SerieVon A nach B

Jochen Wegner fährt mit dem BMW ActiveE von Berlin-Prenzlauer Berg zum Flughafen Tegel von 

BMW ActiveE

BMW ActiveE  |  © BMW

Ein früher Sonntagmorgen in Berlin, es schüttet seit Tagen, wir wollen zum Flughafen, die Kinder abholen, suchen in unserer Carsharing-App nach einem verfügbaren Gefährt und wählen das in der Schwedter Straße. Wir hasten im Regen durch die ausgestorbenen Straßen, retten uns in den Wagen.

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin  |  © .marqs/Photocase

Das vertraute Auto, von außen ein gängiges BMW-Modell, zeigt nicht den gewohnten Startbildschirm, sondern eine Anleitung: So lädt man auf. So finden Sie Ladestationen. Vorsicht, Fußgänger hören dieses Auto nicht kommen! Wir haben eins der neuen E-Cars mit Elektromotor erwischt, die jetzt unter die gewöhnlichen Leihwagen gemischt sind. Ich bin vor Jahren mit einem Tesla gefahren, einem jener kalifornischen E-Sportwagen, die beim Hochfahren plingten wie eine alte Windows-Installation, beim Bremsen sangen wie eine Straßenbahn und als Sonderausstattung das Geräusch eines Verbrennungsmotors einspielten. Unser E-Car macht nichts. Ich drücke den Knopf, der bei sterblichen Autos den Anlasser betätigt. Nichts. Ich drücke ihn noch einmal: nichts. Dann entdecke ich den Zeiger, der den Einschalt-Zustand signalisiert, und tippe vorsichtig das Gaspedal an. Das Auto springt aus der Parklücke. 250 Newtonmeter.

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Jetzt durchmessen wir die regennassen Straßen, sanftes Fahrwerk und lautloser E-Motor entkörperlichen die Autofahrt, und spätestens als wir in die Schönhauser Allee einbiegen, gleiten wir in Gedanken über die Stadt.

Links donnert eine menschenleere U-Bahn vorbei, wir schweben die Schönhauser hinauf, es sind nur ein paar schwankende Clubbesucher zu sehen, die Androiden sein könnten. Ich bin der Blade Runner, mit der schönen Replikantin Rachael in meinem Gleiter unterwegs durch den Dauerregen der postapokalyptischen Stadt, auf der Flucht vor den Behörden, die uns auslöschen wollen.

Auf dem Rückweg diskutieren wir, ob wir das E-Auto bald für einen Ausflug an den 30 Minuten entfernten Wandlitzer See buchen wollen. (Ein Verbrennungsmotor und der Krieg ums Benzin wie in Mad Max kommen für Blade Runner nicht mehr infrage.) Nach der kurzen Fahrt mit Scheibenwischer ist die Akku-Anzeige allerdings besorgniserregend gesunken. In Wandlitz gibt es bestimmt keine Ladestation. Könnte wieder spannend werden.

Technische Daten

Motorbauart: Elektromotor
Leistung: 125 kW (170 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,0 s
Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h
Durchschnittsverbrauch: 14 kWh/100 km
Das Modell wird derzeit in Feldversuchen getestet

Jochen Wegner ist Chefredakteur von ZEIT Online

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Leserkommentare
  1. Das war aber eine lange Parklücke ... ;-)

    • Radeba
    • 23. August 2013 18:19 Uhr

    Palermo geht...
    [...]
    Gekürzt. Bitte verzichten Sie in den Kommentarbereichen auf jegliche Form von Werbung. Auf Ihr privates Blog können Sie in Ihrem Profil einen Hinweis platzieren. Danke, die Redaktion/jk

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