Wahrscheinlich gibt es in der Welt nicht viele Ausblicke, die einem so den Atem rauben wie jener von der Terrasse des Hauses Rua Armando de Almeida Lima 2 in der Favela Vidigal, Rio de Janeiro. Wenn man dort steht, am höchsten Punkt, gleitet der Blick über die Häuserschluchten der reichen Strandviertel, über Ipanema und Leblon, er streift landeinwärts die Lagune und wandert hinaus aufs offene Meer. Am späten Nachmittag, wenn die Sonne in die Bucht von Guanabara taucht, zeichnen sich im Dunst die Umrisse der Hügelketten ab, und man sieht den Zuckerhut. Die Welt liegt unter einem, als wäre sie ein Paradies.

Es ist ein Blick wie ein Gemälde. Es gibt Menschen, die ein Vermögen in ihn investieren, weil er sie magisch anzieht oder weil sie darauf spekulieren, dass es andere gibt, denen er noch viel mehr wert ist. Es ist ein Ausblick, so erhaben und so schön, dass er in den Menschen, die sich um ihn streiten, das Hässliche zutage fördert. Er raubt ihnen den Verstand.

"Das ist doch alles völlig krank", sagt der Österreicher Andreas Wielend an einem Nachmittag im letzten Dezember an einer Strandbaracke in Ipanema. Wielend ist der Besitzer jenes Grundstücks in der Armando de Almeida Lima, ein Surfertyp Mitte dreißig mit tätowierter Haut unter dem Muskelshirt. Vor drei Jahren hatte er die Immobilie von einem deutschen Millionär erworben. Er hat ein Hostel draus gemacht; die Partys, die er dort veranstaltete, galten als die angesagtesten der Stadt, aber jetzt ist er da in was hineingeraten, das ihm "den Arsch auf Grundeis" gehen lässt.

Im September war Wielend in Österreich. Er wollte paragliden und den kranken Vater sehen, als er beim Öffnen seines Facebook-Profils plötzlich die Welt nicht mehr verstand.

Ein Freund schrieb ihm, dass der deutsche Vorbesitzer, ein Berliner Geschäftsmann, der rund vierzig Immobilien im Vidigal besitzt, in der Abenddämmerung mit einer bewaffneten Privatmiliz sein Grundstück angegriffen habe. "Er hat deine Gäste rausgeschmissen", schrieb er, "er hat die Schlösser ausgetauscht. Er hält das Haus besetzt. Ich denke, da hast du ne Baustelle."

"Waaaaaas???", schrieb Wielend ihm zurück.

Es war ein Einmarsch, schrieb die brasilianische Tageszeitung Globo, "wie der von Hitler 1938 in Österreich"; der vorläufige Höhepunkt in einem neuen, sonderbaren Krieg, der seit einiger Zeit auf den Armenhügeln von Rio de Janeiro tobt, aber im Gegensatz zu früher bekämpfen sich dort keine Drogenbanden mehr, sondern Deutsche, Österreicher, reiche Brasilianer. Der Stoff, um den es geht, ist jetzt Beton.

Rio de Janeiro erlebt eine Zeitenwende. Die Stadt hat angefangen, ihre knapp tausend Favelas aus dem Griff der Drogenmafia zu befreien. Viele dieser Orte, vor allem in der Südzone der Stadt, rund um die Touristenstrände, gelten nun als sicher. Jetzt ziehen sie Immobilienspekulanten aus der ganzen Welt an, Abenteurer auf der Suche nach der Rendite ihres Lebens. "Der Vidigal", sagt Wielend, "ist heute ein riesiges Kasino."

So schnell es ging, flog er zurück nach Rio. Er schrieb Mails und sprach am Telefon mit Nachbarn, die ihm sagten, dass sich der Deutsche wieder häufiger im Hügel blicken lasse; er habe Leute bei sich, sagten sie, die Waffen trügen, und er mache Druck, dass sie ihm ihre Häuser überschreiben. Es klang unheimlich. Als Wielend in den Vidigal fuhr, um sich ein eigenes Bild zu machen, drängte ihn ein Mototaxifahrer an den Straßenrand. Der Mann beugte sich vor und raunte, der Deutsche habe ihm Geld geboten, falls er ihn umlege. Er machte eine Pause, und dann erklärte er, dass auch der Deutsche sterben könnte, wenn Wielend etwas drauflege.

Wielend hebt die Schultern.

"Keine Ahnung, ob das nur ein schlechter Witz war, aber nach dem Angriff auf mein Haus traue ich ihm alles zu."

Wielend taucht in diesem Winter unter. Er schläft bei Freunden auf dem Sofa, mal hier, mal dort, um ein bewegliches Ziel zu bleiben. "Ich lebe wie eine Ratte", sagt er. Er verzweifelt langsam. Er hat einen Anwalt, aber er weiß nicht, wie er ihn bezahlen soll, weil er seit Monaten nichts verdient hat. Er hat gehört, dass Leute Fernseher und Kühlschränke von seinem Grundstück schaffen, Teile seines Soundsystems. Alles ist noch oben, seine Kleidung, Fotos, all seine Ersparnisse stecken in dem Haus. "Dieses Haus", sagt Wielend, "ist mein verdammtes Baby."

