StilkolumneNasse Hose

Eine Stilkritik von 

Badehose von Emporio Armani, 55 Euro

Fast nackt so angezogen wie möglich sein: Badehose von Emporio Armani, 55 Euro  |  © Peter Langer

Männer haben den Nachteil, dass zwar ihr Körper altert, ihre Selbstwahrnehmung aber nicht. Während der Bauch sich vorzuwölben beginnt und der Rücken rund wird, haben sie immer noch die Vorstellung, sie stünden im Zenit ihrer Schönheit – oder seien gar erst auf dem Weg dorthin. Das ist normalerweise kein großes Problem, es sei denn, der Mann trägt Badehose. Die Badehose ist nur unter Vorbehalt der Mode zuzurechnen. Schließlich ist Mode der Stoff, mit dem man sich der Öffentlichkeit präsentiert, die Oberfläche des Körpers gestaltet, um einen möglichst positiven Eindruck zu hinterlassen. Eine Badehose hingegen tut das Gegenteil, sie schafft keine zweite Haut, sondern stellt den Körper gnadenlos aus.

Stilkolumne
Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

Man sollte sie ab einem bestimmten Alter nur dort tragen, wo man sich tatsächlich in der Nähe eines Gewässers befindet, in das man den Rest des Körpers tauchen kann. Allerdings ist auch die Badehose von modischen Veränderungen betroffen. In den vergangenen Jahren hat sich die Surferhose durchgesetzt. Sie hat den Vorteil, dass sie durch ihren Schnitt das Bein etwas verdeckt und die Form des Hinterns im Ungefähren lässt. Und den Nachteil, dass Männer sie deswegen mit Shorts verwechselten und sie zu allen möglichen Anlässen trugen. Die Badehose verließ den Strand, war des Sommers auf der Straße anzutreffen – und offenbarte, dass Männer in bunt bedruckten Nylonhosen oft wenig faszinierend aussehen. Surfershorts sind eben am besten für Menschen geeignet, die ihr Leben auf Surfboards verbringen, vom Salz gebleichte Haare haben und sonnenbraune Haut. Eine bunte Hose kann da nicht mehr viel versauen. Für die anderen Männer (und das sind die meisten) ist diese Art von Kleidung eher zu meiden. Welche Badehose ist aber dann geeignet? Der Brite Adam Brown hat mit seiner Marke Orlebar Brown eine wunderbare Idee verwirklicht: Badehosen, die an Anzughosen angelehnt sind. Gerade geschnitten und nicht flatternd, bis knapp über das Knie. Ähnliche Modelle hat Emporio Armani im Angebot. Man ist darin immer noch fast nackt. Allerdings gibt der Träger eine Ahnung davon, wie gut er im Anzug aussieht.

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Leserkommentare
  1. Ich bin geneigt, eine Wette anzubieten.
    Bei den jetzigen Temperaturen gehen wir einen Kilometer über eine ganz normale Großstadteinkaufsmeile oder eine Badestrand und dann schauen wir mal, ob nicht mindestens genausoviele Frauen Probleme mit der Selbstwahrnehmung und der gnadenlosen Selbstausstellung, dessen was sie klüger verbergen sollten, haben.
    Aber warum sollte man überhaupt wetten, wenn Badehose schon unter Stil läuft.

    14 Leserempfehlungen
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    Herrje, ich frage mich wirklich, warum bei jedem Artikel, in dem es um männliche "Modesünden" geht, jemand mit dem Hinweis um die Ecke kommt, dass Frauen auch nicht besser sind. Als ob der Autor oder die Autorin so etwas behauptet hätte.
    Ja, es gibt auch Frauen, die sich in der Kleidung vergreifen und eine optische Zumutung darstellen, aber darum geht es in diesem Artikel nicht, oder?
    Warum immer dieser ewig gleiche Beißreflex?

  2. "Bei den jetzigen Temperaturen gehen wir einen Kilometer über eine ganz normale Großstadteinkaufsmeile oder eine Badestrand und dann schauen wir mal, ob nicht mindestens genausoviele Frauen Probleme mit der Selbstwahrnehmung und der gnadenlosen Selbstausstellung, dessen was sie klüger verbergen sollten, haben."

    Und davon ist dann in einem anderen Artikel die Rede. Hier ging es um den Mann. Haben Sie ein Problem damit? Ich nicht. Himmel, nehmen Sie es mit Humor.

    3 Leserempfehlungen
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    Es geht um eine fortschreitende Pauschalisierung des Mannes als selbstgerechter Homer Simpson. Es ist nicht dieser einzelne Artikel, der manche Männer aufregt. Es ist die ständige Form die Männer irgendwie in dieser Form darzustellen - und ich finde man kann sich auch beschweren. Blondinen lachen bestimmt auch nicht mehr, wenn sie den 100ten Blondinenwitz hören. Und Männer sollen immer schweigen - egal wie auf ihnen rumgehackt wird. Aber das "darüber stehen" hat auch Grenzen und irgendwann gilt es die zu setzen - auch wenn das bei einer Kolumne wie dieser lächerlich anmutet, halte ich den Kommentar für berechtigt - man kann auch als Mann zugeben, wenn einen solche Aussagen verletzen und man sie unberechtigt findet!

  3. Schreiben Sie doch dran, dass es Werbung ist.

    Wenn ich mir so die Teile auf deren Webseite anschaue, dann verzichte ich dankend. Grauenhaftes Pastell wohin man nur schaut. Wie kann ein "Herrenmodedesigner" nur allen Ernstes glauben, dass einem Mann Pastellfarben stünden. Wenn ich mir die Bübchen anschaue, die in Klamotten solcher Farbe herumlaufe, denke ich immer, Mama hätte die Sachen morgens rausgelegt. Und die restlichen Druckmotive sind ästhetisch ähnlich wertvoll, die die Grabbelware bei kik. Pool- und Strandmotive auf Badehosen? Die 90er haben gerade angerufen und wollen ihre Badehosen zurückhaben...

