InklusionSie kann lächeln
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Gemeinsamer Unterricht – wie soll das funktionieren?

Gemeinsamer Unterricht – wie soll das funktionieren?

Darüber streiten die Experten, die Bundesländer entwickeln Inklusionspläne, und die Kultusminister haben Inklusion zum Bildungsthema 2013 erklärt. Während alles um uns herum im Umbruch ist, suchen wir nach dem richtigen Weg für Lotta. Einige Schulen haben bereits mit dem sogenannten Gemeinsamen Unterricht begonnen.

"Und der pinkelt Mariella immer in den Ranzen." – "Nein!" – "Doch, jeden Morgen. Ich habe keine Ahnung, was ich machen soll." Auf einer Party, wir stehen um Stehtische. Ich, mein Mann Harry und drei Kolleginnen des Gastgebers.

"Der hat das Downsyndrom", sagt die Erste mit gesenkter Stimme. "Aber trotzdem, ich sage dir, der macht das mit Absicht. Das ist Mobbing. Mariella will schon nicht mehr in die Schule."

"Und was machst du jetzt?", fragt die Frau daneben. "Ich habe schon mit dem Lehrer gesprochen, aber da steht man gleich als behindertenfeindlich da. Vielleicht müssen wir wechseln. Gemeinsamer Unterricht – so ein Quatsch."

"Man tut den Kindern keinen Gefallen damit. Der merkt bestimmt, dass er langsamer ist als die anderen", die Dritte.

Harry und ich schweigend und kauend daneben.

"Klar, und der hält die ganze Klasse auf. Die hinken dem Lehrplan sowieso hinterher. Wie sollen die in den 100er-Zahlenraum kommen, wenn der die ganze Zeit dazwischenblökt?"

"Vorsicht", sagt Harry. "Unsere Tochter ist auch behindert."

Stille. Gezwungenes Lächeln.

"Echt? Das denkt man gar nicht, wenn man euch so sieht ..."

Harry stellt sein Glas ab. "Wer von den Damen möchte denn noch einen Crémant?" Als er in die Küche geht, zwinkert er mir zu.

Wie soll Inklusion funktionieren, wenn sich die einen um den 100er-Zahlenraum sorgen und die anderen um Physiotherapie? Wie muss Inklusion umgesetzt werden, damit sie Behinderte und Nichtbehinderte näher zusammenbringt, statt sie weiter auseinanderzutreiben? Einen Sonderkindergarten gibt es in unserer Stadt nicht mehr, aber zahlreiche integrative, mit gemischten Fördergruppen. Ich melde uns bei sieben Einrichtungen an.

Im Kinderkrankenhaus, Wartezimmer. Neben uns ein Mädchen im Rollstuhl, der Kopf gestützt, die Hände verdreht. Die Mutter, höchstens Mitte 30, mit Blümchenbluse und offenem Blick. Nach zwei Minuten Small Talk sind wir beim Kern meines Problems: "Wie hast du das gemacht mit dem Kindergarten?", frage ich. "Die wollten uns nicht." – "Wie – die wollten euch nicht?" – "Wir wohnen weit draußen. Bei uns im Ort gibt es nur einen integrativen Kindergarten, und denen war Mia zu heiß." – "Zu heiß?" – "Die Sonde", sagt sie. "Die Anfälle." – "Und dann?" – "Mia geht eben nicht in den Kindergarten." – "Gar nicht?" Die Mutter schüttelt den Kopf. Ich frage: "Wie machst du das dann? Willst du nicht mal ...?" Sie schaut mich an. "Ich frage nur, weil ich gerade nach einem Kindergarten suche." Sie sagt: "Darf ich dich etwas fragen, das vielleicht komisch klingt? Ist deine Tochter lebenszeitverkürzend erkrankt?" – "Lebenszeit ... Nein, ich glaube nicht." – "Dann hättest du sie zumindest im Hospiz abgeben können. Das mache ich alle paar Wochen, für ein paar Tage. Ich erhole mich, und weiter geht’s." – "Im Hospiz?" – "Das ist nicht so gruselig, wie es klingt", sagt sie. "Das ist eigentlich sehr schön für Mia. Ohne diese Auszeiten könnte ich schon lange nicht mehr."

