CHANCEN-SPEZIAL MEDIZIN"Es ist Handwerkskunst"

Der Physiotherapeut Christian Ziegler bringt Leistungssportler wieder in ihre Bestform von Madlen Ottenschläger

Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften in Ulm, ein heißer Sommertag. Auf dem Rasen hinter der Tribüne des Donaustadions reiht sich ein Zelt an das andere. Es riecht nach Eukalyptus und Latschenkiefer. Hier logieren die Ärzte und Physiotherapeuten. Christian Ziegler, 52 Jahre alt, durchtrainierte, drahtige Figur, markant gezwirbelter Schnurrbart, steht unter einer grün-weißen Zeltplane. Auf der Massagebank vor ihm liegt eine Hürdenläuferin, das Gesicht auf die Liege gedrückt. Zieglers Finger versinken im Muskelfleisch. Plötzlich rüttelt er an den Beinen der Sportlerin. Verharrt, vergleicht. Ein Bein ist länger als das andere, minimal nur. Ziegler umarmt das kürzere Bein. Dann bewegt er seinen Körper ruckartig, schiebt und zieht. Brachial sieht das aus. "Handwerkskunst", sagt Ziegler.

Christian Ziegler ist leitender Physiotherapeut des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV). Krankengymnast heißt sein Beruf im Volksmund, doch das hört er nicht so gern, klingt es doch zu sehr nach Krankenhaus. Beim DLV geht es um mehr. Christian Ziegler soll die Athleten leistungsfähiger machen: Schwimmer, Weitspringer, Diskuswerfer. Seine Aufgabe ist es, Schwachstellen während des Turniers und vor dem Wettkampf zu erkennen, Fehlhaltungen etwa oder verhärtete Muskeln. Den Körper optimal zu stärken. Zwanzig bis dreißig Tage im Jahr arbeitet Ziegler für den DLV, auf Honorarbasis, bei den großen Veranstaltungen. Deutsche Meisterschaften, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, Olympische Spiele.

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Er hat innere Landkarten von den Körpern der Athleten

Die restliche Zeit ist er sein eigener Chef, als selbstständiger Physiotherapeut, Heilpraktiker und Osteopath. In seiner Praxis, dem Sportomed Reha in Mannheim, warten Patienten mit Allerweltsverletzungen auf ihn: kaputtes Kreuzband, Muskelriss. Und Leistungssportler. Bei den Wettkämpfen geht es darum, Athleten schnell und auf den Punkt zu helfen. In der Vorbereitung wird der Körper individuell behandelt und aufgebaut.

"Alles gut", sagt Ziegler. Die Hürdenläuferin steigt von der Liege. Trippelt mit den Füßen. Die Muskeln sind wieder gelockert, die Beinlängen stimmen wieder. In einer halben Stunde ist ihr Finale.

Alles gut: Auf diese zwei Wörter warten die Athleten, die zu Ziegler unter die grün-weiße Plane kommen. Alles gut heißt: Deine Muskeln passen. Nicht zu hart, nicht zu weich. Und das ist noch nicht alles. Leistungssport ist auch Kopfsache. Indem Ziegler die Athleten vor dem Wettkampf checkt und kleine Fehler korrigiert, gibt er ihnen Sicherheit. "Alles gut" heißt übersetzt: Du kannst alles geben. Nach dem, was ich hier sehe und mit meinen Fingern spüre, drohen dir keine Verletzungen. Es ist alles, wie es sein soll. Diese Worte können den entscheidenden Sekundenbruchteil schneller machen.

Manchmal geht es auch anders aus. Kirsten Bolm, einmal eine der besten deutschen Hürdenläuferinnen, behandelte Ziegler seit mehreren Jahren in seiner Praxis in Mannheim und bei Wettkämpfen. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen schied sie aus. Muskelfaserriss, nichts ging mehr im Halbfinale. "Natürlich dachte ich: Habe ich etwas übersehen? Hätte ich das verhindern können?", sagt Ziegler. Selbstreflexion und Selbstkritik brauche man für den Job. Nur dann, sagt Ziegler, werde man gut. Seit 1997 gehört er zum medizinischen Stab des DLV, seit Ende 2010 ist er leitender Physiotherapeut.

