiters bedarf, so steigt der Projektleiter beispielsweise als Fachkraft ein, um ein laufendes anderes Projekt zu unterstützen. Das ist normaler Alltag in der Projektarbeit.
    Persönlich schwierig ist jedoch, dass man als Projektleiter das Führen gewöhnt ist. Wieder auf der Ebene der Fachkraft zu arbeiten, kann schon bedeuten, dass das "Führen" durchschlägt und man als Konkurrenz empfunden wird.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass in Linienabteilungen ehemalige "Führungskräfte" bei den aktuellen Führungskräften gefürchtet sind. Besonders dann, wenn die freiwillig zurückgetretene Ex-Führungskraft eben nicht zuvor gescheitert ist. Es setzt von beiden Seiten eine gewisse "Größe" voraus.

  3. In den 1960er Jahren hat ein gewisser Herr Laurence J. Peter ganz interessante Thesen aufgestellt, die eigentlich zur Standardlektüre in der US-amerikanischen Lehre gehören. Die logische Konsequenz aus den Thesen ist, dass man sich auch ohne Reue und Scham nach unten bewegen können muss und sogar sollte. Leider ist das Peter-Prinzip hierzulande weniger bekannt.

  4. Oder reiner Pragmatismus? Ob ich einen Aufgabenwechsel als "Abstieg" begreife, hängt für mich davon ab, ob damit wirtschaftliche Einbußen einhergehen. Wenn ich bei gleichem oder gar besserem Gehalt von einer Führungs- in eine Fachposition wechseln kann, die mich interessiert, wüsste ich nicht, warum ich das als Abstieg betrachten sollte. Ich empfände das auch nicht als besonders reif und willensstark.

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