Wo wird Mia einmal zur Schule gehen? Mütter in Lottas Frühfördergruppe erzählen von Kindern, die ins Internat müssen, weg von zu Hause, weil es in der Nähe keine Schule für sie gibt. Ärzte erzählen von Kindern vom Land, die krankgeschrieben werden, weil der Busfahrer kein Kind mit Anfällen mitnehmen will. Die nie große Pause haben und keine Klassenkameraden – obwohl sie nicht zu krank für die Schule sind. Andere geben Tipps, wie man sich einklagt, auch behinderte Kinder haben ein Recht auf Bildung, nur müssen es die Eltern öfter vor Gericht durchsetzen. Eine Schule für alle soll es einmal geben – gibt es jetzt denn eine Schule für jeden?

Von den integrativen Kindergärten bekommen wir nur Absagen. Von den kirchlichen, den privaten und auch von der Stadt.

"Wir müssen die älteren Kinder bevorzugen", heißt es. Oder: "Es gibt eben nur sehr wenige Plätze." Oder: "Wir müssen auch auf die Zusammensetzung der Gruppe achten. Die Mischung muss stimmen." Sie sagen "Mischung", und es klingt wie "Ihr Fall ist zu schwer". Eine Mutter aus Lottas Frühfördergruppe bekommt für ihren Sohn für das gleiche Kindergartenjahr in einem anderen Viertel Kölns Plätze in vier Einrichtungen. "Willst du einen von meinen haben?", fragt sie. Ihr Sohn ist jünger als Lotta und weniger schwer behindert. Er kann laufen und alleine essen. Es ist sicher Zufall. Oder ist gut für die Mischung, wer weniger Hilfe braucht?

"Wir sind nicht offiziell integrativ. Aber unsere Arme sind ganz weit offen." Zora Müller, Mitte 30, Kapuzenpulli, Chucks, rote Haare. In dem Gebäude, in dem früher der heilpädagogische Kindergarten war, entsteht ein neuer Kindergarten, Träger ist ein Verein. Zora ist Gründerin und Leiterin, hat Heilpädagogik und Sonderpädagogik studiert und scheint sich zu freuen, dass ich in ihrer Einrichtung ein schwerbehindertes Kind anmelden möchte. Sie wäre die Erste.

"Warum wollt ihr so gerne behinderte Kinder aufnehmen?", frage ich. "Warum denn nicht?" Zora schweigt. Wartet sie auf eine Antwort? Sie lächelt. "Ich sehe da gar keinen Diskussionsbedarf. Bei einem Regenbogen frage ich auch nicht: Muss Gelb unbedingt noch sein? Rot und Blau reichen doch schon. Gelb gehört eben auch dazu."

Leserkommentare
  1. Das ist (wieder) ein tolles Beispiel dafür, wie man subjektiv schreiben kann, aber die Realität in all ihrer objektiven Hässlichkeit darstellen kann.

    Tatsächlich: Inklusion ist ungeheuer wichtig. Aber wenn PolitikerInnen oder BürokratInnen das Wort benutzen, dann meinen sie in der Regel: Geld sparen zu Lasten der Menschen mit Behinderung. Und zwar gleich, ob es um Kita, Schule oder Arbeit geht.

    Ein ganz anderer Aspekt: Ich habe auch schon Eltern erlebt, die mit einem gewissen Stolz erzählten, dass ihr (nichtbehindertes) Kind in einen integrativen Kindergarten geht - "weil es da gleich Sozialkompetenz lernt". Und man sieht den Eltern an, dass sie dabei an das Bewerbungsschreiben 20 Jahre später denken.
    Sozialkompetenz? Abgehakt, nächste Aufgabe: Auslandsaufenthalt macht sich auch gut im Lebenslauf.
    Noch klarer gesagt: Da werden Menschen mit Behinderung ge- und mißbraucht. Ob es wirklich offene, aufgeschlossene Eltern sind, merkt man dann eben erst an der Reaktion, wenn ein Kind seibert, ungewöhnliche Geräusche macht - oder eben wie beschrieben in die Tasche pinkelt.

