Frage: Seit Clara und Marco das zweite Kind haben, funktionieren sie gut als Eltern, aber erotisch geht nichts mehr. Bisher hat Marco die Initiative ergriffen, jetzt tut er das nicht mehr. Zunächst ist Clara zu beschäftigt, um darüber nachzudenken, doch nach zwei sexlosen Jahren stellt sie ihn zur Rede und fragt ihn, ob es eine andere Frau gebe. Marco behauptet, die Familie gehe ihm über alles. Ein Jahr später entdeckt Clara auf Marcos Handy eindeutige Textbotschaften. Sie trennt sich von ihm, Marco sucht eine Wohnung in der Nähe der Familie. Marco bittet Clara, seiner Mutter nichts von der Trennung zu verraten. Sie lebt in Turin, ist Witwe und streng katholisch. Clara überlegt, ob sie ihm diesen Wunsch erfüllen kann. Eigentlich will sie ihre Schwiegermutter nicht belügen.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Das tauglichste Modell für getrennt lebende Eltern ist einem Arbeitsverhältnis vergleichbar. Einem Kollegen sollten wir Unbequemlichkeiten ersparen, die sich nicht aus gemeinsamen Zielen ergeben. Anspruch auf Komplizendienste hat Marco nicht. Im Interesse der Zusammenarbeit sollte Clara zwar den Eindruck vermeiden, sie wolle Marco bei seiner Mutter verpetzen. Dass sie aber auf Fragen hin lügt oder die Kinder anhält, der Oma etwas vorzumachen, ist zu viel verlangt. Marco schont wohl mehr sich selbst als die Mama. Wenn sie erfährt, dass seine Ehe gescheitert ist, wird sie sich Sorgen machen und vielleicht gekränkt sein. Aber die Inszenierung einer Ehe, die nicht mehr besteht, ist keine Alternative. Irgendwann wird es die Mutter doch erfahren und ist dann doppelt beleidigt.