    Außerdem: 200(!) € für eine Badehose? Für das Geld erwarte ich GOTS- oder BEST-zertifizierte Ware, was hier aber nicht der Fall ist.

    Also fassen wir zusammen: Hier wird Werbung für überteuerte möchtegernschicke Textilien gefahren und unter "Stilberatung" versteckt.

    25 Leserempfehlungen
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    Sie haben sich da verguckt! Die Dinger kosten bis zu 285 €!

    Männer, denen es wurscht ist, wie ihre Beine auf die Umwelt wirken, fahren von dem Geld lieber ein paar Tage an die Ostsee ;-)

    • eras
    • 05. August 2013 14:58 Uhr

    Das wird so nichts! Kein Mann, der bei klarem Verstand ist, gibt 200-300 Euro für eine Badehose (Materialwert: 5 Euro) aus - nur weil sie schlicht ist. Und wenn ich jemals soviel Geld in Strandbekleidung investieren will, dann lass ich mir das Ding auf den Leib schneidern. Ist wahrscheinlich sogar billiger und ich kann mir den Stoff selbst aussuchen.

    Bis dahin reicht mir die Karohose in grünschwarz mit Länge bis knapp oberhalb des Knies. Kostet 20 Euro statt 200. Es gibt offensichtlich mehr Dinge zwischen Surfershorts und Anzugshose, als sich Ihre Orlebar-Brown-Philosophie erträumen kann.

  4. Sie haben sich da verguckt! Die Dinger kosten bis zu 285 €!

    Männer, denen es wurscht ist, wie ihre Beine auf die Umwelt wirken, fahren von dem Geld lieber ein paar Tage an die Ostsee ;-)

    5 Leserempfehlungen
  5. ... ihre Körper einfach so zeigen! Alt! Bauch! Krampfadern! Kein Hintern! Welch eine Zumutung für die empfindsamen Gemüter unter den Ästheten!

    Diese billigen Werbeatrikelchen für Orlebar Brown sind eine Zumutung. Hier wird Menschen eingeredet, dass ihre Körper hässlich und unakzeptabel sind, um ihnen dann anschließend irgendein überteuertes Zeugs zu verkaufen, um den vermeintlichen Makel zu kaschieren.

    Ich bin selber ein 50-jähriger Mann, der Bodybuilding betreibt und auch so aussieht; ich fühle mich von dem Artikel tatsächlich nicht einmal angesprochen. Aber mich ärgert die Menschenverachtung, die daraus spricht, und der Anspruch, dass nur Menschen mit einem fotomodellhaften Körper sich in ihrer Haut wohl fühlen dürfen.

    Wenn ich an einem der vielen Seen in Berlin schwimmen gehe, stört es mich nicht im geringsten, die entblößten Körper anderer zu sehen, wie immer sie auch aussehen mögen. Ich freue mich daran, dass die Leute sich entspannen und Spaß haben, und ungezwungen miteinander umgehen, anstatt sich schlecht zu fühlen, weil sie nicht "perfekt" aussehen.

    Diese ganze Serie von Artikeln zu diesem Thema widert mich wirklich an. Keine Ahnung, welcher Teufel die ZEIT-Redaktion da reitet.

    38 Leserempfehlungen
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    Ich befürchte schon seit längerem, dass die ZEIT den Weg des ehemaligen Nachrichtenmagazins SPIEGEL geht und immer weiter "boulevardisiert".
    Solche Artikel tragen dazu bei.
    Die Hoffnung bleibt, dass es ist nur dem Sommerloch zu verdanken ist.

    für diesen Kommentar!!

  6. Ich befürchte schon seit längerem, dass die ZEIT den Weg des ehemaligen Nachrichtenmagazins SPIEGEL geht und immer weiter "boulevardisiert".
    Solche Artikel tragen dazu bei.
    Die Hoffnung bleibt, dass es ist nur dem Sommerloch zu verdanken ist.

    5 Leserempfehlungen
  7. Es geht um eine fortschreitende Pauschalisierung des Mannes als selbstgerechter Homer Simpson. Es ist nicht dieser einzelne Artikel, der manche Männer aufregt. Es ist die ständige Form die Männer irgendwie in dieser Form darzustellen - und ich finde man kann sich auch beschweren. Blondinen lachen bestimmt auch nicht mehr, wenn sie den 100ten Blondinenwitz hören. Und Männer sollen immer schweigen - egal wie auf ihnen rumgehackt wird. Aber das "darüber stehen" hat auch Grenzen und irgendwann gilt es die zu setzen - auch wenn das bei einer Kolumne wie dieser lächerlich anmutet, halte ich den Kommentar für berechtigt - man kann auch als Mann zugeben, wenn einen solche Aussagen verletzen und man sie unberechtigt findet!

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Getroffene Hunde?"
    • Mkdrs
    • 05. August 2013 10:59 Uhr

    Das hier ist kein Artikel, sondern klingt eher nach einem Orlebar Brown Pressetext. Und das ist ja schon der dritte Orlebar Brown Artikel in 3 Monaten.

    6 Leserempfehlungen
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    ... muß der Zeit Stühle-Direktor (oder heißt "style director etwa anders?) die Pressmuster doch abarbeiten, wenn die so jenseits von gut und böse gepreist sind ("Ach verzeihung, ich dachte, ich dürfte die tatsächlich in der Badewanne ausprobieren ...").

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  • Schlagworte Armani | Körper | Schönheit | Alter | Mode | Sommer
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