Immer wieder blinzelt er hinüber zum Ende der Bucht, wandert mit den Augen über den Hügel, hält ganz oben inne. "Schon komisch", sagt er. "So nah und doch so fern."

"Ich kam mir vor wie Robinson Crusoe"

Als er das erste Mal in den Vidigal kam, war Wielend an einem Punkt in seinem Leben, an dem er offen war für etwas Neues. Jahrelang war er von einem Projekt ins nächste geschlittert, aber fast alles war irgendwann gegen die Wand gefahren. Nach seinem Studium der Elektrotechnik hatte er in München eine Firma aufgemacht, die für Siemens ein Gerät testete, das es möglich machen sollte, künftig mit dem Fernseher ins Internet zu gehen. Als sich abzeichnete, dass diese Technik keine Chance haben würde, verkaufte er die Firma, nahm das Geld und ging auf Weltreise. Auf Hawaii lernte er einen Amerikaner kennen, dem er nach Los Angeles folgte, um dort einen Horrorfilm zu produzieren, ein Trashprojekt, dem irgendwann das Geld ausging. Wielend zog weiter nach Rio. Monate verbrachte er auf seinem Surfbrett, in den Nächten zog er um die Häuser, und seinen Rausch schlief er nicht selten erst am Nachmittag in einem Liegestuhl am Strand aus. Europa, sagt er, sei ihm zu anstrengend geworden, zu bürokratisch, zu schwermütig mit seinen langen dunklen Wintern.

Es ist ein Menschenschlag, den man an vielen Stränden südlich des Äquators trifft. Überlebenskünstler, deren Prioritäten sich mit der Zeit verschoben haben. Die ihr Sparbuch auf den Kopf hauen, ein Erbe oder eine Rente, so wie Ronald Schill, der frühere Hamburger Justizsenator, der wie so viele Europäer jetzt in einer Favela lebt, weil er sich, wie Wielend sagt, die Miete in Copacabana nicht mehr leisten konnte.

Auch Wielend selbst zahlte am Ende mehr als 1.000 Euro für ein WG-Zimmer. Er war fast pleite, als ihn 2009 ein Freund zum ersten Mal in den Vidigal mitnahm. Es hatte sich herumgesprochen unter den Ausländern in Rio, dass es dort einen reichen Deutschen gab, der ein paar Häuser loswerden wollte. Wielend und sein Freund kamen zu Fuß. Sie folgten der Hauptstraße, die sich in den Hang hineinschlängelt, durch Gassen, vorbei an offenen Fenstern, hinter denen Leute vor der Glotze hingen, über Treppen, Stufen, Hundekacke, ehe sie am höchsten Punkt des Hügels einen kleinen Platz erreichten, in dessen Mitte ein alter Baum mit einem kleinen Kiosk stand. Daneben eine Mauer mit einem Tor. Wielend schlüpfte hindurch, und plötzlich fand er sich auf einer Terrasse wieder, die zu einem schiefen Haus aus rohen Backsteinen gehörte. Aus den Fugen kroch das Unkraut; im Staub lagen Spritzen und verrottete Kondome, aber Wielend dachte: Dieser Blick, der haut dich um.

Er sah einen Ort, der Möglichkeiten barg. Er wischt über sein Smartphone, in dem er ein Foto aufbewahrt vom Tag, als er mit dem Deutschen den Vertrag geschlossen hat. Wielend trägt darauf ein Hemd, der Verkäufer trägt eine goldene Kette auf der nackten Brust. Sie geben sich die Hand. Mach was draus, habe der Deutsche zu Wielend gesagt. Aber mach's besser als ich.

7.000 Euro zahlte Wielend ihm, das war alles, was er noch besaß. In seinem Handy hat er auch eine Vertragskopie sowie einen eingescannten Kontoauszug, der belegt, dass er die Summe überwiesen hat, auf ein Konto, das bei der Berliner Sparkasse auf Rolf Rüdiger Glaser eingetragen ist, den Namen des Verkäufers. Verwendungszweck: House Sale Rua Armando de Almeida Lima 2.

Wenig später, im Frühjahr 2010, schleppte Wielend die erste Matratze in den Vidigal. Er stellte einen Bottich auf das Dach, in dem er Wasser sammelte, und zapfte die Stromleitung in der Straße an. "Ich kam mir vor wie Robinson Crusoe", sagt er. Er erfuhr, dass seine Nachbarn den Baum vor seinem Haus manchmal benutzten, um Leute an ihm aufzuhängen, dass ihnen sein Grundstück ab und an als Exekutionsplatz diente. Manchmal, sagt Wielend, sei er aus dem Schlaf geschreckt, wenn sie mit ihren Waffen an seinem Tor vorbeigelaufen seien. Das sind ganz normale junge Leute, sagte er sich, um sich zu beruhigen, ungebildet, sicher, aber wenn sie über Tag nett sind, warum sollen sie dann nachts was tun?