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    Auch mir ging der Text (nicht zuletzt aber auch wegen des rührenden Fotos) sehr nahe und die Perspektive mit ihren Abwägungen hat mir gut gefallen. Dennoch werde ich bei diesem Kommentar etwas stutzig:
    "Ob es wirklich offene, aufgeschlossene Eltern sind, merkt man dann eben erst an der Reaktion, wenn ein Kind seibert, ungewöhnliche Geräusche macht - oder eben wie beschrieben in die Tasche pinkelt."
    Ich frage mich, was dieses Beispiel mit Aufgeschlossenheit zu tun hat. Ein Mensch mit Downsyndrom ist weder dumm, noch nicht dazu in der Lage, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Warum sollte er nicht verstehen, dass man anderen Kindern nicht in den Ranzen pinkelt? Ich finde es gut und richtig, wenn eine Mutter hier den Schlussstrich zieht und solch ein Verhalten nicht mit der Behinderung entschuldigt. Im Gegenteil. Wer der Meinung ist, dass solch ein Verhalten bei einem behinderten Menschen toleriert und nicht als gemein bezeichnet werden darf, spricht ihm meiner Meinung nach einen Teil der Persönlichkeit ab. Auch ein Kind mit Downsyndrom darf man durchaus blöd finden, wenn es etwas blödes macht.

  2. Inklusion ist nicht diskutierbar!!
    Ich hoffe wenn Ida erwachsen ist und selbst Kinder hat, ist Inklusion selbstverständlich.
    Und ja: es wird uns einiges kosten: Geld aber vor allem Mut, Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen Betroffener (das sind nicht die Behinderten sondern wir alle).

    Eine Leserempfehlung
  3. ... oder früher war noch vieles einfacher.
    Die Familien waren gross und in einigen dieser Familien gab es auch ein behindertes Kind . Auch sie wurden angenommen und in die Familie integriert und wurde auch bei Nachbarskindern als Spielkamerad aufgenommen.
    Aber sie wurden als geistige Behinderte respektiert - im Kindergarten wurden sie integriert - aber bei der Schule trennten sich die Wege, in der Freizeit und auf dem Spielplatz war man wieder beisammen. Die heilpädagogische Schule ging auf ihre Bedürfnisse ein und sie konnten sich schulisch mit ihresgleichen messen, auch mit unterschiedlichem Lernerfolg.
    Das Problem lässt sich nicht mit der Schule lösen, sondern mit der Freizeit. Aber eben - es ist leider nicht mehr so einfach wie früher.

    2 Leserempfehlungen
  4. Bei uns ist ein geistig behindertes Kind in der ersten Klasse gewesen. Die ganze Klasse hat im letzten Jahr nur den Stoff von einem halben Jahr geschafft. Das kanns doch nicht sein, oder?

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    Wir haben leider ähnliches in der Grundschulklasse meines älteren Sohnes erlebt.
    In einer Klasse von 28 Kindern - was deutlich weniger als der Durchschnitt ist ! - mit 2 Lehrern inklusive 2 behinderten Kindern.
    Es hat sich gezeigt, dass effektiver Unterricht in der Praxis kaum möglich war.
    Eines der behinderten Kinder hat sich sehr "geräuschintensiv" verhalten, was die Mitschüler in verschiedener Form abgelenkt hat, und dementsprechend oft keinen "normalen" Unterricht zugelassen hat.
    Das andere Kind war zwar sehr still, ist aber des öfteren apatisch mit dem Kopf auf den Tisch geknallt, was bei den Mitschülern auch nach längerer Zeit zu Irritationen geführt hat.
    Es war auch keinerlei Binnendifferenzierung möglich, da Wissensstand und intellektuelle Fähigkeiten zwischen den "normalen" Kindern und den "behinderten" Kindern einfach zu groß war.
    Mir ist schon klar, dass man Menschen mit Einschränkung in die Gesellschaft integrieren sollte - aber so funktioniert das einfach nicht, da haben beide Seiten absolut gar nichts von.
    Das ist einfach nur absout wirklichkeitsfremd.

