GrillplatzmeisterHeiß grillen mit kühlem Kopf

Die Stadt Wien hat einen neuen Beruf erfunden: Männer, die für Ordnung beim Brutzeln sorgen. von Andreas Macho

Grillplatzmeister Yasin Sahin sorgt für Ordnung auf den Grillplätzen entlang der Neuen Donau in Wien.

Grillplatzmeister Yasin Sahin sorgt für Ordnung auf den Grillplätzen entlang der Neuen Donau in Wien.  |  © Gianmaria Gava für DIE ZEIT

Noch ist es ruhig entlang der Neuen Donau. Nahe am Ufer schwimmt eine Entenfamilie, bei der Brigittenauer Brücke stecken zwei Schwäne den Kopf ins Wasser. In der Bucht nebenan werfen Männer mit kurzen Hosen und stattlichen Bäuchen die ersten Fleischspieße auf den Grill. Bis zum Abend werden sich mehr als 3.000 Menschen in der schmalen Brigittenauer Bucht drängen, Einweggrill an Einweggrill. Der scharfe Duft ihrer Gaumenfreuden wird noch auf der gegenüberliegenden Donauinsel zu riechen sein.

Auch der gebürtige Türke Yasin Sahin hat seinen Grill angeworfen. Darauf kocht aber nur das Wasser für seinen Tee in einer kleinen Kanne. Sahin, 40 Jahre, verspiegelte Sonnenbrille, schwarzes Haar, trägt eine grüne Warnweste mit der Aufschrift "Grillplatzmeister" – eine Profession, die es nur dank der Innovationsfreude des Wiener Magistrats gibt. Über die Tasse hinweg bahnt sich sein Blick schon einen Weg durch grillende Kroaten, grillende Türken, grillende Studenten, grillende Thailänder, grillende Polen. "Die ganze Welt ist hier", sagt Sahin und lächelt. Der Grillplatzmeister Sahin ist hier, um den Frieden dieser kleinen Welt zu sichern.

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Hätte Armutszuwanderung einen Geruch, es wäre wohl jener von Grillfleisch. Mit dem rauchigen Duft verbreitet sich zugleich ein schwelender Konflikt. Denn so beliebt das Grillen auf öffentlichen Flächen vorwiegend bei östlichen Zuwanderern ist, so wenig Verständnis zeigen Einheimische oft für verstopfte Gehwege und vermüllte Wiesen. Manche Städte haben vor dem Problem längst kapituliert. Nachdem Berlin das Müll- und Geruchsproblem durch die Griller im Tiergarten nicht in den Griff bekommen hatte, wurde 2011 kurzerhand der gesamte Bezirk Mitte bis auf den Monbijoupark zur Grillverbotszone erklärt. Damit wurde das Problem aber lediglich verlagert: Mittlerweile stöhnen die Außenbezirke über den Müll in den Parkanlagen. In den Monbijoupark wagen sich die Mitarbeiter des Ordnungsamts indessen nur noch mit Polizeischutz, so aufgeheizt ist die Stimmung.

Auch in Wien kochen die Emotionen gelegentlich über. Bis zu 10 000 Menschen drängen sich an Spitzentagen in den beiden Grillzonen entlang der Neuen Donau. Grillkrieg titelten vor zwei Jahren die Boulevardzeitungen, als sich zwei rumänische Großfamilien eine Schlägerei lieferten. Erst vor Kurzem habe es Probleme mit Tschetschenen gegeben, berichtet der Magistrat. Statt auf Blaulicht setzt Wien an Wochenenden und Feiertagen aber lieber auf 21 Grillplatzmeister. Aus Exjugoslawien, der Türkei und Polen kommen die meisten von ihnen. Durch diesen Migrationshintergrund sollen sie den grillenden Zuwanderern auf Augenhöhe begegnen.

Es ist kurz nach Mittag, die Sonne knallt vom Himmel, und Sahin dreht eine Kontrollrunde in der Brigittenauer Bucht. Er winkt nach links, lächelt nach rechts, lässt den Blick auf einem Kind ruhen, bis dessen Eltern auftauchen. "Es ist eine große Familie", sagt Sahin. Das Wort Familie wird er neben super noch oft gebrauchen. Bei Sahin ist alles super, auch wenn es nicht super ist. "Das ist ein super Platz, nur Grillen ist hier verboten", sagt er zum Oberhaupt einer zwanzigköpfigen philippinischen Familie. Sahin spricht sanft. Die Worte rollen über seine Lippen, als wollte er den deutschen Lauten ein wenig von ihrer Härte nehmen. Vielleicht sind seine Aufforderungen deshalb so effektiv. Sofort trottet die Großfamilie hinter die Begrenzungspfosten, außerhalb derer kein Feuer brennen darf. Ein junges Pärchen schiebt den Grill an Sahin vorbei zurück in die Grillzone. "Danke für den Hinweis", sagt der Bursche.

