Tsetsefliegen-SchutzFliegennetze für die Weide

Um afrikanische Rinder vor der Tsetsefliege zu schützen, erproben Forscher in Brandenburg neue Methoden. von Andrea Jeska

Vor Malaria schützt den Menschen nichts effektiver als ein mit Insektizid getränktes Netz über dem Bett. Es hält die Anopheles-Mücke ab, die Überträgerin der Malaria. Nun soll auch das Weidevieh vor den Plagegeistern und ihren infektiösen Stichen bewahrt werden. Zum Beispiel vor Stechmücken, die den Erreger des Rifttalfiebers übertragen, und Tsetsefliegen, die den Erreger der Schlafkrankheit in die Blutbahn ihrer Opfer pumpen. 

Allein durch die Schlafkrankheit sind in Afrika 60 Millionen Menschen und 70 Millionen Nutztiere bedroht. Bei infizierten Rindern sinkt die Milchleistung, und die Tiere verlieren an Körpergewicht. Bis zu drei Millionen Rinder sterben jährlich an der Infektion; der wirtschaftliche Schaden beträgt rund 4,5 Milliarden Dollar.

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Derzeit sieht die Vorbeugung gegen die tödlichen Stiche der Tsetsefliege noch so aus: Besonders in der Regenzeit werden die Rinderkörper mit Insektiziden behandelt. Allerdings nur von Viehzüchtern, die es sich leisten können. Viele Bauern sind zu arm für die Insektengifte, zudem sind Insekten oft schon resistent gegen die eingesetzten Mittel.

Doch der chemische Schutz ist bald nicht mehr die einzige Option. Das Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin hat die Wirksamkeit eines Zauns aus einem Polyäthylennetz untersucht, um Mensch und Tier zu schützen. Das Netz ist 1,50 Meter hoch, es wird um die Weide oder die Schlafplätze gezogen. Die Maschen sind nahezu unsichtbar für das Insektenauge.

Zusätzlich wird das Netz mit Deltamethrin behandelt. Das Gift ist ökologisch weit weniger schädlich als die üblichen Insektizide. Burkhard Bauer, Veterinärmediziner und Berater der Universität, hat diese Strategie maßgeblich entwickelt. Sie basiert auf dem Angriffsverhalten vieler Zielinsekten: Diese attackieren ihre Opfer unterhalb einer Höhe von einem Meter.

Ausprobiert haben die Berliner Wissenschaftler die Idee zunächst in Brandenburg. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz finanzierte dort ein Projekt zum Schutz von Zuchtvieh gegen Gnitzen. Diese Plagegeister können den Erreger der Blauzungenkrankheit und das Schmallenberg-Virus übertragen. Neben dem Schutz der Tiere wurde die Umweltverträglichkeit des Verfahrens überprüft. Bodenproben und Wasseranalysen ergaben so gut wie keine Verunreinigung, auch bei den Tieren wurden weder Nebenwirkungen noch Rückstände in Milch und Fleisch festgestellt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Insekten eine Resistenz gegen die natürlichen Insektizide entwickeln, wurde als gering eingestuft. Dass das Biogift wirkt, zeigten dann Versuche in Kenia an Rindern und in Ghana an Schweinen: Durch die Netze wurden bis zu 95 Prozent der Tsetsefliegen gelähmt und abgetötet. Während in einem ungeschützten Dorf rund 80 Prozent der Schweine den Erreger der Schlafkrankheit in sich trugen, waren es bei den geschützten Tieren nur 16 Prozent.

So feierte das Fliegennetz für Rinder im vergangenen Sommer seine Afrika-Premiere. Erstes Projektland war Burkina Faso. Im Südwesten des Landes lebt das Volk der Peulh, dort werden die Tiere im Schutz der Siedlungen gehalten, in den sogenannten Kralen. Für die Forschung wurden alle Krale umzäunt; dann wurde der Effekt gemessen und mit einer Nachbarsiedlung ohne Schutz verglichen. Erste Ergebnisse zeigen: Die geschützten Tiere sind gesünder und produzieren mehr Milch pro Tag; zudem gedeihen die Jungtiere besser.

Und in Deutschland? Hier gibt es sowohl gegen die Blauzungenkrankheit als auch gegen das Schmallenberg-Virus Impfungen für das Vieh. Netzzäune gegen die Stechmückenplage könnten – nach den Überschwemmungen im Frühsommer – eher die Menschen gebrauchen.

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    • Schlagworte Tierkrankheit | Insekten | Malaria | Nutztier | Schmallenberg-Virus | Afrika
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