Seine Nachbarn damals, in den ersten Monaten, waren die Drogenbosse, die den Vidigal seit Jahren kontrollierten, als wäre er ihr eigener Staat. Sie wachten über den Strom, das Gas, das Internet, über das Schicksal von 40.000 Menschen. Sie trieben Steuern ein und verteilten Almosen. Der Vidigal, das lernte Wielend schnell, war wie eine mittelalterliche Burg. Eine Festung, von Scharfschützen verteidigt, die nicht lange zögerten, wenn die Polizei anrückte.

Alles, was sie forderten, war Loyalität.

Wielend arrangierte sich. Die Türen, Möbel und Zementsäcke trug er selbst die Treppen hoch, damit sie nicht auf den Gedanken kamen, dass bei ihm etwas zu holen sei. Er ging in kleinen Schritten vor. "Low profile", sagt er. Kein Problem, sagten die Nachbarn, als er sie fragte, ob er ein paar Zimmer herrichten dürfe, um sie an Touristen zu vermieten. Kein Problem, sagten sie später, er könne an Silvester eine Party machen. Sie würden dafür sorgen, dass die Motorradtaxifahrer seine Gäste sicher auf den Hügel bringen.

Über dem Eingang montierte er ein Surfbrett. Darauf schrieb er mit einer Spraydose "Casa Alto Vidigal".

400 Leute, die Wielend über Facebook informiert hatte, kamen an Silvester, sie tanzten bis in den Morgen. Auch Glaser war dabei. Wielend sah ihn an der Bar, wo er mit seinen Nachbarn Whisky trank. Es war etwas Neues. Ein Fest an einem verbotenen Ort, zu dem Ausländer und Brasilianer aus der Mittelschicht normalerweise keinen Zugang hatten. "Was für ein Kick", sagt Wielend.

Er hatte jetzt wieder ein Projekt. Regelmäßig machte er nun solche Partys, und was er verdiente, steckte er in neue Stockbetten. Als Hausmeister stellte er einen jungen Deutschen an, André, einen Grafiker, der seinerseits Leon mitbrachte, der im Münchner P1 Eventmanager gelernt hatte und sich nun um die Bar des Hostels kümmern sollte. Die Sache wuchs, der Wert des Hauses stieg. Doch der eigentliche Schub kam erst, als die Polizei die Festung stürmte. 2014 werden einige Spiele der Fußballweltmeisterschaft in Rio stattfinden, zwei Jahre später die Olympischen Spiele. Bis dahin muss die Stadt eine Lösung für ihr Sicherheitsproblem finden.

Nach und nach haben nun neu gegründete Spezialeinheiten damit begonnen, die Drogenbanden aus den Favelas zu vertreiben. Vor allem auf den Hügeln rund um die Touristenstrände errichten sie nun feste Polizeistationen. Sie weihen Schulen ein und Sanitätsstationen. Sie werben bei den Bewohnern um Vertrauen für einen Staat, der sich über Jahre nicht um sie gekümmert hat. Als sie am Morgen des 13. November 2011 mit Hubschraubern und Panzern im Vidigal einrückten, schickten Wielends Nachbarn einen letzten Gruß: Bevor sie untertauchten, gossen sie tonnenweise Speiseöl auf den Asphalt, und hinter den Fenster lachten die Leute über Polizisten, die sich kaum auf den Beinen halten konnten.

"Die Spekulation ist unsere neue Realität"

Es ist ein großes, teures Experiment, das die Stadt begonnen hat, und es gibt viele, die ein Interesse daran haben, dass es gut ausgeht. In der Zeitung war zu lesen, dass Coca-Cola die Befriedungspolizei mit Spenden unterstützt. Der reichste Brasilianer, Eike Batista, Besitzer von Immobilien- und Baufirmen, stellte weitere Millionen bereit. Sie alle profitieren, wenn in den Favelas ein neuer Markt entsteht. Und auch die neue Mittelschicht hat Interesse an den Favelas. In Rio ist der Wohnraum so knapp, dass die Häuser fast ins Meer kippen, die Mieten haben sich verdoppelt, die Kaufpreise zum Teil vervierfacht. Eine Befriedung der Favelas wäre eine Entlastung: Wenn sie sich öffnen, kann die Stadt innerhalb ihrer eigenen Grenzen wachsen.

"Die Spekulation ist unsere neue Realität", sagt Marcelo da Silva, der Präsident der Nachbarschaftsorganisation im Vidigal. Allein in den ersten 72 Stunden nach einer Befriedung, haben Analysten errechnet, stiegen die Immobilienpreise um 50 Prozent.

