Serie Political AnimalsDie Rückkehr der Könige

Im Westen der USA wollen Umweltschützer und Indianer Tausende von Bisons ansiedeln. Doch die Lobby der Rinderzüchter leistet erbitterten Widerstand von 

Bison im Yellowstone-Nationalpark in Wyoming. Die heute noch lebenden Tiere sind meist Nachzüchtungen.

Bison im Yellowstone-Nationalpark in Wyoming. Die heute noch lebenden Tiere sind meist Nachzüchtungen.  |  © Reuters/Jim Urquhart

Wenn die Welt irgendwo grenzenlos erscheint, dann hier, im Nordosten von Montana rund um das Indianerreservat Fort Peck. Karge Graslandschaften, hin und wieder ein paar schwarze Rinder. Eine halbe Million sollen hier äsen, in den Weiten der Prärie bleiben sie fast unsichtbar.

Dann endlich eine Farm. "Hände weg vom Grasland!", hat der Besitzer auf seinen Zaun gepinselt. Und: "Montana gehört dem Rind!" Wer, fragt man sich inmitten dieser Einöde, wollte sich hier an Land vergreifen? Und welche Tiere sollten hier den Rindern Konkurrenz machen?

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Die Antwort findet man weitab der Straße, versteckt zwischen grünen Hügeln und umzäunt von einem kilometerlangen, zwei Meter hohen Drahtverhau: 61 Bisons, im Volksmund, wenngleich biologisch falsch, seit je buffalo, also Büffel, genannt. Mit ihren hohen Schultern und den gewaltigen Schädeln sehen sie aus der Ferne wie bizarre Felsen aus. Doch dann bewegen sie sich, erst langsam, dann immer schneller. Der Boden zittert tatsächlich.

Um diese Kolosse, jeder bis zu tausend Kilo schwer, ist im US-Bundesstaat Montana nun wie zu Zeiten des Wilden Westens ein erbitterter Konflikt um Land und Weiderechte ausgebrochen. Auf der einen Seite stehen Rancher, konservative Senatoren und die Lobby der Viehzüchter, auf der anderen Umweltschützer und ein Gouverneur der Demokraten. Und die Indianer vom Volk der Sioux und Assiniboine, vertreten durch ihren Sprecher Larry Wetsit, einen Medizinmann mit einer Kette aus Büffelzähnen um den Hals.

Der Kampf um den Bison begann am 19. März vergangenen Jahres, als die zotteligen Ungetüme aus Viehtransportern in die verschneite Prärie trabten. Die Sioux und Assiniboine feierten das Ereignis drei Tage lang mit Tänzen und Trommeln. 140 Jahre nachdem weiße Siedler, Jäger und Soldaten die Tiere nahezu ausgerottet hatten, waren sie in ihre angestammte Heimat zurückgekehrt – und zwar als staatlich ausgewiesene "kulturelle Güter".

Denn bei den 61 Exemplaren handelt es sich nicht um gewöhnliche, mit Rindergenen vermischte Büffel, deren Fleisch heute auch als Burger auf den Tisch kommt. Sondern um absolut reinrassige Nachkommen jener Tiere, die vor über hundert Jahren das massenhafte Abschlachten durch weiße Jäger überlebt hatten. Genau 23 echte Bisons hatten sich Ende des 19. Jahrhunderts in den Yellowstone-Nationalpark, rund 800 Kilometer von Fort Peck entfernt, gerettet. Einige Jahre später ließ der damalige Präsident Teddy Roosevelt zu ihrem Schutz eigens die Kavallerie ausrücken. Er fürchtete, mit dem Untergang dieser kraftstrotzenden Tiere würde auch ein Symbol für Amerikas Macht und Männlichkeit verschwinden. In der geschützten Umgebung des Nationalparks ist die Zahl der Bisons inzwischen wieder auf 4.000 bis 5.000 angewachsen.

