USADer erste Adler meines Lebens

Gerahmt von Sümpfen, Buschwerk und Bäumen durchmisst der Connecticut River die grünen Staaten Neuenglands. Vor kurzem wurde er zum "National Blueway" der USA ernannt. Flussabwärts mit Kanu und Fahrrad, Segelschoner und Kajak. von 

Der Fluss Connecticut vom Mount Sugarloaf aus gesehen

Der Fluss Connecticut vom Mount Sugarloaf aus gesehen  |  CC BY 2.0:U.S. Fish and Wildlife Service

Es war Jay, der mir zuerst erzählte, am Connecticut River seien Adler zu sehen. Es gab keinen Grund, ihm nicht zu glauben, und doch empfand ich, der ich Adler nur aus Märchen kannte, einen gewissen Argwohn, der sich noch vergrößerte, als wir während unserer Kanufahrt lediglich winzige Uferschwalben zu Gesicht bekamen, die ihre höhlenartigen Nester in die Steilufer gegraben hatten und wie Kolibris über uns hinwegschwirrten. Wo sollten hier Adler sein?

In Cornish, New Hampshire, wo die Landstraße 12A die Bahnlinie kreuzt, war ich auf das Schild "North Star Canoe Rentals" gestoßen. Inmitten grüner Wiesen stand ein älterer Bauernhof. Das dunkelrote Holz und die weißen Fenstersprossen erinnerten an Bullerbü. Jay war etwa 20 und Chef des Kanuverleihs. Das Land zwischen Straße und Fluss gehörte seit vielen Generationen der Familie, aber Landwirtschaft allein brachte nicht genug. Der Vater betrieb eine Pferdezucht. Wir sahen die Tiere auf der Weide, ihr Fell glänzte in der Sonne wie Kupfer.

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Wir trugen das Kanu ans Wasser, mit wenigen Schlägen waren wir inmitten der gemächlichen Strömung und ließen uns abwärts treiben. Der Connecticut war hier klar und nicht tief. Weiße Kiesel glitzerten auf dem Grund. Wir kamen an grasbewachsenen Sandbänken vorbei, an deren Spitze sich kleine Stromschnellen bildeten. Wenn man sie erwischte, wurde das Boot ein bisschen schneller. Nach einer Weile unterquerten wir eine alte Holzbrücke, eine der längsten und am besten erhaltenen covered bridges des Landes. Die Wände mit den winzigen Fensteröffnungen und das spitzgieblige Dach waren aus aschgrau gewordenem Holz. Die langen und strengen Winter dieser Gegend bringen viel Schnee. Jetzt aber wirkte die Flusslandschaft geradezu lieblich.

Stationen

North Star Canoe Rentals: Jay Hammond, 1356 New Hampshire 12A, Cornish, NH 03745, Tel. 001-603/542 69 29, www.kayak-canoe.com

Fahrradtour mit David Parker: Self-Guided Bike Tours Vermont, www.vtcycling.com

Barton-Cove-Bootsfahrten: www.firstlightpower.com/ northfield/riverboat.asp

Fahrten mit dem Schoner: Connecticut River Museum, 67 Main Street, Essex, CT 06426, www.ctrivermuseum.org

Griswold Inn: 36 Main Street, Essex, CT 06426, Tel. 001-860/767 17 76,

www.griswoldinn.com

Auskunft

Discover New England, Tel. 0221/233 64 09, www.neuenglandusa.de

Tage später und weiter im Süden begegnete mir der Adler erneut, aber wieder nur als Erzählstoff. Ich fuhr in einem Ausflugsschiff über den Barton Cove, einen reizvollen See mit Buchten und Inseln, der aber im Grunde kein See ist, sondern der bei Turners Falls in Massachusetts gestaute Connecticut. Während der Kapitän sorgsam zwischen den Untiefen hindurchsteuerte, sagte er, es gebe hier in der Tat Adler. Als wir den eigentlichen und diesmal wirklich tiefen Fluss erreichten, der sich zwischen steil emporragenden Wäldern hindurchzwängte, schien das durchaus glaubhaft. Warum sollten in den mächtigen Wipfeln der Uferbäume nicht Fischadler hausen? Allein sie ließen sich nicht blicken. Vielleicht machten sie Mittagspause. Es war sonnig und heiß.