In Wielends Nachbarschaft wohnen jetzt Leute wie Jorge Nasi, der in Paris ein Sterne-Restaurant betreibt. Ein anderer Nachbar, ein Mann namens Josué, hat kürzlich seine Hütte für 80.000 Euro an einen Anwalt aus São Paulo losgeschlagen. Der berühmte Architekt Hélio Pellegrino baut in der Armando de Almeida Lima eine Luxusherberge, mit Swimmingpool auf dem Dach. Vor Kurzem hat die erste Immobilienagentur im Vidigal eröffnet, es gibt jetzt Geldautomaten und ein Sushi-Restaurant, und man erzählt sich auf den Straßen, dass sogar Brangelina nach was suchen. Natürlich ist das nur ein Gerücht, aber es zeigt eine Stimmung, in der plötzlich alles möglich ist. "Die fetten Jahre brechen gerade an", sagt Wielend, der kurz vor seinem Trip nach Österreich ein Angebot für das Haus ausgeschlagen hatte. 250.000 Euro bot ihm der Mann. "Vielleicht", sagt er, "hätte ich besser zugesagt."

Rolf Glaser war damals der Erste, der auf den Vidigal gesetzt hat. Das Hotel von Pellegrino, die Häuser von Jorge Nasi und Josué, das alles gehörte einmal ihm. An einem Morgen kurz vor Weihnachten zwängt er sich auf die Rückbank eines vollgestopften Busses und macht sich auf den Weg zum Vidigal, wo er nun wieder wohnt. Glaser trägt Flip-Flops, ein aufgeknöpftes rosa Hemd und Bermudas. Er sagt, er sei 53, aber in der Prozessakte des Eilverfahrens, das Wielends Anwalt dieser Tage angestrengt hat, um das Haus zurückzubekommen, wird sein Alter mit 65 angegeben.

Glaser blickt hinaus aufs Meer.

"Dieser Wielend", sagt er, "ist ein kleiner krimineller Fisch. Der täuscht sich, wenn er glaubt, das Haus sei seins. Da wird bald richtig etwas hochgehen. Ich hole mir das alles wieder."

Glaser hält kurz inne. "Rolf is back", raunt er.

Wenig später schließt er auf halber Höhe des Vidigals die Pforte zu einem wilden Garten auf, der fast bis zum Meer hinunterreicht. Eine Villa mit Panoramafenstern, dahinter ein Teleskop. Es ist auf Wielends Haus gerichtet, aber Glaser sagt, er beobachte nur den Saturn. Vor der Garage stehen André und Leon, Wielends ehemalige Angestellte, und rauchen eine Zigarette. Nach der Invasion hat Glaser sie gefragt, ob sie ihm nicht helfen wollten, das Grundstück seiner eigenen Villa zu einer Eventlocation auszubauen, und da sie nicht wussten, wie es oben weitergehen würde, sagten sie zu. Wielend spricht seitdem nicht mehr mit ihnen. Für ihn sind sie "Verräter", die glauben, dass sie bei Glaser mehr verdienen können.

Für den 29. Dezember 2012 planen sie die erste große Party. Elektronische Musik, bekannte DJs. "Wir sind ja konkurrenzlos", sagt Leon, den Glaser als "Ökonom aus München" vorstellt. Glaser baut sich vor ihnen auf, er zieht aus einer Kladde ein paar Fotos und reicht sie herum.

"Hier", sagt er, "Bambusliegen. Kommen nächste Woche aus Kolumbien. Hier. Doppelliegen. Tische. Brücken. Alles aus bamboo."

Dann fischt er ein Bild heraus, das ihn mit zwei Bikinischönheiten zeigt.

"Meine Töchter", sagt er.

"Klar", sagt Leon mit breitem Grinsen. "War schön neulich am Beach mit deinen Töchtern."

In Wahrheit hat Glaser eine Tochter, die zurzeit bei den UN ein Praktikum absolviert. Ihre Mutter, eine Brasilianerin, die früher als Stewardess für die Lufthansa geflogen ist, lebt in Miami. Letztes Jahr hat sie sich scheiden lassen. Sie sind sich fremd geworden, nicht zuletzt wegen dieses Projekts im Vidigal, das Glaser irgendwann über den Kopf gewachsen ist.

Was er plante, klang 2006 wie ein irrer Traum. Er wollte aus dem Drogenhügel ein Montmartre machen, ein Künstlerviertel, für Touristen und die städtische Boheme. Glaser tritt in die Garage, wo er noch immer eine Art Modelleisenbahnplatte aufbewahrt. Darauf zeigt er, wo einmal die Hotels und Restaurants entstehen sollten, das Museum, das die Geschichte der Favela aufarbeitet. Er wollte Schulen bauen, er dachte an Radiosender, Mikrokredite, Sprachkurse.

