Szene eins, Mitarbeitergespräch, der Chef verspricht seinem Abteilungsleiter: "Sie bekommen eine Assistentin, sobald Ihr Bereich auf zehn Mitarbeiter gewachsen ist." Doch acht Monate später, als der zehnte Mitarbeiter eingestellt ist, rudert er zurück: "Da haben Sie mich missverstanden. Einen solchen Präzedenzfall kann ich nicht schaffen, sonst wollen die anderen Abteilungsleiter dasselbe!"

Szene zwei, Gehaltsverhandlung: Der Chef bedauert, dass er die geforderte Erhöhung im Moment nicht bewilligen könne, trotz der vorzüglichen Leistung des Mitarbeiters. Er sagt ihm zu: "Im kommenden Jahr machen Sie einen Sprung von acht Prozent." Zwölf Monate später spielt der Chef den Mann ohne Gedächtnis: "Das haben wir so nicht abgesprochen!"

Szene drei, Beförderungsgespräch: Der Bereichsleiter einer Supermarktkette verspricht einer fleißigen Verkäuferin, sie spätestens in sechs Monaten auf einen Filialleiterposten zu heben. Doch vor Ablauf dieser Zeit wird er selbst gefeuert. Der Nachfolger weiß nichts von dieser Zusage – und will auch nichts davon wissen.

Diese drei Fälle habe ich allein im letzten halben Jahr von meinen Klienten gehört. Ein Mitarbeiter, der die mündliche Zusage seines Chefs zu haben meint, hat im Zweifel: nichts. Solche Zusagen können verleugnet, vergessen oder hinfällig werden, wenn der Versprechende abgegangen ist. Darum sollten Sie wichtige Absprachen immer schriftlich fixieren, denn Goethe sagt mit Recht: Getrost nach Hause tragen können Sie nur, was Sie schwarz auf weiß besitzen. Tippen Sie nach einer Verhandlung eine Gesprächsnotiz, die Sie Ihrem Chef mit der Bitte zumailen, den Sachverhalt zu bestätigen oder zu korrigieren, Motto: "Um sicherzugehen, dass ich alles richtig verstanden habe ..." Diese Ich-Botschaft zeigt, dass Sie der Wunsch nach Klarheit leitet, nicht das Misstrauen.

Schriftliche Zusagen sichern nicht nur Sie, sondern auch Ihren Chef ab. Zum Beispiel werden schriftlich zugesagte Gehaltserhöhungen auch bei Gehaltssperre meist noch wirksam – während Chefs, die behaupten, ihren Mitarbeitern eine mündliche Zusage gegeben zu haben, bei ihren Vorgesetzten auf Granit beißen.

Mündliche Absprachen sind Tauben auf dem Dach: Sie fliegen leicht davon. Die Schriftform fängt sie ein.