Volkswagen Golf GTI © Hersteller

In meiner Jugend hatte ich zwei Feindbilder, durch die Ablehnung sollte sich mein eigenes Image festigen, die Grenze zwischen Gut und Böse musste klar und deutlich gezogen werden. Natürlich gab es noch ungefähr hundert andere Feindbilder, aber die tun hier nichts zur Sache.

Zur Sache gehört noch, dass es sich um eine Jugend in Westdeutschland handelt, Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre, und die Feindbilder, um die es geht, waren Tennisspieler und Golf-GTI-Fahrer.

Tennisspieler, die Golf GTI fuhren, waren selbstverständlich das Allerletzte, Pack und Gesocks, intellektueller Bodensatz, Neureichenproletariat. Nun ja, ist jetzt auch schon über zwanzig Jahre her.

Ich habe wieder angefangen, Tennis zu spielen – wieder, weil ich schon früher gespielt habe, heimlich, so wie andere heimlich geraucht haben (was ich logischerweise ausschließlich in der Öffentlichkeit tat). Niemand durfte wissen, dass ich Tennis spielte, dass ich gerne und gut Tennis spielte, denn Tennis, das spielten die anderen: Zahnarztsöhne, Popper, die Jungs halt, die sich mit 16 nichts sehnlicher gewünscht hatten als einen Golf GTI, um dann damit in die Großraumdisco nach Hannover zu fahren. Hat dann aber meistens nur für einen Renault Twingo gereicht.

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Ich aber, ich hatte jetzt für zwei Wochen einen Golf GTI, und um es ganz kurz zu machen: super Auto. Ich bin damit überallhin gefahren, nicht nur von A nach B, sondern auch zum Beispiel nach E, dann aber auch gerne über O. Für Wege, die ich eigentlich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus absolviere, nahm ich diesen Wagen, der alles so leicht erscheinen lässt (Bremsen, Lenken, Beschleunigen).

Und ich bin damit zum Tennis gefahren. Als Kollegen mich eines Nachmittags fragten, wo ich denn hinwolle, da sagte ich: "Zum Tennis. Mit dem GTI." Sie schauten mich an, als ob ich geantwortet hätte: "Zur Tattoo-Convention. Mit der Jacht." Verwundert. Überrascht. Die Ahnungslosen.

Vor dem Tenniscenter fand ich übrigens immer einen Parkplatz. Da ist nicht viel los. Und die, die kommen, kommen mit dem Rad. Es ist schon komisch, was die Zeit mit den Menschen so macht.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 162 kW (220 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 6,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 246 km/h
CO₂-Emission: 139 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,0 Liter
Basispreis: 28.675 Euro

Matthias Kalle ist stellvertretender Chefredakteur des ZEITmagazins