Reza Aslan : "Ich war von ihm besessen"

Der Autor Reza Aslan über sein Faible für den Erlöser

DIE ZEIT: Mister Aslan, warum ein Buch über Jesus? Die Liste der Autoren ist doch bereits endlos: von den Evangelisten bis zu Hans Küng und Papst Benedikt, von Nikos Katzanzakis bis James Frey.

Reza Aslan: Weil trotzdem etwas fehlt. 90 Prozent der Forschungsliteratur beurteilt Jesus aus der Perspektive des christlichen Glaubens. Ich wollte die erste populäre Biografie schreiben, deren Quelle nicht das Evangelium ist, sondern das Palästina des 1. Jahrhunderts.

ZEIT: Welche Autoren haben Sie beeindruckt?

Aslan:John Dominic Crossan mit Jesus. A Revolutionary Biography und John P. Meier mit A Marginal Jew. Aber beide sind sehr akademisch.

ZEIT: Was ist Ihre Pointe?

Aslan: Ein armes Kind aus Palästina, ein ungebildeter Nobody gründet eine Bewegung, die die mächtigste Regierung der Welt in Rage bringt. Dieser Jesus ist so hinreißend, dass man zu seinem Anhänger werden kann, auch ohne ein Christ zu sein.

ZEIT: Sie waren aber selber mal Christ.

Reza Aslan

41, lehrt Religion in Kalifornien

Aslan: Ich war als Teenager geradezu besessen von Jesus. Heute interessiert mich an ihm, was auch für Atheisten spannend sein kann: sein politischer Einfluss. Ich glaube, die meisten Käufer des Buches haben kein religiöses Interesse, sondern suchen nach Alternativen zu Macht und Herrschaft. Jesus erinnert uns daran, was es heißt, für die Armen und Ausgestoßenen einzustehen.

ZEIT: Klingt wie bei Papst Franziskus.

Aslan: Ich habe lange auf einen Papst wie diesen gewartet – auch wenn er für meinen Geschmack etwas netter zu den Befreiungstheologen sein könnte. Franziskus ist Jesuit. Da ich eine Jesuitenschule besucht habe, ähnelt sich unser Verständnis vom Kern des Evangeliums.

ZEIT: Warum sind Sie kein Christ mehr?

Aslan: Ich bin aus der Kirche ausgetreten, nachdem ich begann, die Bibel zu studieren. Plötzlich wurde mir klar, dass Jesus sich selber nie als Gott sah. Wenn er sagt: "Ich bin der Messias!", dann heißt das: Ich bin ein Nachkomme König Davids! Kein Jude würde das übersetzen mit: Ich bin Gott! Das ist eine rein christliche Interpretation.

ZEIT: Wieso bewundern Sie Jesus immer noch?

Aslan: Weil er mutig war. Wer sich zum Ziel setzte, König Davids Thron wieder zu errichten, der musste den römischen Kaiser stürzen. Das war eine Revolte. Das war Landesverrat.

ZEIT: Sie behaupten, Jesus war nicht der gute Hirte, als den wir ihn heute sehen. Was ist Ihr wichtigster Beweis? Der Messias-Satz?

Aslan: Nein, die Kreuzigung. Das war die gültige Strafe für Rebellion und Aufruhr gegen den Staat. Wenn wir nichts über Jesus wüssten, als dass er gekreuzigt wurde, wüssten wir genug.

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Kommentare

63 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Vermutlich gab es überhaupt keinen historischen Jesus.

Woher wollen Sie wissen, dass Jesus aus einer Zimmermannsfamilie stammte? Wohl aus den Evangelien. Die Kindheitsgeschichten der Evangelien gelten aber gemäß "communis opinio" historisch-kritischer Wissenschaft als rein fiktiv. Weder ein Zimmermannssohn noch ein Unterschichtler sind historisch belegt. Für einen historischen Jesus gibt es bis auf den heutigen Tag überhaupt kein zuverlässiges Zeugnis. Befassen Sie sich vielleicht einmal abwechslungshalber mit der neutestamentlichen Radikalkritik.

@ oanes und @ atencion

1.) Reinkarnation in der christlichen Bibel:

Jesus von Nazareth fragte einmal seine Jünger: "´Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?` Sie sprachen: ´Einige sagen, du seiest Johannes der Täufer, andere, du seiest Elia, wieder andere, du seiest Jeremia oder einer der Propheten`" (Matthäusevangelium 16, 13b-14). Mit anderen Worten: Einige glaubten, der kurz zuvor hingerichtete Johannes sei entweder von den Toten auferstanden oder er sei womöglich gar nicht tot. Und andere glaubten, einer der Gottespropheten, womöglich Elia oder Jeremia, sei in Jesus wieder inkarniert.
Und dies glaubten die Menschen auch schon von Johannes dem Täufer. Und Jesus von Nazareth bestätigt gemäß den biblischen Worten zum Beispiel den Glauben, Johannes sei der reinkarnierte Elia. So sagt Jesus laut dem Matthäusevangelium: "Und wenn ihr es annehmen wollt: er ist Elia, der da kommen soll. Wer Ohren hat, der höre" (11, 14).
Später entwickelt sich zu diesem Thema erneut ein Dialog, und es heißt in der Bibel wie folgt: "Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: ´Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elia kommen?` Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll freilich kommen und alles zurecht bringen. Doch ich sage euch: ´Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten`" (17, 12).