Leserkommentare
  1. "Durch diesen Migrationshintergrund sollen sie den grillenden Zuwanderern auf Augenhöhe begegnen."

    Wo befände sich denn im Verständnis des Artikelschreibers ein Österreicher in diesem Koordinatensystem? Darüber oder darunter?

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    Wo befände sich denn im Verständnis des Artikelschreibers ein Österreicher in diesem Koordinatensystem? Darüber oder darunter?

    Steht doch im Artikel. Ärger machen ausschließlich die nativen Österreicher und werden von Herrn Sarin mit sanftem Druck zur Ordnung gerufen. Die Migranten dagegen sind verständig, einsichtig und halten sich eh an die Regeln ...

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

    • fx66
    • 17. August 2013 3:26 Uhr

    Das lässt viele Interpretationen offen. Einen Schw***vergleich wie Sie ihn vermuten, konnte ich nicht herauslesen. Dass der Durchschnittsösi kein Multikulti-Familienmensch ist, ist offenkundig.

    > Unten an der Bucht füttern die Kinder der Iraker, Türken, Philippinnen,
    > Kroaten und Österreicher ein paar Enten. Sahin steht daneben, zündet sich
    > eine Zigarette an und grinst: "Wie eine große Familie."

  2. Wo befände sich denn im Verständnis des Artikelschreibers ein Österreicher in diesem Koordinatensystem? Darüber oder darunter?

    Steht doch im Artikel. Ärger machen ausschließlich die nativen Österreicher und werden von Herrn Sarin mit sanftem Druck zur Ordnung gerufen. Die Migranten dagegen sind verständig, einsichtig und halten sich eh an die Regeln ...

    Antwort auf "Seltsame Kategorie"
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    • fx66
    • 17. August 2013 3:11 Uhr

    "..dagegen sind verständig, einsichtig und halten sich eh an die Regeln ..."

    Das ist aber auch nicht ganz vollständig:

    > Grillkrieg titelten vor zwei Jahren die Boulevardzeitungen, als sich zwei
    > rumänische Großfamilien eine Schlägerei lieferten.

    Andererseits: Vielleicht ist Herr Sahin selbst Migrant. Ihr verdeckter Rassismus ist demnach oberpeinlich.. !

  3. Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

    Antwort auf "Seltsame Kategorie"
    • fx66
    • 17. August 2013 3:11 Uhr

    "..dagegen sind verständig, einsichtig und halten sich eh an die Regeln ..."

    Das ist aber auch nicht ganz vollständig:

    > Grillkrieg titelten vor zwei Jahren die Boulevardzeitungen, als sich zwei
    > rumänische Großfamilien eine Schlägerei lieferten.

    Andererseits: Vielleicht ist Herr Sahin selbst Migrant. Ihr verdeckter Rassismus ist demnach oberpeinlich.. !

    Antwort auf "@artusdanielhoerfeld"
    • fx66
    • 17. August 2013 3:26 Uhr

    Das lässt viele Interpretationen offen. Einen Schw***vergleich wie Sie ihn vermuten, konnte ich nicht herauslesen. Dass der Durchschnittsösi kein Multikulti-Familienmensch ist, ist offenkundig.

    > Unten an der Bucht füttern die Kinder der Iraker, Türken, Philippinnen,
    > Kroaten und Österreicher ein paar Enten. Sahin steht daneben, zündet sich
    > eine Zigarette an und grinst: "Wie eine große Familie."

    Antwort auf "Seltsame Kategorie"
    • Tets
    • 17. August 2013 11:37 Uhr

    "Die Stadt Wien hat einen neuen Beruf erfunden: Männer, die für Ordnung beim Brutzeln sorgen."

    Es gibt auch Frauen, die das machen.

    "Einweggrill an Einweggrill"

    Da es in der Nähe der Grillzonen Autoparkplätze gibt, nehmen die meisten, die regelmässig dort hingehen, richtige Griller mit. Zudem bräuchte man schon ein halbes dutzend Einweggriller, um halbwegs aufzukochen für eine Familie oder einen größeren Personenkreis.

    • xtina72
    • 20. August 2013 12:18 Uhr

    Bei uns (zumindest in München) erledigen solche "Park- und Grillüberwachungen" entweder die Polizei oder kommunale Bedienstete. Ohne irgendwelchen "Grill-überwacher-Doktor-Titel".

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