Kurz darauf erzählte mir Andy abermals von Adlern. Andy Fisk ist der Chef des Connecticut River Watershed Council, und die Arbeit dieser 1952 gegründeten nicht staatlichen Naturschutzorganisation hat dem Fluss kürzlich eine bisher einzigartige Auszeichnung eingetragen: Seit Anfang des Jahres ist der Connecticut River der erste " National Blueway" der USA. Der neue Titel gehört zu einer Umweltinitiative der Regierung Obama und verpflichtet die Anrainer zum Schutz des Flusses und seiner Ufer. Mich selbst hat die Nachricht vom National Blueway überhaupt erst mit dem Fluss bekannt gemacht, von dem ich nichts wusste, obwohl er der längste in ganz Neuengland ist und auf seinen 665 Kilometern durch New Hampshire, Vermont und Massachusetts fließt, bis er im Staate Connecticut am Long Island Sound mündet.

Leserkommentare
  1. Bleibt nur eine Frage: "Die" erste Wanderpfad? Müssen wir jetzt schon Wanderpfade gendern, oder war das bloß ein Versehen?

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    Redaktion

    Liebe(r) zoon politicon,
    das war natürlich ein Versehen :-) Vielen Dank für den Hinweis, wir haben es berichtigt.

  2. Redaktion

    Liebe(r) zoon politicon,
    das war natürlich ein Versehen :-) Vielen Dank für den Hinweis, wir haben es berichtigt.

    Antwort auf "Schöner Artikel!"
  3. Schade nur, dass er bei seiner Reise den letzen Mohikaner nicht gesehen hat.
    Denn dieser und seine 900000 Artgenossen wurden leider ausgerottet.

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    @kaine huebsche für diesen äußerst relevanten Kommentar.
    Mal davon abgesehen, dass Ihnen da mindestens eine, eher aber zwei Nullen zuviel hinter die 9 gerutscht sind.

    Was fuer eine Wortwahl.

    Die Mohegans betreiben jetzt im Osten des Staates Connecticut (ca. eine Autostunde von Essex entfernt) ein grosses Spielkasino, genannt Mohegan Sun. Der Stamm ist daher jetzt recht wohlhabend.

  4. @kaine huebsche für diesen äußerst relevanten Kommentar.
    Mal davon abgesehen, dass Ihnen da mindestens eine, eher aber zwei Nullen zuviel hinter die 9 gerutscht sind.

    Antwort auf ""ULRICH GREINER""
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und Ihre autochtone Lebensweise und Kultur zu 100% ausgerottet. Absichtlich - aus Spaß.

  5. Ein sehr schoener Artikel. Meine Frau hat als Studentin Kanutouren auf dem Connecticut River geleitet. Zeit fuer uns, diese Weltgegend wieder einmal zu besuchen.

  6. Was fuer eine Wortwahl.

    Die Mohegans betreiben jetzt im Osten des Staates Connecticut (ca. eine Autostunde von Essex entfernt) ein grosses Spielkasino, genannt Mohegan Sun. Der Stamm ist daher jetzt recht wohlhabend.

    Antwort auf ""ULRICH GREINER""
  7. und Ihre autochtone Lebensweise und Kultur zu 100% ausgerottet. Absichtlich - aus Spaß.

    Antwort auf "Danke..."
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    ... sind noch ganz munter.

    http://www.mohegan.nsn.us/

    "Mohikaner" schreiben nur Karl-May-Leser.

    Die Geschichte der Vernichtung, Vertreibung, Marginalisierung und Akkulturation ist unendlich viel komplizierter. Was Sie da zu verbreiten versuchen ist bestenfalls eine Halbwahrheit.

  8. ... sind noch ganz munter.

    http://www.mohegan.nsn.us/

    "Mohikaner" schreiben nur Karl-May-Leser.

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    Das stimmt so auch nicht. Bei Karl May kommen keine Mohikaner vor sondern bei Cooper.

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