Beim Marina-Projekt von Novigrad verzichtete die Hypo auf Sicherheiten für einen 50 Millionen Euro-Kredit. © Richard Schneider für DIE ZEIT

Der prächtige Anblick verzückt Othmar Michaeler stets aufs Neue. So wie es am Westufer des Wörthersees thront, im schmucken Schönbrunner Gelb, mit vier polygonalen Ecktürmen und dem modernen Anbau, der sich hinter der zweistöckigen Neorenaissance-Fassade dezent im Hintergrund hält, ist das Schlosshotel Velden für den Vorstand der Falkensteiner Tourism Group ein Juwel im Portfolio des Südtiroler Fremdenverkehrsunternehmens. Die Hotelkette, die vor allem in Österreich und Kroatien tätig ist, hat das einstige Lustschloss der Kärntner Adelsfamilie Khevenhüller aber nur gepachtet. Die wohl bekannteste Filmkulisse an der Kärntner Riviera, befindet sich im Eigentum von Billa-Gründer und Immobilien-Mogul Karl Wlaschek. Er ist nunmehr nach der Hypo Alpe Adria Bank der achte Besitzer der Luxusherberge.

Vor über zwei Jahrzehnten waltete hier der Fernsehliebling Roy Black als Hoteldirektor, und deshalb pilgern noch immer viele ältere Zuseher zu dem Drehort der Serie Ein Schloss am Wörthersee. Vor dieser geschichtsträchtigen Kulisse beginnt eine Reise zu den Perlen der Hypo-Profiteure, die von Kärnten nach Istrien und entlang der dalmatinischen Küste bis an die südliche Grenze von Kroatien führt. Für die Glücksritter des Klagenfurter Geldinstituts, das Ende 2009 notverstaatlicht werden musste, ist die 1.800 Kilometer lange Strecke eine Traumstraße undurchsichtiger Immobilienveranlagungen. Sie führt durch idyllische Dörfer, naturgeschützte Landstriche und an die schönsten Buchten der Adria. Für den österreichischen Steuerzahler, den der größte Finanzskandal der Zweiten Republik bereits 2,2 Milliarden Euro gekostet hat, ist es hingegen eine Albtraumroute. Die finanzielle Blutspur zieht sich von Velden bis nach Split. Allein auf dieser Strecke versenkten die Kärntner Geldjongleure 1,8 Milliarden Euro – oder anders ausgedrückt: eine Million auf jedem Kilometer.

In Velden versickerten die ersten 80 Millionen Euro, als vor zwei Jahren die aufwendig renovierte Nobelherberge mit 210 Betten, sieben Apartmenthäusern und 46 Luxusresidenzen nach einem abenteuerlichen Verkaufsprozess für schlappe 46,5 Millionen Euro an Wlaschek losgeschlagen wurde. Der Bank hatte die 6,5 Hektar große Anlage mit 130 Millionen Euro allerdings fast das Dreifache gekostet. In der Bilanz der Hypo strahlt der Verkauf der Immobilie dennoch als Gewinn. Denn der gesamte Komplex, für den sich ursprünglich auch Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser über einen Strohmann interessiert haben soll, war in den Büchern der Hypo auf den Wert von nur einem Euro berichtigt wurden.

Heliport am Golf von Piran

234 Kilometer weiter südlich. Über dem Golf von Piran weht eine leichte Brise. Im Licht der Morgensonne schimmert eine feudale Ferienanlage etwas außerhalb des kroatischen Küstendörfchens Savudrija. Die Rezidencija Skiper besitzt einen eigenen Heliport, auf einem Areal von 120 Hektar finden 28 Villen, 261 Apartments und ein vor Marmor strotzendes Hotelresort Platz.

Bereits um acht Uhr morgens fahren vor dem Golfclub die ersten Nobelkarossen vor. An Wochentagen kommen die Fahrer fast durchweg aus der näheren Umgebung, zumeist aus Pula, Laibach oder den Friaul. Es sei denn, es ist wie im August Hochsaison. Da reisen die elitären Clubmitglieder schon von weiter her an – ein schwarzer Audi Q7 aus Graz parkt etwa vor der exklusiven Anlage, ein dunkelbrauner Porsche 911 Carrera S mit Diplomatenkennzeichen oder ein dunkelgrüner Jaguar XF aus dem bayerischen Bad Tölz.