Fußballtrikotwerbung ist wie Langnese-Eis ein Nostalgiebeschleuniger. Ebenso wie ganze Jahrgänge dem Braunen Bären nachtrauern oder dem Flutschfinger, betrauern Fußballfans Trikots mit den Aufdrucken jener Sponsoren, die längst schon nichts mehr sponsern.

Iveco Magirus, das klingt für all jene, die sich in den frühen achtziger Jahren für Fußball zu interessieren begannen, nicht wie irgendeine Lastwagenfirma, es klingt wie etwas, was Teil von Bayern München war. Ebenso Dinkelacker vom VfB Stuttgart oder Jägermeister von der Braunschweiger Eintracht, die das Ganze 1973 erfunden hat und nun, zum Jubiläum, wieder in die Bundesliga zurückkehrt, allerdings ohne Jägermeister.

Die Begeisterung der westdeutschen Achtziger-Jahre-Kinder für Fußballtrikots mit Werbeaufdruck hat auch damit zu tun, dass diese Trikots damals nicht einfach so zu kaufen waren. In den Sportartikelgeschäften gab es meist nur Fantrikots mit blanker Brust, ganz ohne Reklame. Der Aufdruck "Portas" fehlte, vielleicht aus erzieherischen Gründen. Und so wuchs das Verlangen nach den "echten" Trikots, wie sie die Bundesligaspieler trugen. Nur wenige kamen ran, meist über Väter, die jemanden kannten.

Die solchermaßen verzierten Trikots waren, was die Wäsche anbelangte, empfindlich. Die Vereinswappen waren aufgestickt und daher robust, die Werbung aber bestand aus aufgeklebten Flocken, und die verschwanden von einer Wäsche zur nächsten schneller, als einem lieb sein konnte, bis nach vielleicht zehnmaligem Waschen nur noch ein zarter Flaum zu sehen war. Das Wissen um die Verletzlichkeit des Werbeaufdrucks hatte seinen Wert für den Besitzer natürlich noch gesteigert.

Der Einfluss der Werbung aufs Taschengeld war gering: Die wenigsten hatten damals vor, sich einen Magirus-Lkw zu kaufen, ein Dinkelacker-Bier war ebenso uninteressant wie Jägermeister-Schnaps. Offenbar hatte damals noch niemand erkannt, wie einfach es gewesen wäre, sich für immer in junge Hirne einzuschreiben. Man hatte eher Männer im Sinn, die bauen, tanken, Schnäpse trinken.

Und die Langzeitwirkung? Von einem Jungen, der damals die Firma Portas sehr toll fand, ist bekannt, dass er als Erwachsener nie ernsthaft mit dem Gedanken gespielt hat, diese Firma zu engagieren, die sich aufs Verschönern alter Zimmertüren versteht. Viel lieber als eine Portas-Tür würde er ein Portas-Trikot besitzen.