Serie KarrieretippsDas Zitat... und Ihr Gewinn

Johann Wolfgang von Goethe sagt: Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen. von 

Szene eins, Mitarbeitergespräch, der Chef verspricht seinem Abteilungsleiter: "Sie bekommen eine Assistentin, sobald Ihr Bereich auf zehn Mitarbeiter gewachsen ist." Doch acht Monate später, als der zehnte Mitarbeiter eingestellt ist, rudert er zurück: "Da haben Sie mich missverstanden. Einen solchen Präzedenzfall kann ich nicht schaffen, sonst wollen die anderen Abteilungsleiter dasselbe!"

Szene zwei, Gehaltsverhandlung: Der Chef bedauert, dass er die geforderte Erhöhung im Moment nicht bewilligen könne, trotz der vorzüglichen Leistung des Mitarbeiters. Er sagt ihm zu: "Im kommenden Jahr machen Sie einen Sprung von acht Prozent." Zwölf Monate später spielt der Chef den Mann ohne Gedächtnis: "Das haben wir so nicht abgesprochen!"

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Szene drei, Beförderungsgespräch: Der Bereichsleiter einer Supermarktkette verspricht einer fleißigen Verkäuferin, sie spätestens in sechs Monaten auf einen Filialleiterposten zu heben. Doch vor Ablauf dieser Zeit wird er selbst gefeuert. Der Nachfolger weiß nichts von dieser Zusage – und will auch nichts davon wissen.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Diese drei Fälle habe ich allein im letzten halben Jahr von meinen Klienten gehört. Ein Mitarbeiter, der die mündliche Zusage seines Chefs zu haben meint, hat im Zweifel: nichts. Solche Zusagen können verleugnet, vergessen oder hinfällig werden, wenn der Versprechende abgegangen ist. Darum sollten Sie wichtige Absprachen immer schriftlich fixieren, denn Goethe sagt mit Recht: Getrost nach Hause tragen können Sie nur, was Sie schwarz auf weiß besitzen. Tippen Sie nach einer Verhandlung eine Gesprächsnotiz, die Sie Ihrem Chef mit der Bitte zumailen, den Sachverhalt zu bestätigen oder zu korrigieren, Motto: "Um sicherzugehen, dass ich alles richtig verstanden habe ..." Diese Ich-Botschaft zeigt, dass Sie der Wunsch nach Klarheit leitet, nicht das Misstrauen.

Schriftliche Zusagen sichern nicht nur Sie, sondern auch Ihren Chef ab. Zum Beispiel werden schriftlich zugesagte Gehaltserhöhungen auch bei Gehaltssperre meist noch wirksam – während Chefs, die behaupten, ihren Mitarbeitern eine mündliche Zusage gegeben zu haben, bei ihren Vorgesetzten auf Granit beißen.

Mündliche Absprachen sind Tauben auf dem Dach: Sie fliegen leicht davon. Die Schriftform fängt sie ein.

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Leserkommentare
    • A
    • 01. September 2013 18:52 Uhr

    ist für mich das einzig sinvolle Schriftstück die Kündigung.

    3 Leserempfehlungen
    • Dr.Um
    • 01. September 2013 19:02 Uhr

    Dafür aber verallgemeinerungsfähig. Man hat doch mit mündlichen Verabredungen nicht nur dann Probleme, wenn es um Personalfragen geht, da ist man nur persönlich betroffen. Wenn man eine halbwegs belastbare Verbindlichkeit herstellen will, erzeugt man ein Schriftstück (Mail) und schickt das an die Beteiligten. Dazu schreibt man den Hinweis, dass man von Konsens ausgeht, wenn es keine Rückmeldung gibt.

    2 Leserempfehlungen
  1. Knapp versprochen, schon gebrochen.
    Wer als Angestellter einem BWLler vertraut, hat auf auf Sand gebaut, denn dessen einzige Aufgabe ist es, den Wert des Unternehmens zu steigern; notfalls auf Kosten der Mitarbeiter. Allein deshalb sind BWLler keine Kollegen, sondern Gegner. Und dementsprechend vorsichtig sollte man sein.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mit der Einstellung werden das auch nie Kollegen, wenn Sie denen schon direkt so gegenüber treten.

    Es gibt Karrieristen, die über Leichen gehen und es gibt auch schlechte Manager, aber das sind nicht alles nur BWLer und nicht alle BWLer sind so.

  2. Mit der Einstellung werden das auch nie Kollegen, wenn Sie denen schon direkt so gegenüber treten.

    Es gibt Karrieristen, die über Leichen gehen und es gibt auch schlechte Manager, aber das sind nicht alles nur BWLer und nicht alle BWLer sind so.

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