"Ich wollte, dass die Kinder sehen, dass es andere Karrieren gibt als Drogendealer", sagt Glaser. "Brasilien ging ja damals durch die Decke, und im Hügel schlummerte ein Potenzial. Ich hab das hochgerechnet: Wenn ich den Leuten etwas an die Hand gebe, dann mache ich in kurzer Zeit Profit."

Er zerrt eine Plane über das Modell.

"Is erst mal fürn Arsch", sagt er.

Das Wort "Gentrifizierung" kannte man noch nicht

Rolf Glaser im Vidigal in Rio de Janiero (Archivfoto von 2009) © Sergio Moraes/Reuters

Es war eine Idee, die sich in Glasers Vita fügte. Schon immer hatte er ein Gespür für Orte, die im Aufbruch waren. Seine Eltern hatten in West-Berlin ein Textilgeschäft. Nach der Banklehre lieh Glaser sich von ihnen Geld und eröffnete ein Schmuckgeschäft. Später kamen Pfandhäuser hinzu und eins der größten Geldwechselbüros Europas, Ku’damm, Ecke Joachimsthaler Straße.

Er flog mit der Concorde nach Rio, erzählt er. Er besorgte einem angolanischen Vier-Sterne-General 20 Mercedes, einer ghanaischen Präsidentengattin einen Rolls-Royce. Er hatte einen Geldwäscheprozess am Hals, und in Johannesburg traf er Nelson Mandela. Es war, als gäbe es für Glaser keine Grenzen, aber eigentlich suchte er, wie Wielend, nur nach einem Ort, an dem er auf seine Weise existieren konnte. Er hatte Sehnsucht nach dem Meer.

Anfang der Neunziger zog er mit der Familie nach Miami. Er hatte ausgesorgt und wollte runterkommen, doch dann geriet er, wie er sagt, mitten in die Wendejahre von South Beach, einem Viertel "voll mit Juden und Kubanern, Obdachlosen, die auf den Tod gewartet haben, aber irgendwie", sagt er, "hatte das Leben". Man musste nur was daraus machen. Er kaufte billige Grundstücke, die er zu Luxusimmobilien entwickelte. Es war eine Welle aus günstigen Krediten, und Glaser surfte sie so lange, bis er ahnte, dass sie kollabieren würde. Zwei Jahre vor der großen Bankenkrise sprang er ab. Er wusste, dass es ein neues South Beach brauchte, neue Wendejahre, eine neue Grauzone, die die Renditen in die Höhe treibt, und er glaubte, sie im Vidigal gefunden zu haben.

Immer wieder fuhr er mit dem Motorrad in den Hügel. Er ließ sich zu den Drogenbossen bringen und erklärte ihnen, dass er Häuser kaufen wollte, um sie zu Hotels und Schulen zu entwickeln. Sie schienen nichts dagegen zu haben. Um zu zeigen, dass es ihm ernst war, schenkte Glaser der Community einen Krankenwagen, den er für 60.000 Dollar in Miami gekauft hatte, und tausend neue Mülleimer.

Glaser war nicht allein. Er hatte eine rechte Hand, einen pummeligen jungen Mann, der in dieser Geschichte Roberto genannt werden soll. Von ihm erzählt man sich im Vidigal, dass er mal Auftragskiller gewesen sei. Als Glaser nach einem Motorradunfall einige Tage im Krankenhaus war, wich er nicht von seiner Seite. Glaser vertraute ihm. Er brauchte jemanden, der die Sprache der Leute sprach.

Das erste Haus, das sie an Land zogen, war das in der Armando de Almeida Lima. Dona Julia, die Dame, die es in den Achtzigern gebaut hatte, erzählte ihnen, dass sie froh sei, endlich wegziehen zu können, zu viele Schießereien. 6.000 Euro zahlte Glaser ihr, das Fünffache des damaligen Marktwertes, und wie im Rausch erwarb er noch rund vierzig andere Häuser, alle mit diesem Blick. Es waren problemlose Geschäfte. Das Wort "Gentrifizierung" kannte man damals im Vidigal noch nicht.

"Empresario" nannten sie Glaser nun ehrfürchtig. Ein Architekt rief ihn an und fragte, ob er nicht eines der Hotels entwerfen könne. Glaser finde Lösungen für ein Problem, über das sich die Politiker den Kopf zerbrächen, schrieb die spanische Zeitung El País, und die Bild titelte: Berliner Pfandhauskönig rettet Armenviertel. Im Magazin der Tageszeitung Globo lancierte er eine Titelstory, in der er großspurig versprach, 20 Millionen Euro im Vidigal zu investieren.

"Das war der Fehler, der alles zum Einsturz brachte", sagt Glaser an einem Morgen am Pool des alten Grandhotels Copacabana Palace. In der Zeit seines gesellschaftlichen Aufstiegs wurde er hier Mitglied im Piscina-Club, einem Spa. Meist kommt Glaser samstags früh, "zum Entgiften", wie er sagt. Als er an diesem Morgen eintrifft, hat gerade der Sohn von Donald Trump in der Lobby eingecheckt, der im Zentrum fünf Bürotürme bauen will. "Wenn der wüsste, worauf er sich hier einlässt", sagt Glaser.