    • jopel
    • 23. August 2013 22:15 Uhr

    Lieber Thorn,
    dafür dass du jetzt in die zweite Klasse gehst, kannst du schon gut schreiben! Dass Du ein Kind mit geistiger Behinderung in deiner Klasse hast, ist bestimmt nicht der einzige Grund dafür sein, dass Ihr mit dem Stoff nicht gut voran gekommen seid. Ihr solltet mit Eurer Lehrerin oder Eurem Lehrer nochmal genau über die Gründe für die Rückstände mit dem Stoff sprechen: Sicher ist es auch so, dass Ihr in einigen Fächern nicht genug geschafft habt, in anderen aber ganz gut seid. Einfach zu sagen, Ihr hättet nur den Stoff von einem halben Jahr geschafft, ist ja sehr ungenau und deutet leider auf wenig Sachkenntnis bei dem Menschen hin, der Euch so etwas einredet! Und wenn dir dann noch jemand einredet, "schuld sei das "behinderte Kind", dass ihr nicht genug lernt", dann ist dass sehr unreflektiert und der Mensch, der so etwas behauptet ist sehr dumm und seine Argumente sind sehr hohl: ich hoffe, dass es nicht deine Eltern waren, die dir so einen Blödsinn erzählt haben!!!
    In jedem Fall solttest Du aber früher ins Bett gehen und im zweiten Schuljahr nicht noch um 21 Uhr Kommentare auf zeit-online schreiben, dann klappt es auch mit dem Stoff besser, weil die Lehrerin oder der Lehrer einen aufmerksamen Schüler mehr hat.
    Und richte Deinen Eltern bitte aus, sie sollten auf jeden Fall im Hinterkopf haben, was sie sich, nur in Gedanken, für ihr Kind in einer solchen Situation wünschen würden...

  5. Wir haben leider ähnliches in der Grundschulklasse meines älteren Sohnes erlebt.
    In einer Klasse von 28 Kindern - was deutlich weniger als der Durchschnitt ist ! - mit 2 Lehrern inklusive 2 behinderten Kindern.
    Es hat sich gezeigt, dass effektiver Unterricht in der Praxis kaum möglich war.
    Eines der behinderten Kinder hat sich sehr "geräuschintensiv" verhalten, was die Mitschüler in verschiedener Form abgelenkt hat, und dementsprechend oft keinen "normalen" Unterricht zugelassen hat.
    Das andere Kind war zwar sehr still, ist aber des öfteren apatisch mit dem Kopf auf den Tisch geknallt, was bei den Mitschülern auch nach längerer Zeit zu Irritationen geführt hat.
    Es war auch keinerlei Binnendifferenzierung möglich, da Wissensstand und intellektuelle Fähigkeiten zwischen den "normalen" Kindern und den "behinderten" Kindern einfach zu groß war.
    Mir ist schon klar, dass man Menschen mit Einschränkung in die Gesellschaft integrieren sollte - aber so funktioniert das einfach nicht, da haben beide Seiten absolut gar nichts von.
    Das ist einfach nur absout wirklichkeitsfremd.

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    • EvaKa
    • 02. September 2013 9:53 Uhr

    Liebe MonicaBing,
    was schlagen Sie denn vor? Das "geräuschintesive" behinderte Kind und das andere, welches "apatisch den Kopf auf den Tisch knallt" könnten natürlich in einer Sondereinrichtung "beschult" werden, in einer kleinen Gruppe mit anderen Kinder, die "normal behindert" sind wie sie, in der sie andere "normale" Kinder nicht beim Lernen aufhalten, da ja alle "behindert" sind und der intellektuelle Wissensstand total angeglichen ist, denn alle "behinderten" Kinder haben einen ähnlichen Wissensstand und alle "normalen" Kinder auch.
    Da würden sie dann die "normalen" nicht stören. Zum Glück tun sie das dann auch in Zukunft nicht, da sie, mit großer Wahrscheinlichkeit, in einer Werkstatt beschäftigt werden, ab vom Schuss, so müssen wir uns dann gar nicht mehr mit dem Problem beschäftigen.

