Stilkolumne : Blogger-Mode

Eine Stilkritik
Die Bloggerin Garance Doré hat dieses T-Shirt für Marc O'Polo entworfen, 49,90 Euro © Peter Langer

Mode-Blogger wurden von ihren Kollegen aus den etablierten Medien anfangs wenig freundlich aufgenommen. Diese Mode-Enthusiasten, die sich gegenseitig in ihren Outfits fotografierten und dann alles ins Internet stellten! Die sich dazu aufschwangen, aktuelle Kollektionen mit einem Selbstbewusstsein zu kritisieren, als hätten sie schon 26 Jahre für die Vogue in der front row gesessen! Das alles war so unglaublich ungestüm, amateurhaft und wundertoll, dass es einem die Sprache verschlug. Mode-Blogger personifizierten eine Begeisterung, die den arrivierten Mode-Insidern längst abhandengekommen war. Und sie erinnerten daran, was Mode eigentlich verkörpern soll: das, was Menschen auf der Straße tragen – im Gegensatz zu dem, was in Hochglanz-Magazinen gezeigt wird. Auch die Modemarken fühlten sich zunächst von den Bloggern bedrängt. Jahrzehntelang hatten sie ihre Entwürfe einem ausgesuchten Fachpublikum präsentiert – und nun mussten sie damit zurechtkommen, dass Kollektionen bereits im Internet diskutiert wurden, bevor ein Moderedakteur auch nur seinen Laptop aufgeklappt hatte.

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Alles Vergangenheit. Denn inzwischen ist die Modewelt ganz wild auf die Publicity, die manche Blogger ihr einbringen. So fotografieren sich während der Modewochen Blogger jeden Tag aufs Neue gegenseitig – ausgestattet von Marken, die wissen, dass street styles mittlerweile eine höhere mediale Aufmerksamkeit erregen als die Mode, die neu präsentiert wird. Die internationale Elite unter den Bloggern erhält bei den Defilees sogar die besten Plätze. Blogger geben eigene Magazine heraus, sie haben eigene Modesendungen (wie etwa Jessica Weiß). Und einige sind selbst zu Modemachern geworden: Die Französin Garance Doré beispielsweise hat für das US-Label Kate Spade Taschen und für die deutsche Firma Marc O’Polo eine T-Shirt-Kollektion entworfen. Die Schwedin Elin Kling hat für Marciano und H&M gearbeitet, Susie Bubble betreibt eine Kooperation mit Urban Outfitters.

Dies zeigt, wie viel sich in der Mode ändert: Nicht nur die Grenze zwischen den Modekritikern und den Kunden ist aufgehoben – auch der Unterschied zwischen denen, die Mode machen, und denen, die Mode tragen, verwischt. Ein Gesetz bleibt allerdings bestehen: Am Ende müssen die Entwürfe sich auch verkaufen.

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