Inflation ist nicht unser Problem? Nun ja. Um 1,9 Prozent sind die Verbraucherpreise in zwölf Monaten gestiegen, so schätzt es das Statistische Bundesamt. Das ist erheblich.

Man kann noch nicht von einer Inflation auf breiter Front reden. Lebensmittel sind um fast sechs Prozent teurer geworden, aber das kann auch am Wetter liegen. Die Preise für Energie und Sprit haben um fast drei Prozent zugelegt – daran können auch die deutsche Energiewende und die so veränderliche Lage auf den Weltmärkten schuld sein.

So schön sich die Zahl dekonstruieren lässt, leben die Deutschen nun mit einer Inflationsrate von nahezu zwei Prozent. Das ist die Schwelle, ab der die Europäische Zentralbank die Preisstabilität generell gefährdet sieht.

In der Zentralbank dürfte das kaum jemanden sorgen. Schließlich sind viele Euro-Länder noch weit unterhalb der Schwelle, der Nachbar Frankreich etwa maß zuletzt nur eine Rate von gut einem Prozent. Zudem gibt es kaum Indizien, die sagen, dies sei schon der Beginn einer galoppierenden Inflation.

Dramatisch ist die Entwertung trotzdem, und das nicht nur, weil arme Haushalte, die den Großteil ihres Geldes in Nahrung, Energie und Miete stecken, weit mehr als zwei Prozent Teuerung erleben. Es ist auch ein volkswirtschaftliches Problem.

Die Deutschen sollen ruhig mit Inflation leben – um den Krisenländern im Süden und Nordwesten mehr Entfaltungsspielraum zu geben. Gleichzeitig werden sie de facto von Nullzinsen geplagt. Jahr für Jahr verlieren die deutschen Normalsparer einen kleinen Teil der Kaufkraft ihrer Vermögen. Ihr zu erwartendes privates Altersgeld schrumpft, Lebensversicherungen werden weniger lukrativ.

Auf die Weise zahlen die Normalbürger für die Krise. Berlin und Frankfurt, Regierung und Zentralbank, nehmen das in Kauf, und für einige Zeit war es unumgänglich. Die Frage ist nur, für wie lange. Und an der Stelle muss man sagen: Europa wird seiner Verantwortung für die Sparer nicht gerecht. Krisenländer wie Italien und Frankreich müssten ihre Wirtschaft schnellstens reformieren, um neue Wachstumskraft zu schöpfen. Und von Deutschland bis Spanien sollten die Regierungen ihre Banken zwingen, ehrlich zu werden und ihre Bilanzen um milliardenschwere Schrottkredite zu bereinigen, die dort noch lagern. Erst wenn die Altlasten weg sind, können sich Wirtschaft und Zins wieder normalisieren.

Europa schuldet seinen Bürgern etwas Beeilung.