Schon der erste Tesla, ein batteriegetriebener Zweisitzer, hatte es mir angetan. Er beschleunigte wie ein Raketenauto. Die Botschaft des Spielzeugs für Millionäre: Elektrisch fahren ist keine Last, sondern ein lautloser und, sofern der Strom aus Sonne oder Wind gewonnen wird, reueloser Spaß.

Nächste Woche kommt der zweite Tesla nach Deutschland, das Model S. Kein Spaß mehr, sondern Ernst. Wie ernst, das sieht man am Aktienkurs der Autofirma von der amerikanischen Westküste, der sich in diesem Jahr, nachdem die ersten Quartalsgewinne kamen, verdreifacht hat. Das erste Modell, der Roadster, wurde nur 2500-mal gebaut. Der neue Viertürer wird sich schon in seinem ersten Jahr 10.000- bis 20.000-mal verkaufen.

Er ist die nächste Stufe im Drei-Stufen-Plan des Tesla-Gründers Elon Musk. Das neue Model S kostet mehr als 70.000 Euro, in der leistungsstärksten Variante mit allem Drum und Dran sogar rund 100.000: ein Luxusauto wie ein Siebener-BMW, nur eben in der noch höchst übersichtlichen Welt der Stromautos. Als Nächstes will Musk ein massentaugliches Auto bauen lassen, den Golf der Batteriewelt.

Lange galt der studierte Physiker als Don Quijote im Kampf gegen das Traditionsdenken der Autokonzerne. Jetzt traut man ihm fast alles zu. Mit seiner Firma SpaceX baut er erfolgreich Raketen und demnächst wohl bemannte Raumschiffe. Seine Solarfirma läuft, und mit dem Know-how von dort hat er zu Hause in Kalifornien ein Netz von Stromtankstellen aufgebaut, an denen man in einer halben Stunde nachladen kann. Etwas trinken und essen, und weiter geht’s.

Neuerdings will Musk auch den Bahnverkehr revolutionieren. Statt in teuren und relativ langsamen Zügen sollen die Menschen lange Distanzen in kleinen runden Vehikeln innerhalb von Vakuumröhren zurücklegen. Von Los Angeles nach San Francisco in einer halben Stunde, das ist der Plan. Eine erste Demo-Röhre will Elon Musk selbst entwickeln, dann sollen sich andere der Idee annehmen.

Was also kommt heraus, wenn so einer ein E-Auto für die ganze Familie baut? Wie ist es, wenn man nicht nur mal eine Testfahrt macht, sondern einige Tage damit lebt? Und wo nimmt man es überhaupt entgegen?

In Hamburg am besten im George, denn in der Garage des Design-Hotels nahe der Außenalster darf Tesla das Auto aufladen. Und Aufladen ist wichtig im Leben mit dem Tesla.

Gut sieht er aus, eine Mischung aus Audi A7 und Jaguar XF. Vier Räder, vier Türen, stromlinienförmig, aber da hört die Verwechselbarkeit auch schon auf. Schließlich ist das kein Auto aus Ingolstadt oder Birmingham, sondern aus dem Silicon Valley. Ich nähere mich dem Model S mit dem Schlüssel in der Tasche. Von selbst fahren die silbernen Griffe heraus, die ganz in die Türen eingelassen waren. Lange haben die Ingenieure in Kalifornien an diesem Detail gearbeitet. Der Chef wollte es unbedingt.

Der Tesla-Mann in Hamburg muss nicht viel erklären. Vorne in der Mitte leuchtet ein riesiger Touchscreen auf, mindestens so groß wie drei iPads. Auf ihm lässt sich alles am Auto leicht regeln. Könnte von Steve Jobs sein, denke ich, dem verstorbenen Apple-Gründer, dessen schlichte Designs Elon Musk immer bewunderte. Das Sonnendach öffnet sich mit einem leichten Wischen über das auf dem Bildschirm abgebildete Autodach, das Internet und die Google-Navigation sind bereit, auch die Fahrwerkshöhe und die Lenkhärte werden hier eingestellt.

Anlassen gibt es nicht mehr, ist ja ein Batterieauto. Den Hebel am Lenkrad auf Drive, und man gibt – Strom. Kein Lärm. Kein Warmwerden. Kein Schalten. Nur losfahren. Wenn man will, in 4,4 Sekunden von null auf hundert, schneller als ein Porsche 911 Carrera. Aber ich gleite nur durch die Stadt. "Bremsen ist nicht nötig", hat der Tesla-Mensch noch gesagt. Das Auto holt sich Energie für die Batterie zurück und verzögert dadurch automatisch, wenn man vom Gas geht. Eine kleine Herausforderung: vom George zum Bürohaus der ZEIT, ohne zu bremsen.

Groß ist das Auto, es passt nur mit Mühe auf den Eckparkplatz in der Firmengarage, auf dem sonst ein Golf Variant parkt. Trotzdem komme ich am Nachmittag gut wieder heraus, die Heckkamera bringt jedes Detail auf den großen Bildschirm. Ich gebe es zu, ich bin leicht verliebt, so wie es meine Frau nach der ersten Stunde in das erste iPhone war. Ich fahre nach Hause, und wieder stört eigentlich – nichts. Kein Klappern. Kein billiges Plastik. Viel Alu und Leder. Angenehm ist auch die indirekte LED-Beleuchtung im Innern.

Meine Frau und unsere beiden kleinen Töchter sind kritische Geister. Ein echter Test also. Sieht gut aus, erklären sie, und am nächsten Tag wird die beste Schulfreundin der Achtjährigen "Cooles Auto, Uwe" zu mir sagen und die Daumen in die Höhe strecken. Es gibt Schlimmeres im Leben eines Papas.

Viel Platz hier hinten, loben die Töchter, da sucht meine Frau im Internetradio schon weltweit die Stationen ab. Die Entscheidung fällt für einen Folk-Sender aus Hawaii. Wir fahren zwar nur an den Elbstrand von Blankenese, das aber mit Absicht. Nirgendwo in Hamburg ist es enger und verwinkelter als in dem Elbvorort. Der Tesla kommt leicht durch die Sträßchen. Das Sonnendach ist weit offen, wir fühlen uns gut. Als dann eine Hamburg-Tour von Männern in lärmenden und, Pardon, stinkenden Gokarts vorbeikommt, fühlen wir uns noch besser. Lärm? Machen wir nicht. Abgas? Verursachen wir gerade auch nicht. Die jungen Männer wirken wie aus einer alten, einer sehr alten Zeit.

Ja, andere bauen ebenfalls reine Elektroautos, neuerdings auch BMW mit dem i3. Aber keiner erzeugt bisher so viel Freude am Fahren. Hamburg hat eine berühmte Erhebung, den steilen Waseberg in Blankenese. Um ehrlich zu sein, da gebe ich auf der Rückfahrt dann tatsächlich mal Strom, und das Auto schießt den Berg hinauf, als sei da gar keine Steigung.

"Aber Papa", sagt die Große, als sie den Schub spürt, dann lacht sie nur noch über diese merkwürdige Leichtigkeit. Man kann sich natürlich fragen, was geschehen würde, wenn alle Menschen E-Autos fahren. Die beschleunigen wegen ihrer Technik schneller als Benziner, die ihre Motorkraft erst mühsam ins Vorwärts übersetzen müssen. Aber Spaß macht es, und das Überholen von Treckern und anderen Hindernissen fällt dem Fahrer leicht.