In Fort Peck ist in diesen Augusttagen die Zeit der indianischen Sonnentänze angebrochen. Auf einer großen Wiese stehen Tipis, in der Mitte tanzen die Menschen bis zur Erschöpfung um einen festlich geschmückten Baumstamm. In ihren Gebeten ehren die Indianer immer wieder den Bison. "Mit seiner Rückkehr", sagt der Medizinmann Larry Wetsit, "haben wir auch unsere Seele zurückgewonnen. Und unseren Stolz." Wetsit arbeitet hauptberuflich als Vizerektor des örtlichen Community College und staatlicher Wildtier-Beauftragter. Daheim wacht er über einen uralten Bisonschädel, der schon seit Jahrhunderten von Medizinmann zu Medizinmann weitergereicht wird. "Der Yellowstone-Bison ist unser kulturelles Erbe", sagt er, "die letzte direkte Verbindung zu unserer zerstörten Vergangenheit."

Leserkommentare
  1. und wurde dafür nie entschädigt. Dem Büffel wird es ähnlich ergehen, Lobbyisten und rassistische Politiker werden sich hier durchsetzen. Wär ja noch schöner.

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  2. "Bison im kalifornischen Yellowstone-Nationalpark."

    Der Yellowstone NP liegt in Wyoming.

    MFG

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    Redaktion

    Danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert.

  3. Manchmal fragt man sich immer wieder dieser Planet ist für den Menschen einfach zu klein.

    Dabei war das Bison vor den Amerikaner dort, ist denn Profit immer wieder mehr wert als Natur und Ökologisch gerecht verteilt zu leben.

    Die USA halt, aber bei uns ist es ja auch nicht anders.

    Das erklärt schon, warum ein Bill Gates die Menschen auf 500 Millionen reduzieren will.

    2 Leserempfehlungen
  4. "Wir wollen Dinosaurier nicht zurück" - warum denn nicht? Es dürfte höchst interessant werden, wie sich das Zusammenleben mit Menschen in den Grenzgebieten entwickelt.

    Aber mal Ironie beiseite: Auch bei den Bisons wird eine Eingrenzung nicht ohne Probleme abgehen. Von riesigen Herden wie vor 200 Jahren zu träumen ist absurd.

    Kleine Reservate sind jedoch unbedingt zu fördern.

  5. 5. Äsen?

    Rinder äsen nicht, sie grasen.

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    laut Duden sind äsen und grasen Synonyme....

    MfG

    • Atan
    • 24. August 2013 10:02 Uhr

    Wissenschaft" findet sich gerade eine etwas ausführlichere Darstellung aus naturschutzfachlicher Sicht über die Koexistenz von Farmern, Bisons und Wölfen am Rande des Yellowstone NP.
    http://www.spektrum.de/al...

    Es ist in den USA nicht viel anders als hier, wer die Rückkehr großer Herbi. und Carnivoren in ihre angestammten Lebensräume will, muss für einen sinnvollen Interessenausgleich zwischen Schützern und Nützern sorgen.
    (Brucelloserisiken sollte man übrigens keinesfalls verharmlosen, in der EU ist sogar die Impfung dagegen strikt untersagt, damit ein Befall jederzeit nachgewiesen werden kann. Wenn die USA also im Sinne des Freihandels ihr Fleisch exportieren wollen, müssen die Bestände absolut frei von Brucellose sein. Als Zoonose ist sie übrigens auch auf den Menschen übertragbar.)

  6. laut Duden sind äsen und grasen Synonyme....

    MfG

    Antwort auf "Äsen?"
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    • Dieterf
    • 24. August 2013 18:02 Uhr

    Sie machen es sich zu einfach. 'Äsen' ist laut Duden ein Wort aus der Jägersprache. Da Rinder kein Jagdwild sind, sagt man nicht, dass Rinder äsen.

    • Mortain
    • 24. August 2013 11:37 Uhr

    Warum nicht Profit mit dem richtigen verbinden? Das Fleisch der Tiere ist hochwertig und dementsprechend sollte es einen Markt dafür geben und wenn es in nicht gibt kann man einen schaffen ("Rind = unamerikanisch, Bison = amerikanisch). Und es ist allemal besser einmal in der Woche Bison las viermal in der Woche Kuh zu essen. Betrachte ich den Aspekt der Landschaftspflege, ist die Sache für mich klar.

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