MobilfunkWachsen durch Sparen

Die Übernahme von E-Plus durch Telefónica illustriert die Not im Mobilfunkmarkt. von 

Der deutsche Mobilfunkmarkt verliert einen seiner bedeutendsten Wettbewerber. Die hiesige Tochter des spanischen Kommunikationskonzerns Telefónica, die für ihre Mobilfunkmarke O₂ bekannt ist, kauft die deutsche E-Plus-Gruppe von deren niederländischer Mutterfirma KPN. Vereinfacht gesagt: E-Plus und O₂ werden eins. Damit entsteht der größte Mobilfunkkonzern im Land, der mit rund 43 Millionen Handynutzern mehr Kunden haben wird als seine beiden Konkurrenten Telekom und Vodafone.

Die Aktionäre auf beiden Seiten müssen der Übernahme noch zustimmen, ebenso wie das Kartellamt, spätestens im kommenden Jahr soll der Deal vollzogen werden, teilten die beiden Unternehmen mit. Wenn sich die Nummer drei und vier im Mobilfunkgeschäft zusammentun, bedeutet das vor allem eines: einen Konkurrenten weniger.

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Die Übernahme von E-Plus durch Telefónica zeigt hauptsächlich, in welch dramatischer Lage all jene Unternehmen sind, die Daten durch ihre Netze leiten. Dabei spielt es keine große Rolle, ob diese Netze als Kabelstränge irgendwo in der Erde vergraben sind oder als unsichtbare Funkverbindungen existieren. Immer mehr Informationen sollen durch die Netze transportiert werden, was ständig steigende Investitionen in die technische Infrastruktur nötig macht.

Zugleich aber gehen die Unternehmen, die diesen Ausbau leisten sollen, bei dem großen Geschäft mit den Daten weitgehend leer aus. Das Geld verdienen andere, vor allem große Internetunternehmen wie beispielsweise Google, deren Dienste Millionen Menschen nutzen und die weitaus sichtbarer sind als die Dienste der Netzbetreiber.

DIE ZEIT 31/2013

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Netze sollen verlässlich, schnell und preiswert sein. Doch die Telekommunikationsbetreiber finden keine neuen Erlösmodelle, mit denen sie ihre Einnahmen drastisch steigern könnten. Unterdessen fallen ständig neue Kosten für den Netzausbau an. Die Lösung ist ein Wort, das man in letzter Zeit sehr oft hört: Synergieeffekte. Auf Deutsch: Wer sich zusammentut, spart Kosten. Da man die Einnahmen nicht erhöhen kann, sollen so wenigstens die Ausgaben gesenkt werden.

Telefónica und E-Plus erwarten Synergieeffekte von etwa 5 Milliarden Euro, wie sie übereinstimmend berichteten. Das Geld könnten sie dringend gebrauchen, denn bei einer Reihe von jüngeren Tests durch Fachzeitschriften schnitten die Funknetze der beiden Anbieter schlechter ab als die von Telekom und Vodafone. Das betraf die Mobilfunknetze der dritten Generation, die unter dem Kürzel UMTS bekannt sind. Der technische Wandel ist inzwischen fortgeschritten, die weitaus leistungsfähigeren Netze der vierten Generation (LTE) sind aber noch nicht überall einsatzbereit, während schon längst daran geforscht wird, auch diese weiter hochzurüsten.

Leserkommentare
  1. führen kann mit O 2 und fortwährend den Zugang zu e-mails ändert und ebenso viele Störungen hat und Schulden hat bis zum Hals
    will e-plus kaufen und übernehmen.
    Sollten wir ein EU Kartellamt haben sollte das verboten werden.
    Erst Schulden bezahlen oder Insolvenz anmelden, so läuft
    das in Deutschland. Den fördenden Banken, die immer gerettet werden müssen, gehört ein gewaltiger Schuss vor den Bug mit
    endlich eingeführter persönlicher Vollhaftung der Schuldigen.
    Was ist das für ein marodes Wirtschaftssystem. denn e-Plus soll ja auch am Ende sein. Zwei Verschuldete bilden einen neuen starken Konzern - das ist hirnloser Kapitalismus, gefördert
    durch Banken und vielleicht noch geheime Subventionen.
    Eine kranke Welt - man muss nur denken .....

    2 Leserempfehlungen
  2. "ein Wort, das man in Deutschland in letzter Zeit immr öfter hört"

    Eigentlich nicht, finde ich. Seit Erfndung der Arbeitsteilung ergeben sich Synergieeffekte, und jeder Unternehmer stebt danach. Ob das Banken sind oder Bäcker, Textlgeschäfte oder Landwirtschaft - alle versuchen Synergieeffekte zu erreichen.
    Seit 1949 wachsen Unternehmen oder scheiden aus dem Wettbewerb aus.

    Seit die SPD die Versteurung auf Gewinne aus dem Verkauf von Betrieben oder Betriebsteilen abgeschafft hat, können sich sämtliche Untenrhmen untereinander besser und schneller neu aufstellen.
    Wie so oft muß die Globalisierung als Begründung dienen: "Wenn wir international wettbewerbsfähg sein wollen, dann ..."
    dann müssen wir größer werden,
    dann müssen die Steuern runter,
    dann müssen die Lohnnebenkosten runter,
    dann müssen die Löhner runter,
    dann ....

    In unserer Gesellschaft arbeitet ein Teil daran, immer mehr Arbeitspätze abzubauen (Synergie bedeutet in der Hauptsache weniger Personal) ohne sich Gedanken zu machen, wie eine Gesllschaft ohne arbeitende Menschen aussehen könnte. Jeder denkt an die eigene kleine Betriebswirtschaftliche Einheit , an die Aktionäre und an die Dividende. Die Gesamtheit ist egal.

    Ich könnte mir vorstellen, daß man irgendwann ein vollelektronisches Büro hat, und nur noch Computerfachleute gebraucht werden. Oder daß Autos mit der Hälfte von Arbeitskraft gebaut werden.
    Das ist ja eigentlich gut. Nur, der Forschritt kommt nur einigen zugute - der Rest soll sehen wo er bleibt.

    Eine Leserempfehlung
    • TDU
    • 25. Juli 2013 9:21 Uhr

    Deutschland wir langsam zum Kartelland,wie die USA es mal waren. Strom Benzin, Telekommunikation, Nahrungsmittel. Irgendwie immer 4. Dabei ist Quartett Spielen doch eigentlich langweilig. Kein Plädoyer für Klein Klein aber irgendwie erinnert mich das an den Entwurf "Stamokap". Denn sonderlichen Ehrgeiz, das zu verhindern sehe ich bei keiner Partei und keiner Regierung seit 30 Jahren.

    Eher Genugtuung wenn nur der Apparat ordentlich mitverdient. Noch kann der Mittelstand dagegen halten aber wie lange noch, wenn die Offensive gegen ihn, durch Untergangsszenarien ökologisch weltanschaulicher Art angeheizt, in die nächste Runde geht.

  3. Ich hoffe doch das das Kartellamt diese Fusion untersagt, denn Unternehmen mit zu viel Marktmacht, waren noch niemals gut für den Geldbeutel des Kunden.

    Eine Leserempfehlung

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