Leserkommentare
  1. ... und für einen "Normalsterblichen" nicht.

    Ich finde es gut, dass Physiotherapeuten im Leistungssport mittlerweile auch selbst Impulse bringen dürfen. Warum funktioniert so etwas bei normalen Behandlungen nicht? Ein Physiotherapeut darf für gewöhnlich nicht behandeln solange keine Diagnose eines Arztes vorliegt. Oft kommt es mir aber so vor, dass Physiotherapeuten das bessere Fingerspitzengefühl haben, wenn es um Fehlbewegungen oder Muskeldysbalancen geht, die dann zu Schmerzen führen. Trotzdem werden diese oftmals in die Diagnosefindung nicht eingebunden und der Arzt verlässt sich letzten Endes nur auf seine Bilder, die seine teuren Geräte ausspucken.
    Vielleicht führt ja die Erkenntnis aus dem Leistungssport irgendwann einmal zu einem umdenken in diesem Bereich. Mich würde es freuen

    Eine Leserempfehlung
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    Das Umdenken hat begonnen. Es gibt ein Modellprojekt einiger Krankenkassen, die - streng evaluiert - ermöglichen, dass Patienten direkt zum Physiotherapeuten gehen und der die Maßnahmen und ihren Umfang festlegt. Mit Erfolg!

    http://www.aerztezeitung....

    • Chrina
    • 27. August 2013 11:17 Uhr
    2. Bikini

    Wieso ist denn ein Artikel über Sportmedizin mit einer ziemlich nackten Bikinischönheit bebildert, bei der man erst auf den zweiten Blick erkennt, dass der sie anfassende Mann ein Mediziner und kein Vergewaltiger sein soll? Welcher Sport wird denn im Bikini ausgeübt? Finde ich ein bisschen geschmacklos. Oder sind wir hier beim "Spiegel", bei dem einfach jedes Thema mit nackter Frauenhaut bebildert wird?

    2 Leserempfehlungen
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    Jahren? Die Konnotation eines solchen Bildes ist eindeutig - niveaulos!

    Redaktion

    Hallo Chrina,

    da sind Sie bei mir als Genderexpertin mit Ihrer Frage goldrichtig. Leider vermuten Sie falsch, dass das Bild die Frau als Objekt reduzieren soll. Vielmehr zeigt es die deutsche Schwimmerin Daniela Samulski, die während einer Trainingseinheit mit Physiotherapeut Sven Kampmann eine Dehnübung macht. Es handelt sich um eine Archivaufnahme von den Schwimm-Weltmeisterschaften 2009. Schwimmen wird by the way durchaus im Bikini gemacht. Und das Bild kommt leider als einziger Treffer in der DPA-Bilderdatenbank, wenn man ein Foto von einem Physiotherapeuten im Leistungssport sucht. Ein anderes Bild hätte eine komplett männliche Fußballmannschaft im Gruppenbild gezeigt. Das hätte keinen Bezug zum Artikelthema gehabt und entsprechend andere Kommentare zur Folge gehabt ("Was soll das denn für ein Foto sein?")... Ich hoffe, das gibt Ihnen eine Erklärung. Nicht immer ist die Welt so, wie man sie interpretiert. :)

