Wenn man Samt sieht, kommen sofort royale Gefühle auf. Samt verweist auf vergangene Jahrhunderte. Und deswegen wirkt man damit in der Gegenwart leicht deplatziert. Das ist ja auch nicht ganz falsch. Schließlich hat der Samt als Kleidungsstoff seine beste Zeit lange hinter sich. Schon im 14. Jahrhundert wurde Samt in Venedig, Florenz, Genua und Mailand hergestellt. Später wurde das Gewebe in Europa sehr modern. Der höfische Hang zum schillernden Textil war eine Modebewegung, die keine Grenzen kannte. Ende des 15. Jahrhunderts waren allein in Mailand 15.000 Samtweber beschäftigt. Samtbrokat wurde zum zentralen Stoff der Renaissance, und entsprechend wurde darum gezankt. Vielen Fürstenhäusern war die Monopolstellung der Italiener ein Dorn im Auge – deshalb bauten sie eigene Fertigungsstätten auf. So bekam auch Krefeld den Beinamen "Samt- und Seidenstadt" – was wohl das letzte Mal war, dass diese Stadt etwas Glanz an sich hatte.

Eben wegen dieser historischen Bezüge war Samt lange schwer in der Mode unterzubringen. Außerdem konnte er mit den moderneren leichten Geweben schlecht mithalten, erwies er sich doch als etwas steif und ungemütlich. Seither war Samt eher als Möbelstoff gebräuchlich. Statt Körper bezog man damit lieber Kissen.

Gerade das leicht Deplatzierte, aus der Zeit Gefallene und seine Rolle als Möbelstoff machen den Samt jetzt wieder interessant. Marc Jacobs hat herrliche Pantoffeln aus Samt entworfen, und ein ähnliches Modell gibt es von Prada – mit Wappen. Samt steht für Häuslichkeit und Behaglichkeit – und Menschen haben immer mehr Freude daran, sich als jemand darzustellen, der sich zu Hause wohlfühlt.

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Das Häusliche kommt in der Mode nämlich zu kurz. Kleider werden heute für draußen entworfen, sie sollen repräsentieren und gesellschaftsfähig machen. Früher, in den Zeiten, als noch die Könige Samt trugen, gab es das Negligé. Damit bezeichnete man nicht ein leichtes Nachthemd, sondern die Hauskleidung, die im Gegensatz zum sogenannten Staat, also zur repräsentativen Kleidung, weniger aufwendig war. Das Negligé von heute ist gewissermaßen der Jogginganzug. Da lässt sich noch was verbessern in der häuslichen Kultur. Vielleicht ist etwas mehr Samt ein Anfang. Zu Hause ist man ein König.