Serie Karrieretipps Das Zitat... und Ihr Gewinn

Curd Jürgens sagt: Alles, was Spaß macht, hält jung. von 

Eine Klagelied hallt durch die deutsche Wirtschaft: "Sag mir, wo die Fachkräfte sind, wo sind sie geblieben?" Immer mehr Hochqualifizierte werden benötigt, aber immer weniger gefunden. Die Jahrgänge in Deutschland werden kleiner, die Hochschulabgänger verteilen sich zunehmend über den Globus, von London bis Singapur.

Doch dieselben Firmen, die den Fachkräftemangel beklagen, erlauben sich eine große Dummheit: Sie schieben hochqualifizierte Fachkräfte aufs Abstellgleis, sofern diese einen irreparablen Fehler aufweisen, sprich älter als 55 oder gar 60 Jahre sind. Überall laufen Frühverrentungsprogramme, fließen Abfindungen, tut man alles, um Fachkräfte in Rentner zu verwandeln. Der Gesetzgeber unterstützt dieses Spiel, indem er eine starre Grenze aufrechterhält: Mit 65 läutet er die Rente ein, in einigen Berufen sogar verbindlich. Als wäre die Haltbarkeit eines Menschen auf dem Arbeitsmarkt abgelaufen. Als könnte seine weitere Beschäftigung zu Schäden führen.

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Wenn Firmen mit der einen Hand nach Fachkräften suchen, sie mit der anderen jedoch vor die Tür schieben, haben sie kein Recht zu jammern – sie müssen umdenken!

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Bald schon werden die Unternehmen alles tun, um ältere Fachkräfte lange zu halten, statt sie früh loszuwerden. Sie werden darum konkurrieren, wer älteren Fachkräften die besten Arbeitsmodelle bietet, zum Beispiel Dreitagestellen mit einem großen Anteil an Heimarbeit. Ebenso können ältere Mitarbeiter als interne Berater und Ausbilder agieren.

Und der Gesetzgeber wird einsehen: Wir brauchen Rentenmodelle, die es Menschen erlauben, bis zum 70. oder 75. Lebensjahr zu arbeiten – sofern sie Lust dazu haben. Arbeit hält jung, wenn sie Spaß macht, wie Curd Jürgens sagt. Zahllose Selbstständige machen vor, dass Berufstätigkeit im Alter nicht Last, sondern Lust bedeuten und wie ein Jungbrunnen wirken kann. Dasselbe gilt für Politiker: Adenauer war 73, als er Kanzler wurde. Und Peer Steinbrück, der aktuelle Kanzlerkandidat der SPD, wäre mit seinen 66 Jahren in der freien Wirtschaft auch schon Rentner.

Die Mischung aus erfahrenen und jungen Mitarbeitern führte zu einer großen Innovationskraft in deutschen Firmen – das neuste Hochschulwissen träfe auf die größte Praxiserfahrung. Die Lösung für den Fachkräftemangel ist zum Greifen nah, sie sitzt in den deutschen Firmen – falls sie nicht schon frühverrentet ist.

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Leserkommentare
  1. Viele Manager und Gesellschafter favorisieren "Junge Teams".Junge gelten als formbar und als "Hungrig nach Leistung". Und sie sind billig und flexibel: sie haben keine Partner und keine Familie, die ggf. nicht mitspielen. Und sie sind noch nicht so lebenserfahren, um psychologische Spielchen und Leere Versprechungen zu durchschauen.

    14 Leserempfehlungen
  2. Ach, Wehrle, schon wieder Wehrle. Und nicht einmal mit der Grammatik klappt's. Richtig wäre bestenfalls gewesen: "... wie Curd Jürgens gesagt hat."

    Nun ist der Jürgens allerdings schon seit über 30 Jahren maustot, und ich glaube nicht, dass es noch irgendjemanden interessiert, was Jürgens jemals gesagt hat.

    2 Leserempfehlungen
  3. Eine alternative Erklärungsmöglichkeit des Widerspruches, den Sie in den ersten Zeilen ausarbeiten könnte auch sein, dass es jenen Mangel gar nicht gibt.
    Inwiefern man allerdings freiwillig länger arbeiten kann, das habe ich keine Ahnung, allerdings denke ich schon, dass man das machen dürfte. Das sollte dann aber nicht in die Freiwilligkeit abrutschen, mit der "konsumlustige" Deutsche freiwillig Minijobs annehmen.

    3 Leserempfehlungen
    • vastus
    • 08. September 2013 19:27 Uhr

    Volle Rente für jeden mit mind. 45 Beitragsjahren inkl. Ersatzzeiten!

    6 Leserempfehlungen
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    Rente ab 20!!

  4. Rente ab 20!!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Rente mit 45 !!!"
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    • skeptik
    • 08. September 2013 21:48 Uhr

    sind doch völlig OK. Oder haben Sie den Kommentar nicht richtig gelesen?

    ... es hat mich aber einfach gereizt.
    Bin übrigens selbst nach 39 Jahren im Beruf (plus Schule und Studium) mit 65 Jahren plus 1 Monat pensioniert worden.

    ,)

  5. ... auf den flughäfen/imalle/fuerte/in den reisebussen 'anne tanke'beim rudeltadel...

    die haben doch ne menge 'spaß anne backe' und scheinbar geld genug, um es sich puppig zu machen.

    => uns geht's doch sooo gut; bloß nichts ändern, alles schön so lasen wie es ist, nach uns die sintflut oder ...

    http://www.free-notes.net...

    • lokicfb
    • 08. September 2013 19:56 Uhr

    Viele Arbeitgeber haben immer noch den Irrglauben, sich auf dem Arbeitsmarkt bedienen zu können, ohne Ihren eigenen Beitrag zu leisten.
    Das Thema Berufsausbildung ist völlig vernachlässigt. Schaut wir uns die Zahlen an, wie seit den 70ern die ausbildenden Betriebe und die Anzahl der Auzubis zurückgegangen ist, muss Arbeitgebern nicht verwundern, wenn es ab Zeitpunkt X keine Fachkräfte gibt ...

    9 Leserempfehlungen
    • DerGerd
    • 08. September 2013 20:24 Uhr

    Ich wäre sofort dabei. Auch mein Arbeitgeber kann "Erfahrene" nicht gebrauchen. Besser sind Junge, billige, "Nicht-Widersprechende", 24/7-Arbeiter. Leute, die wissen wovon sie sprechen, die Argumentieren, braucht man nicht, Soldaten sind besser. Also wo kann ich mich melden?

    3 Leserempfehlungen
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    • F. M.
    • 08. September 2013 21:27 Uhr

    Mich wollte mein Arbeitgeber, ein global player, bei dem ich sehr lange tätig war, voriges Jahr los werden.

    Und man hat sich's was kosten lassen, da ich noch gar nicht rentenberechtigt, weil ich für einen verfrühten Renteneintritt noch zu jung war.

    Die jungen Leute, die man nach mir eingestellt hat, sind anscheinend trotz der Kosten, die mein Abgang generiert hat, billiger für den Arbeitgeber.

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  • Schlagworte Fachkräftemangel | Rentner | Frührente | Alter | Arbeitsmarkt | Rente
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