DIE ZEIT: Herr Modica, es ist Sonntag, 14.30 Uhr. Ausgeschlafen?

Mathias Modica: Inzwischen schon. Es ging gestern doch etwas länger.

ZEIT: Haben Sie selbst aufgelegt?

Modica: Gestern nicht. Ich war in der Ruby Bar, dem Club, den ich mit zwei Freunden betreibe. Im Sommer ist da immer viel los.

ZEIT: Die Ruby Bar existiert seit neun Jahren immer an wechselnden Orten ...

Modica: Zurzeit in einer ehemaligen Pizzeria. Der Laden ist extrem heruntergekommen, sieht aber toll aus. Wir haben alles knallrosa gestrichen. Drinnen stehen ein rotes Pferd und eine Rakete. Der New Yorker Künstler Ray Moore hat ein paar Wände bemalt. Eine Pop-Art-Installation.

ZEIT: Die Ruby Bar liegt am Rande des Glockenbachviertels, einer Gegend, die immer teurer und schicker wird.

Modica: Auch unser Haus soll bald durch Luxuswohnungen ersetzt werden. Das zieht sich nur ein wenig hin, weil die Münchner Gesetze den Abbruch von alten Häusern erschweren. Aber Umziehen gehört zu unserem Konzept. Es gibt viele Ecken in der Stadt, wo sich was tut, in Giesing, auf der Schwanthaler Höhe eröffnen neue Läden.

ZEIT: Kann es sein, dass Münchens Nachtleben in den letzten Jahren lässiger geworden ist? In den Achtzigern waren die Clubs stolz auf ihre rigide Türpolitik. Da hörte man oft: "Leider geschlossene Gesellschaft." Heute haben die Leute mehr Angst vor den Türstehern im Berliner Berghain.

Modica: Auch damals war München nicht nur Kir Royal. Das Alternative war hier immer schon groß. Aber was die Türsteher angeht: Das hat sich komplett umgedreht. Unlängst las ich einem Berliner Stadtmagazin ein Türsteher-Special. Da durften die ihre Kriterien erläutern. Das erinnerte mich alles stark an das alte München-Klischee.

ZEIT: Das wurde lange Zeit von der Promi-Disco P1 verkörpert.

Modica: War das eine Frage?

ZEIT: Schon.

Modica: Das P1 gibt es seit Jahrzehnten. Aber den meisten Münchnern ist es verhasst. Das ist ungefähr so, als würde man Hamburg auf Dieter Bohlen und Jenny Elvers reduzieren.

ZEIT: Aber München und Disco muss man dennoch in einem Atemzug nennen.

Modica: In den Siebzigern und Achtzigern war der von Giorgio Moroder erfundene "Discosound of Munich" weltweit das Nonplusultra. Blondie, die Stones oder Queen kamen in die Stadt und wollten von den Münchner Produzenten diesen futuristischen Touch verpasst bekommen.

ZEIT: Steht Ihr Label Gomma in dieser Tradition?

Modica: In gewisser Weise.

ZEIT: Die Musikzeitschrift Spex bezeichnet Sie als "Disco-Produzenten". Klingt nach: Hemd zwei Knöpfe zu weit offen.

Modica: Das käme mit meiner Hühnerbrust nicht so gut. Im Übrigen: Bei der Discobewegung ging es um Musikalität, Fortschritt, Grenzüberschreitung. Daran knüpfen wir an. Als wir vor zehn Jahren mit Gomma anfingen, kam elektronische Musik eher von Leuten, die keine Musiker waren, sondern gute Computerbastler. Das hat die Musik sehr statisch gemacht, wir haben begonnen, die Elektronik musikalischer aufzubereiten.