@ oanes und @ atencion

2.) Der Wille Gottes

Dieser ist sehr wohl bekannt und z.B. den 10 Geboten zu entnehmen.
Das erste lautet: Ich habe Dich aus der Sklaverei geführt und ich bin Dein Gott. Derzeit tanzt jedoch die gesamte Menschkeit wieder um das goldene Kalb, hat deshalb einen "anderen Gott", nämlich Luzifer und ist deshalb auch versklavt. Ist ihnen das noch nicht aufgefallen?

@ derjansel

Luzifer ist der vom Schöpfergott und Christus in Gemeinschaft zuerst konstruierte Erzengel, danach wurden noch 5 weitere Erzengel konstruiert.

Beim Sturz der Engel wurde Luzifer auf die Erde geworfen und trägt seitdem den Namen Satan.

Barack Obama, barack bamah, bedeutet starkes Licht, von oben herab. 3 mal dürfen Sie raten, in welcher Funktion dieser Herr auf der Erde ist, aber Sie erkennen es durchaus auch an seinen Taten. Da unser Schöpfergott den freien Willen zulässt, tut b. bamah das, was er tut, allerdings begrenzt auf die Niedrigfrequenz materialistische "Erde".

In den Himmeln pflegt man vernünftig zu handeln - die Erde ist da, um die Vernunft in zahlreichen Reinkarnationen fortzuentwickeln. Vielleicht kommen Sie ja auch noch dahinter derjansel.

Ich bin nicht Gabi,

aber ich erlaube mir Mal auf Ihre Frage zu antworten.

Nach muslimischer Auffassung gibt es auch im Paradies Sex.

Stand es den Menschen zu Noahs Zeiten nicht frei, sich ihm anzuschließen, an den Erbau seiner Arche mitzuwirken und auf ihr Rettung zu erlangen? Wer eingestiegen ist, wurde schließlich gerettet.

Die Menschen zogen es aber vor, ganz frei in ihrer Entscheidung, Noah Besessenheit und Wahn vorzuwerfen.

Plumpe von Unkenntnis geprägte Argumentation

Selbst der Koran wurde und wird etliche Male von Nichtmuslimen übersetzt und das mit zum Teil tendenziösen Übersetzungsfehlern.

Über den Islam und die Muslime gibt es mehr Bücher die von Nichtmuslimen geschrieben wurden, als anders herum.

Einige Leute sind genauso stur und mit Vorurteilen durchsetzt wie jene die sie vornehmlich kritisieren wollen. Im Übrigen sollte man Saudi-Arabien als Ort der heiligsten Orte der Muslime eher betrachten wie den Vatikan, denn dort befinden sich auch keine Moscheen oder Synagogen. Das in Saudi-Arabien derzeit eine solche Auslegung des Islams praktiziert wird, ist zu bedauern, ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass man dort die Wiege des Islams sieht und sich somit vor anderen Religionen abschottet. Vielleicht wandelt sich das dortige System irgendwann.

Mit seiner eigenwilligen Jesus-Interpretation zog sich Aslan

durchaus auch kritische Nachfragen von Muslimen mit Blick auf die betreffenden Islamischen Glaubensinhalte zu:

The Stream : Revisiting Jesus (Al Jazeera English)

http://www.youtube.com/wa... ab min. 28.20

Immerhin: "A lot of Muslims are deeply offended by the fact that is seems to overtun some of the Koranic views about Jesus"

Was Muhammad Biographien angeht, so dürfte für das Ausmaß von Willkommenheit demgegenüber ein kritischer Ansatz nicht durchweg förderlich sein. Robert Spencer, der Autor von:

Did Muhammad Exist?: An Inquiry Into Islam's Obscure Origins

http://www.amazon.de/Did-...

lebt in einer (meiner Kenntnis nach) sich selbst als liberal definierenden Gesellschaft unter Polizeischutz.

Eine etwas zögerliche Willkommenheit führt bei dem einen an die Spitze von Bestsellerlisten und bei dem anderen ins Zeugenschutzprogramm.

Ein Unterschied, den man vielleicht noch ein wenig registrieren sollte.