Man hatte ihm gesagt, in einer Favela könne er machen, was er wolle. Aber er hatte sich getäuscht. Seine Arbeiter hatten schon die ersten Hütten eingerissen, als plötzlich ein Heer von städtischen Beamten im Vidigal aufkreuzte. Sie fragten nach Genehmigungen. Sie wollten, dass er Auflagen erfüllte, die so streng waren wie in Ipanema, und verhängten einen Baustopp. Sie warteten darauf, dass er sie schmierte, aber Glaser dachte nicht daran.

Wochen vergingen, Monate. Freunde sagen, sie hätten ihn in dieser Zeit häufig zu Hause auf dem Sofa angetroffen. Reglos starrte er ins Nichts. Durchs Teleskop. Im Vidigal erzählten sich die Leute nun, er sei ein Sprücheklopfer.

"Ich wollte Brücken bauen", sagt er, "aber ich bin kein Masochist."

Wielend war der Erste, an den er 2009 verkaufte.

"Vielleicht machen wir ja mal was zusammen", schrieb er Wielend.

Pfandhauskönig kapituliert, schrieb die Bild.

Drei oder vier Häuser verkaufte Glaser selbst, dann flog er nach Berlin, gescheitert, mit einem Gefühl von Leere. Roberto, seine rechte Hand, hatte er beauftragt, auch die anderen Häuser zu verkaufen. Glaser saß im Grunewald, und immer wieder kamen Mails von seinem Anwalt, bei dem Roberto das Geld ablieferte. Aber es waren kleine Summen, die er brachte, mal 2.000 Euro, mal 4.000, für Häuser, die er, wie Glaser später hören sollte, für das Zehnfache losgeschlagen hatte. Es war, als spielten sie Monopoly mit seinem Eigentum, Roberto, die Drogenbosse, die Nachbarschaftsorganisation, die bei jedem Deal mit fünf Prozent beteiligt ist. Sie dachten, Glaser komme nicht mehr wieder. "Sorry, Rolf", sagte ihm am Telefon sein Anwalt, der jetzt gemeinsam mit Roberto auf Partys auftauchte, "du hast verloren."

37 Häuser. Eine Million Euro. Die Kontrolle über das eigene Leben. Während Roberto im Vidigal die erste Immobilienagentur eröffnete, brach Glaser in Berlin zusammen. Sechs Wochen lang lag er im Krankenhaus. Er fühlte sich allein, er fragte sich, wem er noch vertrauen könne. Manchmal ging er raus, in eines dieser Grunewald-Cafés, die voll Golf spielender Rentner waren, voller Frauen mit pragmatischen Kurzhaarfrisuren. Glaser sah seine eigene Zukunft vor sich.

"Das ist doch kein Leben", sagt er.

Die Ärzte rieten ihm, Brasilien zu vergessen.

Aber Glaser hatte Sehnsucht. Er vermisste den Kitzel, den er in Rio jeden Morgen gespürt hatte. Es waren die Wochen, in denen die Polizei den Vidigal befriedete, und Glaser wähnte darin eine Chance, sich die Grundstücke zurückzuholen. Die Polizisten, das war sein Kalkül, würden jetzt den Rechtsstaat auf den Hügel bringen.

"Rolf räumt jetzt auf."

"Natürlich", sagt er, "ging es auch um meine Ehre."

Dann steht plötzlich eine junge Frau am Pool und blickt sich um. Sie fällt auf, mit ihrem knallorangen engen Minikleid, den Absätzen und der Pilotensonnenbrille. Glaser winkt sie zu sich an den Tisch.

"Was für ein Geschoss", murmelt er.

Er hat Denise am Strand kennengelernt. Seit Kurzem ist sie seine Freundin, ein Favela-Mädchen, das die Schule abgebrochen hat. Er will mit ihr ein Heim für Favela-Kinder gründen. Am 29. steigt die Party in der Villa. "Was sag ich, Denise: Rolf is back. Rolf räumt jetzt auf."

Sie lächelt.

Gleich nach seiner Rückkehr im Frühjahr 2012 hat Glaser sich einen neuen Anwalt genommen. Er hat Personenschützer angeheuert und im Vidigal die Leute aufgesucht, die bei Roberto gekauft haben. Er ließ sich ihre Kaufverträge zeigen, machte Fotos von den falschen Unterschriften und reichte schließlich Klage ein.

Auch bei Wielend sah er eine offene Flanke.

Wielends Grundstück besteht nicht nur aus dem Haupthaus, für das er Glaser 7.000 Euro überwiesen hat. Später erwarb er noch ein Küchenhaus sowie eine Garage. Weitere 5.000 Euro wollte Glaser dafür haben, aber weil Wielend damals knapp bei Kasse war, trafen sie ein Abkommen: Wielend überließ Glaser seine Münzsammlung, den Rest, rund 2.000 Euro, sollte er binnen eines Jahres abstottern. Es war ein Handschlag-Deal am Strand.

