Es gibt kein Meer ohne Wasser, keine Wüste ohne Sand, und es gibt kein Mobbing ohne das Versagen eines Chefs. Zwar stimmt es, dass sich Kollegen auch untereinander mobben, doch wie kommt es dazu? Die meisten Mobbings werden von Führungskräften angestiftet

Anders als Franz von Assisi es fordert, behandeln diese Chefs ihre Untergebenen nicht annähernd so respektvoll wie ihre eigenen Vorgesetzten.

Wer einen Mitarbeiter öffentlich drangsaliert, erklärt ihn zum Freiwild. Die Kollegen nehmen wie Jagdhunde die Witterung auf. Kann sein, dass der letzte freie Stuhl in der Kantine für besetzt erklärt wird, wenn er sich setzen will. Kann sein, dass ihn wichtige Informationen nicht mehr erreichen. Deshalb passieren ihm Fehler. Und weil ihm Fehler passieren, machen ihn die Kollegen noch mehr nieder. Jeder fällt ihm ins Wort. Und hinter seinem Rücken wuchern die bösen Gerüchte. Zum Beispiel, der Kollege wolle die Firma bei der Staatsanwaltschaft anzeigen.

Aber wehe, der Gemobbte wehrt sich! Dann tun die Mobber empört, als wären sie die Angegriffenen. Der Gemobbte bekommt den Stempel des Querulanten, des Versagers, des Kollegenschweins aufgedrückt. Bis er völlig ausgegrenzt ist, bis er zusammenbricht.

Was der Vorgesetzte damit zu tun hat? Bei sieben von zehn Mobbings mischt er mit, das hat der Frankfurter Psychologieprofessor Dieter Zapf herausgefunden. Wer ein Mobbing anstiftet, aber mit dem Fortgang nichts zu tun haben möchte, ist ein Heuchler.

Dasselbe gilt für Führungskräfte, die sich als harmlose Zuschauer darstellen: "Das sollen die Mitarbeiter unter sich ausmachen!" Genauso gut könnte ein Schiedsrichter beim Fußball tatenlos zuschauen, wie eine Mannschaft die andere tätlich angreift. Die Fouls würden immer härter, weil die foulende Mannschaft das mangelnde Eingreifen des Schiedsrichters richtig deuten würde: als heimliche Zustimmung.

Der Vorgesetzte ist dafür da, dass er die Regeln des Umgangs vorlebt und einfordert. Jedes Mobbing ließe sich im Keim ersticken, wenn der Chef rechtzeitig Partei ergriffe – für die Gemobbten! Und wenn er von dem Mobbing nichts mitbekommt? Dann gleicht er einem Schiedsrichter, der am laufenden Band Tätlichkeiten übersieht. Dafür zu sorgen, dass sein Team harmoniert, ist der Beruf einer Führungskraft. Wer das nicht schafft, hat seinen Beruf verfehlt.