Dass der Name dieser Stellung auf eine irreführende Legende zurückgeht, haben wir an dieser Stelle schon vor zehn Jahren geklärt (ZEIT Nr. 24/03) – es stimmt nicht, dass die katholischen Missionare den Südseebewohnern eine "anständige" Form der Fortpflanzung beibringen wollten. Wie sieht es aber mit der Verbreitung der "ventro-ventralen Kopulation" im Tierreich aus?

Tatsächlich ist die Fortpflanzung, bei der die Partner einander in die Augen schauen, unter Säugetieren selten. Das hat häufig schon rein anatomische Gründe – man versuche nur, sich das bei Elefanten vorzustellen.

So ist es kein Wunder, dass vor allem die Affen, die dem Menschen am nächsten sind, auch beim Sex vereinzelt ähnliche Stellungen praktizieren. Etwa die Bonobos, die ja sowieso kaum eine Sexpraktik auslassen. Oder Gorillas: 2008 konnte Thomas Breuer vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie zwei wild lebende Gorillas in flagranti in dieser Stellung fotografieren.

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Aber auch außerhalb der Ordnung der Primaten wird die Missionarsstellung praktiziert. Bei Tieren, die im Wasser leben, ist sie gang und gäbe – zu nennen sind Delfine, Seelöwen und Biber. Ein Einzelfall ist das Gürteltier. Man kann sich leicht vorstellen, dass der Panzer andere Arten des Geschlechtsverkehrs verhindert. Stachelschweine dagegen treiben es trotz ihrer Stacheln a tergo – ganz vorsichtig eben.