    Beste Grüße
    von Tina Groll

  2. Jahren? Die Konnotation eines solchen Bildes ist eindeutig - niveaulos!

    Antwort auf "Bikini"
  3. Redaktion

    Hallo Chrina,

    da sind Sie bei mir als Genderexpertin mit Ihrer Frage goldrichtig. Leider vermuten Sie falsch, dass das Bild die Frau als Objekt reduzieren soll. Vielmehr zeigt es die deutsche Schwimmerin Daniela Samulski, die während einer Trainingseinheit mit Physiotherapeut Sven Kampmann eine Dehnübung macht. Es handelt sich um eine Archivaufnahme von den Schwimm-Weltmeisterschaften 2009. Schwimmen wird by the way durchaus im Bikini gemacht. Und das Bild kommt leider als einziger Treffer in der DPA-Bilderdatenbank, wenn man ein Foto von einem Physiotherapeuten im Leistungssport sucht. Ein anderes Bild hätte eine komplett männliche Fußballmannschaft im Gruppenbild gezeigt. Das hätte keinen Bezug zum Artikelthema gehabt und entsprechend andere Kommentare zur Folge gehabt ("Was soll das denn für ein Foto sein?")... Ich hoffe, das gibt Ihnen eine Erklärung. Nicht immer ist die Welt so, wie man sie interpretiert. :)

    Beste Grüße
    von Tina Groll

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Bikini"
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    • Quas
    • 27. August 2013 16:29 Uhr

    dass Sie als "Genderexpertin" (ziemlich dreist by the way) öfter solch eine objektive Sichtweise zur Darstellung von Frauen oder zu Themen die Frauen betreffen haben würden.
    Wenn Sie ein "offensichtlich" reduzierendes Bild benutzen geht das doch auch.

    In diesem Sinne:
    "Nicht immer ist die Welt so, wie man sie interpretiert. :)"

    Sehr geehrte Frau Groll,

    man hätte doch einfach ein Bild von einem Therapeuten/in bringen können. Der Rest erschließt sich aus dem Text.

    Tut mir leid, dass Bild ist total daneben.

    • Quas
    • 27. August 2013 16:29 Uhr

    dass Sie als "Genderexpertin" (ziemlich dreist by the way) öfter solch eine objektive Sichtweise zur Darstellung von Frauen oder zu Themen die Frauen betreffen haben würden.
    Wenn Sie ein "offensichtlich" reduzierendes Bild benutzen geht das doch auch.

    In diesem Sinne:
    "Nicht immer ist die Welt so, wie man sie interpretiert. :)"

    Eine Leserempfehlung
  4. FALSCH! by the way.
    "Perception is Reality" und "Sex sells" und das macht sich der Spiegel hier voll zu nutze. Denn eine Zeitschrift will in erster Linie verkaufen und erst an zweiter Stelle will sie informieren.

  5. Sehr geehrte Frau Groll,

    man hätte doch einfach ein Bild von einem Therapeuten/in bringen können. Der Rest erschließt sich aus dem Text.

    Tut mir leid, dass Bild ist total daneben.

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    • tobmat
    • 28. August 2013 10:04 Uhr

    Haben sie schonmal Schwimmwettkämpfe oder gar Beachvolleyball angeschaut?
    Diese Bilder sind da alltäglich.

    Redaktion

    Liebe xtina,

    wie ich ja schon schrieb, gab es keine anderen Bilder. Entweder dieses, das wenigstens einen Physiotherapeuten im Leistungssport zeigt. Oder eine ganze Fußballmannschaft (ohne Bezug). Text ohne Bild geht bei uns leider nicht. Manchmal gibt es schlicht ganz einfache Produktions-bedingte Zwänge. Ich weiß auch nicht, was an dem Bild sexistisch sein soll. Denn in diesem Kontext ist es weder aufgenommen, noch gemeint. Bei aller Sensibilität für das Thema: Daneben ist es, das Bild in einen sexistischen Zusammenhang zu rücken. Das ist konstruiert. Und solche Behauptungen sind es leider, die am Ende des Tages in der Debatte dazu führen, dass feministische Stimmen nicht ernst genommen werden. Schade.

  6. Das Umdenken hat begonnen. Es gibt ein Modellprojekt einiger Krankenkassen, die - streng evaluiert - ermöglichen, dass Patienten direkt zum Physiotherapeuten gehen und der die Maßnahmen und ihren Umfang festlegt. Mit Erfolg!

    http://www.aerztezeitung....

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