Wielend beglich die Summe nie. Er sagt, er habe ein paar Rechnungen bezahlt, die ihm ins Haus geflattert kamen und noch aus Glasers Zeit datierten. Er sagt, er habe angenommen, sie seien damit quitt, und vielleicht dachte er auch, wie alle anderen im Vidigal, dass Glaser nicht mehr wiederkommen würde.

Im Mai 2012 reicht Glaser Klage gegen Wielend ein.

"Das kann Jahre dauern", sagt ihm ein Bekannter, der Pastor bei der Marine ist. "Aber ich habe eine Nichte, die kann vielleicht was für dich tun."

Teresa wird Glaser als Anwältin vorgestellt, die Verbindungen in höchste Kreise pflege; sie könne den Prozess beschleunigen. Es ist wie mit Roberto: Teresa und der Pastor weichen nicht von seiner Seite. Sie laden ihn zum Essen ein, sie gehen mit ihm ins Theater, und irgendwann eröffnet ihm Teresa, dass sie Geld brauche, um seine Sache zu forcieren, 70.000 Euro.

Glaser zahlt, aber erneut vergehen Wochen, ohne dass etwas geschieht. Dann macht er Druck. Ohne dass er Belege dafür hätte, sagt er, Wielend sei ein international gesuchter Drogendealer, das bringt Bewegung in die Sache. Ende August macht sich zum ersten Mal ein Trupp von Polizisten auf zum Hostel. Sie stellen alles auf den Kopf, aber sie finden nur eine Gaspistole unter Wielends Matratze.

"Auftrag ausgeführt, das Haus ist wieder deins", lässt Teresa Glaser am nächsten Morgen wissen.

Glaser sagt, er sei damals davon ausgegangen, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Er habe angenommen, dass es eine richterliche Anweisung gegeben habe, die seine Anwältin erwirkt habe. Eine Woche später fährt er deshalb selber hoch, begleitet von demselben Trupp. Er tauscht die Schlösser aus und sagt den Gästen, dass sie gehen müssten.

"Zwei Jahre lässt er sich nicht blicken, aber jetzt, wo der Vidigal durch die Decke geht, da tut er plötzlich, als würde er das Spiel durchschauen. Am liebsten würde ich ihm auf die Mütze geben, aber macht man das mit einem alten Mann? Er hat mir mal erzählt, er träume davon, dass sie eines Tages so 'ne Saddam-Statue von ihm im Vidigal aufstellen. Jetzt hält er's nicht aus, dass ein anderer den Ruhm abgreift."

Wielend redet sich in Rage, an einem Nachmittag am Strand.

"Da drüben", sagt er, "hab ich ihn gefragt: Wie isses, Rolf, sollen wir mal reden? Aber er meinte nur: Wir machen das jetzt anders."

Wielend weiß langsam nicht mehr weiter. Sie haben ihm gesagt, das Gericht werde noch vor der Weihnachtspause über seinen Eilantrag entscheiden, aber das ist in drei Tagen, und die Situation ist komplizierter, als er dachte. Es gibt kaum Präzedenzfälle.

Immobiliengeschäfte in Favelas sind riskant. Es geht um Land, das sich die Bewohner einfach angeeignet haben, auch wenn es in der Regel offiziell der Stadt gehört. Es ist eine rechtliche Grauzone, in der es Kaufverträge zwischen den Parteien gibt, aber keine Einträge im Grundbuch.

Wielend ist deshalb nicht sicher, wie die Sache ausgeht. Reicht den Richtern sein Kontoauszug als Beleg? Oder sagen sie, dass Glaser der Besitzer ist, weil er seit Monaten durch die Besatzung neue Fakten schafft? Oder nutzen sie womöglich die Gelegenheit, das Grundstück zu kassieren? Man hört das immer wieder – dass sich die Behörden Land zurückholen, um es dann selber zu verkaufen.

Wielends Sorge war unbegründet. Am Tag vor Weihnachten verfügt die Richterin, dass er sein Haus vorerst zurückbekommt.

Glaser muss untertauchen

"Bitter mann", tippt Glaser weit nach Mitternacht in sein Handy.

Am nächsten Morgen streift Wielend ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift "Alto Vidigal" über. Er war so aufgekratzt, dass er kaum Schlaf gefunden hat. Er hat seine Website auf den neuesten Stand gebracht und für den 29. ein Comeback-Fest ausgerufen, für den Fall, dass sein Soundsystem noch funktioniert.

"I go home. Wie E.T.", sagt er, als er in Copacabana in den Wagen seines Anwalts steigt. Wenig später warten sie am Eingang zum Vidigal auf den Schlüsseldienst.

Sie öffnen die Tür. Wielend streift herum. Er hebt versiffte Fotos auf, überall ist Moder. "Das ist nicht mehr dasselbe Haus", murmelt er.

