Anti-Streber-StipendiumDie zweite Chance

Die Zeppelin Universität schreibt Stipendien für Abbrecher aus. von 

DIE ZEIT: Herr Göbel, wer kann sich für die sogenannten Anti-Streber-Stipendien bewerben?

Tim Göbel: Es gibt zwölf Kategorien, etwa für Studien- und Ausbildungsabbrecher, für Gründungspleitiers, für Leute, die über 30 Jahre alt sind, für Sitzenbleiber, für Legastheniker.

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ZEIT: Was genau ist das Ziel der Initiative?

Göbel: Leute anzusprechen, die sonst häufig von einem Studium von sich aus Abstand nehmen oder gar ausgeschlossen sind. Zu zeigen, dass es andere Formen der Leistung gibt als die, die wir gemeinhin kennen. Es ist auch eine Leistung, nach dem Scheitern wieder aufzustehen oder trotz einer schwierigen Ausgangssituation nach vorne zu kommen.

ZEIT: Sie suchen also Leute mit Durchhaltevermögen?

Göbel: Genau. Dazu kommt der wichtige Punkt der Selbstreflektion. Gut die Hälfte unserer Stipendien hat mit einem Moment des Scheiterns zu tun, die Bewerber sollen zeigen, dass sie nun ihre zweite Chance nutzen möchten. Wir bieten kein Loser-Stipendium an, sondern suchen Personen, die Energie und Motivation mitbringen und die grundsätzliche Voraussetzung für ein Hochschulstudium.

ZEIT: Wie gewährleisten Sie denn, dass die Stipendiaten diese zweite Chance auch wirklich nutzen?

Göbel: Das können wir natürlich nicht vollständig vorhersagen, aber durch das umfassende Auswahlverfahren und vor allem durch die persönlichen Gespräche versuchen wir, das Potenzial so gut wie möglich einzuschätzen.

ZEIT: Wie reagieren denn die Studenten auf diese Initiative?

Göbel: Sehr gut. Sie waren es sogar, die uns auf die Idee gebracht haben. Sie wollten, dass sich an der Uni die Vielfalt der Gesellschaft stärker widerspiegelt. Darum sitzen sie auch mit im Auswahlkomitee. Studien haben bewiesen, dass heterogene Teams kreativer sind und bessere Ergebnisse erzielen, insofern haben wir auch einen akademischen Mehrwert.

ZEIT: Ist das eine einmalige Sache – ein Werbegag?

Göbel: Ganz und gar nicht. Wir bieten die Stipendien von nun an immer an. Es gibt jedes Semester in jeder Kategorie eines, sodass wir im Jahr 24 Stipendien vergeben. Sie umfassen jeweils die Studiengebühren für einen vierjährigen Bachelor im Umfang von rund 3700 Euro pro Semester.

ZEIT: Gibt es eine Hemmschwelle, sich für ein Stipendium zu bewerben, bei dem man seine eigenen Schwächen eingestehen muss?

Göbel: Wir merken tatsächlich, dass manche Bewerber etwas vorsichtig sind, wenn sie sich über das Stipendium informieren. Die Resonanz ist aber gut, sie liegt deutlich über unseren Erwartungen. Die meisten Bewerbungen haben wir bisher in der Kategorie der Erstakademiker bekommen, also von Schülern, deren Eltern nicht studiert haben. Viele der Bewerbungen sind wirklich exzeptionell. Das interessiert uns: exzellente Exoten.

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Leserkommentare
  1. Wer kennt noch das Märchen "Des Kaisers neue Kleider"? Auch dieser lief zuletzt nackt umher und dachte, er hätte die schönsten und besten Kleider von allen an. So oder ähnlich geht es mittlerweile bei unserer neuen Professoren-Generation zu: All die klugen Ideen werden sich zuletzt als dummes Zeug entlarven.

    3 Leserempfehlungen
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    spielen Sie an?

    • jojocw
    • 11. August 2013 23:05 Uhr

    1. Es muss nicht jeder studiert haben.
    2. Wir haben letztlich zu viele Akademiker und zu wenige Facharbeiter.
    3. Fürs Taxifahren braucht man kein Studium.

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  2. Besonders der letzte Absatz zeigt, welche Lücken solch ein Stipendium zu füllen vermag.

    Auch ist mir ein Bewerber, der sich in seinen Berufswünschen mal umentschieden und vielleicht einige "unproduktive Lücken" im Lebenslauf hat - also ein wenig Lebenserfahrung sammeln konnte und wollte - grundsätzlich lieber, als die üblichen Streber und Duckmäuser ohne Kompetenz (von der Fähigkeit, Fakten nachzuplappern, abgesehen), die das Bologna-System seit ein paar Jahren fast ausschließlich ausspuckt.

    Auch wenn derlei eigentlich staatlicherseits ermöglicht werden sollte - es ist ja schließlich eben nicht so, daß ein Student in heutigen Zeiten viel kostet (zumindest, sofern man die medizinischen Studiengänge mal ausklammert).

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  3. spielen Sie an?

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  4. 5. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie differenzierte Kommentare. Danke. Die Redaktion/kvk

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    für alle ohne Schulabschluss und Ausbildungsflüchtlinge, die nichts durchziehen, weil ihnen "das frühe Aufstehen keinen Bock macht".

    Entfernt. Die Redaktion/kvk

  5. für alle ohne Schulabschluss und Ausbildungsflüchtlinge, die nichts durchziehen, weil ihnen "das frühe Aufstehen keinen Bock macht".

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
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    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Die Redaktion/kvk

  6. 7. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Die Redaktion/kvk

  7. Ein solches Stipendium ist doch vollkommen sinnlos. Nach einem Studienabbruch ist man meistens nicht mehr bafögberechtigt (falls man es jemals war), da helfen einem die erlassenen Studiengebühren auch nicht aufs Pferd.

    [...] Gekürzt. Der Kommentar auf den Sie sich kritisch beziehen wurde inzwischen entfernt. Die Redaktion/kvk

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    Entfernt. Die Redaktion/kvk

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  • Schlagworte Stipendien | Bachelor | Bewerbung | Studiengebühr | Student
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