Thomas Wendler steht vor seinem Altbau in Hamburg und blickt die gelbe Klinkerfassade hoch. 100 Jahre ist sein Haus alt, jetzt möchte Wendler es energetisch sanieren lassen. Bloß wie? Wo soll er anfangen? Er hat da eine Vermutung: Würde er die Außenwände dämmen lassen, könnte er einiges an Energie sparen. Ob das stimmt oder etwas anderes sinnvoller wäre, soll Bert Jenner von der Verbraucherzentrale ihm sagen; dafür hat Wendler den Energieberater an diesem Tag zu sich gebeten.

Wendler hatte in der Zeitung gelesen, dass man mit einer energetischen Sanierung bis zu 75 Prozent der Energie, die zum Heizen und für Warmwasser benötigt wird, einsparen kann, und dass die Bundesregierung Umbauten finanziell unterstütze. "Ich begann nachzudenken, was ich bei mir zu Hause tun kann", sagt er.

Seit Kurzem vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) höhere Tilgungszuschüsse: Wer sein Haus so umbauen lässt, dass es einen bestimmten Energiestandard erfüllt, und dafür einen Kredit aufnimmt, muss einen Teil seines Darlehens nicht zurückzahlen. Zudem stiegen Anfang des Jahres die Investitionszuschüsse für Hausbesitzer, die eine energetische Sanierung aus eigener Tasche finanzieren. Während die KfW im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellte, sind es in diesem Jahr 1,8 Milliarden Euro.

Derzeit werden 40 Prozent der Energie in Deutschland im Gebäudebereich verbraucht, etwa zwei Drittel davon von privaten Haushalten – zu viel, um die Klimaziele zu erreichen. Nach dem Plan der Bundesregierung sollen deshalb in deutschen Gebäuden bis 2050 insgesamt 80 Prozent weniger Energie verbraucht werden. Dafür allerdings müssten künftig Jahr für Jahr nicht mehr nur ein Prozent, sondern zwei Prozent des gesamten Gebäudebestandes saniert werden.

Dabei geht es vielen wie Thomas Wendler: Sie wollen etwas tun, wissen aber nicht genau, was. Spart man mehr Energie, wenn man das Dach dämmen lässt oder die Außenwände? Lohnen sich neue Fenster? Und ist das Heizen mit Gas oder einer Wärmepumpe effizienter? Im Internet fand Wendler widersprüchliche Informationen, also entschloss er sich, einen professionellen und neutralen Berater zu suchen. Bei den Verbraucherzentralen kostet eine Beratung zwischen zehn und 30 Euro, das Angebot der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ist kostenlos. Die Experten beurteilen bei einem Rundgang durch die Wohnung, wie Energie gespart werden kann.

Jenner zeigt auf eines der Fenster im Erdgeschoss: Hier sehe man, dass die Außenwand nur 30 Zentimeter dick sei: "Eine Dämmung fehlt da wohl." Gemeinsam mit Wendler geht er bis in den dritten Stock des Jugendstilhauses. Um auf den Dachboden zu gelangen, müssen sie auf einer Holzleiter durch die Dachluke klettern. "Hier am Giebel wird deutlich, dass die vorhandene Dämmung des Daches nicht sehr dick ist", sagt Jenner. "Aber eine Sanierung würde sich dennoch kaum lohnen." Pro Quadratmeter würde das mindestens 150 Euro kosten, rechnet der Experte vor, das mache insgesamt rund 40.000 Euro; gleichzeitig wäre die Energieersparnis gering. Also lieber woanders beginnen.

Im Wohnzimmer angekommen, fragt Wendler: "Was ist mit den großen weißen Holztüren hier?" Sie sind so alt wie das Haus und schließen nicht mehr richtig, auch durch die Ritzen über dem Fußboden zieht es. "So schöne alte Stücke dürfen bleiben", beruhigt Jenner. "Selbst wenn Sie alle Türen auswechseln, sparen Sie kaum Energie." Viel wichtiger seien die Fenster, denn wenn die nicht dicht seien, entweiche Wärme nach draußen. "Die sind nagelneu", sagt Wendler und lächelt zufrieden.

Die Männer setzen sich an den Wohnzimmertisch, Jenner blättert durch die Heizkostenabrechnung. Der spezifische Heizenergieverbrauch der Wendlers liegt bei 170 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, rechnet der Experte vor. "Durch entsprechende Maßnahmen ließe sich der Verbrauch sicher deutlich reduzieren", sagt er.

Als Nächstes ist der Keller dran, dort steht der Heizkessel, in dem Erdgas verbrannt wird; mit der Wärme, die dadurch entsteht, wird Wasser aufgeheizt. Das heiße Wasser wird dann über Rohre in die weißen Heizkörper in den Zimmern geleitet. Jenner nimmt die Metalltür des 14 Jahre alten Heizkessels ab und bückt sich, um ins Innere zu sehen. Aus fingerdicken Gasrohren auf dem Kesselboden flackern bläuliche Flammen. "An dieser Stelle geht wahnsinnig viel Energie verloren", sagt er. "Die Wärme kann nicht mehr für das Heizwasser verwendet werden." Ein weiteres Problem sei, dass bei dem alten Kessel heiße Abgase und Wasserdampf einfach über den Schornstein nach draußen geleitet würden, moderne Geräte dagegen nutzten die Abgase zur weiteren Wärmegewinnung.