Dann brechen sie die Garage auf, wo Wielend zwischen Bauschutt die Einzelteile seines Soundsystems entdeckt. Er hält Kabel in die Luft, wischt über den Staub auf seinem Mischpult. "Wenn ich das sehe", sagt er, "dann hab ich keinen Bock, wieder von vorne anzufangen."

Doch es regt sich Trotz in ihm. Nachdem es ihm über die Feiertage gelungen ist, das Soundsystem zu reparieren, tanzen am 29. Dezember 600 Leute auf seiner Terrasse. Eine Woche drauf heiratet er seine brasilianische Freundin, um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu kriegen. Den Zeitungen erzählt er, dass er verkaufen würde, aber nicht unter einer Million. Er sagt: "Ich sitze hier auf dem Filet von Rio." Er wirkt, als habe auch ihn die Gier gepackt.

Glaser hingegen muss untertauchen. An Neujahr schreibt er in einer Mail, dass es Versuche gegeben habe, ihn zu entführen. Die Party hat er abgesagt. Es scheint, als habe er wieder Leuten vertraut, die nur auf sein Geld aus waren.

Denise, seine Freundin, nutzt seine Abwesenheit, um sein Apartment auszuräumen. Sie nimmt Laptops mit, Telefone, eine Uhrensammlung. Wenn er sie anruft, nimmt sie nicht mehr ab.

Im Februar ist Glaser plötzlich wieder da.

Er sitzt in Niterói, auf der anderen Seite der Bucht, in einem kleinen, stickigen Anwaltszimmer. Die Klimaanlage surrt, draußen vor den Fenstern wird es dunkel. Vor ihm auf dem Tisch türmt sich ein Chaos aus Kaufverträgen, Fotos, Prozessakten. Glaser hat ein neues Anwaltsteam damit beauftragt, sich einen Überblick über seine Geschichte zu verschaffen.

Er weiß jetzt, dass Teresa keine Anwältin war. Sie hatte auch keine Kontakte zur Justiz. Was sie besaß, waren eine Inkassofirma und ein kurzer Draht zu ein paar Polizisten, die sie schmieren konnte. Es muss wie leichte Beute für sie ausgesehen haben: ein Österreicher, der angeblich mit Drogen dealt und illegal in Rio ist. Als sie erfuhren, dass Wielend nicht in Rio war, konnten sie mit der Besetzung Fakten schaffen, gegen die sich Wielend ohne Aufenthaltsgenehmigung nicht wehren konnte.

Dann aber kochte die Sache hoch. Zeitungen und Blogs berichteten. Plötzlich hieß es, korrupte Polizisten seien bei Wielend eingebrochen. Glaser drohte damit, alles auffliegen zu lassen. Er wurde zu einem Problem für Teresa und die Polizisten, und als sie versuchten, ihn an Weihnachten in Ipanema in einen Wagen zu zerren, entkam er nur, indem er sich losriss und in ein nahe gelegenes Hotel stürzte. Er war ja ein Belastungszeuge. Und zwar gegen eine Polizei, die nun, nachdem die Drogenbosse weg sind, die Kontrolle in den Favelas übernimmt. André, der Grafiker, sagt, er habe keinen Polizisten im Vidigal jemals etwas bezahlen sehen, weder in den Restaurants noch an den Kiosken. Es hält sich das Gerücht, dass die Polizisten nicht nur in Robertos neuem Nachtclub die Hälfte aller Einnahmen kassieren. Sie sind jetzt ein zusätzlicher Spieler, der auf eigene Rechnung zockt, jenseits des Gesetzes, ohne die Beschlüsse eines Richters.

Ein Jahr nach der Befriedung liegt die Macht im Vidigal noch immer in den Händen derer, die die Waffen tragen. Nur tragen diese Leute heute eine Uniform.

Am Abend, nach seinem Treffen mit den Anwälten, macht sich Glaser auf den Weg zurück nach Rio. Am Steuer sitzt ein älterer Herr, der ihm seit Kurzem dabei hilft, seine Angelegenheiten zu sortieren. Beim Italiener zahlt er die Rechnung.

"So fing das immer an", sagt Glaser.

Gestern hat er die Villa mit den Panoramafenstern ins Internet gestellt. Er überlegt, aus Rio wegzuziehen.

"Ist es das alles wert?", fragt er. "All die Prozesse, die Angst? Was bringen mir die Häuser? Was bringt mir eine Rolex, ein Auto oder Flugzeug? Was soll dann als Nächstes kommen? Sein und Haben. Erich Fromm."

Er schweigt.

Leise rollt der Wagen über die große Golden-Gate-artige Brücke, die nach Rio führt. Glaser schaut nach draußen, auf die Lichter, auf die Stadt, die daliegt, als wäre sie ein friedliches Paradies.

"Am schlimmsten", sagt er, "ist die Sache mit Denise."