    Wir könnten aber auch aktzeptieren, dass unsere Gesellschaft nicht nur aus Menschen besteht, die vorgeschriebene Normen erfüllen. Inklusion fängt nicht im Kindergarten, in der Schule oder in der Finanzierung von Fördermitteln an, sondern in den Köpfen! Ich schlage vor: anstatt von den Kindern zu verlangen eine Norm zu erfüllen, darf unsere Anstrengung in das Gelingen einer Förderung in Kindergarten und Schule, die alle Kinder einschließt und es ermöglicht Kinder voneinander lernen zu lassen, fließen.
    Also lassen wir die Anführungszeichen weg und kämpfen lieber für mehr Fördermöglichkeiten.

    Ab und zu tut es übrigens mal ganz gut mit dem Kopf auf den Tisch zu knallen.

  6. Ich habe in Niedersachsen eine Fortbildung zum Integrationshelfer gemacht und diese Ende Juni abgeschlossen. Seit dem 1. Schultag nach den Sommerferien arbeite ich an einer Grundschule als schulischer Integrationsassistent bzw. Integrationshelfer.

    Ich betreue einen verhaltensauffälligen Jungen, der zu Wutanfällen neigt und meine Hauptaufgabe besteht darin die Situationen zu erkennen, in denen er einen Wutanfall kriegen könnte und da gegenzusteuern.

    Im Unterricht kommt er jedoch sehr gut mit, die Lehrer und ich müssen dort aber drauf achten, dass er die Aufgaben, die er machen muss auch wirklich bearbeitet, da er sich auch gerne mit anderen Dingen beschäftigt und sehr unruhig werden kann.

    Andere Kollegen betreuen beispielsweise Autisten, Kinder mit Trisomie 21 oder Kinder mit sonstigen Verhaltensauffälligkeiten und/oder starken Lernschwierigkeiten.

    Mir macht die Arbeit viel Freude, auch wenn man natürlich sich gerade bei Kindern mit diversen Lernschwierigkeiten fragt, ob sie an einer Regelschule wirklich gut aufgehoben sind.

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    • praenki
    • 23. August 2013 22:44 Uhr

    jadefelsen, L-Schüler sind die am wenigsten kompliziert zu integrierenden/inkludierenden Kinder. Da kommt man i.d.R. mit differenzierter Aufgabenstellung und Förderung durch die Förderlehrkraft zu sehr guten Ergebnissen. Das gilt auch für die meisten anderen Störungen, von Motorik bis Hören. Die Ausnahme bildet ES. Ab dem Sekundarbereich I reicht ein einziger schwieriger ES-Schüler, um den gesamten Unterricht zu sprengen. Und zwar nachhaltig von der ersten bis zur letzten Stunde. Sind dann nicht gute Unterstützungs- und Auffangstrukturen gegeben - und die sind an den meisten Schulen schlicht nicht realisierbar (ein ES-Schüler bekommt bei uns 3,5 (!) Wochenstunden, eine Förderkraft ist also ungünstigstenfalls 3 von 30 Stunden anwesend), dann kommt das gesamte Klassenteam - Lehrer, Eltern, Sozialpädagogen, Mitschüler - früher oder später zu dem Schluss, dass Inklusion eine tolle Idee ist, aber an der Realität scheitert, wenn die Rahmenbedingungen fehlen. Selbst an FÖ-Schulen werden ES-Schüler häufig nur in Kleinstgruppen beschult. Und plötzlich sollen sie mit minimaler soz.-päd. Unterstützung regelbeschult werden. Ein Irrsinn - den man nicht den Kindern und Schulen vorwerfen kann. Die werden einfach zum Spielball einer Inklusionsstrategie, die in der Realität nicht funktionieren kann. Inkludiert werden nämlich nicht nur der hochbegabte Rollifahrer und die sympathische Asperger-Autistin.

    • Puka
    • 23. August 2013 22:31 Uhr

    wie Sie sich inhaltlich mit den Problemen der Inklusion auseinandersetzen.

    Aber leugnen geht auch.

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